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Nanga-Parbat-Expedition 2004

Nanga Parbat Rupal Face

30.06.2004     Der ausführliche Gipfelbericht (Teil 1 - Der Gipfeltag)

Als der 30. Juni im Licht des silbrigen Mondes anbricht, rüsten auf 7100m Höhe in der Diamir-Flanke des Nanga Parbat 7 Bergsteiger zum Aufbruch. Schon bis dahin war es ein weiter, hindernisgespickter Weg, auf den ein kurzer Rückblick angebracht ist: 3 Hochlager hatten die Sachsen und Thüringer vorher in wochenlanger Anstrengung vorab errichtet - 3 Hochlager hatten die intensiven Schneefälle der letzten Tage plattgemacht... In Lager 1 auf 4900m Höhe war es noch glimpflich abgegangen: nur ein Gestänge der beiden unter der Schneelast kollabierten Zelte war gebrochen und konnte schnell repariert werden. Lager 2 hatte es schon etwas schlimmer erwischt: 1m Neuschnee hatte die beiden Zelte begraben, die Zeltstangen wie weiche Spaghetti verbogen und die Ausrüstung unter dicken Eispanzern verborgen. Glücklicherweise auch hier nur eine Stelle, an der das Aluminium abgeschert war, so daß das mitgebrachte Reservegestänge zum Einsatz kam. Lager 3 schließlich bot das Bild einer absoluten Katastrophe: lediglich ein traurig aus dem Schnee schauender, abgeknickter Zeltstab signalisierte zunächst den ehemaligen Standort des Lagers. Nachdem der meterhohe Schnee die Zelte vollständig plattgemacht hatte, war eine Lawine über die kläglichen Reste hinweg gefegt und hatte ganze Arbeit geleistet: es sah aus, als hätte man versucht, mit dem Panzer einen Kleingarten umzugraben. Stundenlange Schaufelei brachte einen nach dem anderen Ausrüstungsgegenstand zum Vorschein: hier ein halbes Außenzelt (zerrissen), da einen Gaskocher (verbogen), dort ein Stück Zeltgestänge (zerbrochen) und zur Abwechslung mal eine Tafel Rittersport-Schokolade (unversehrt!). Stundenlang wühlten wir uns durch zig Kubikmeter des weißen Elends, bis zur völligen Erschöpfung. Vieles konnten wir dabei bergen, die Hälfte unserer Ausrüstung und Verpflegung blieb jedoch für immer verloren, so z.B. vier von fünf Thermosflaschen für den Gipfelgang, Christians Daunenjacke, Markus Stirnlampe, Kocher, Töpfe, Gaskartuschen,... Wir mußten völlig neu kalkulieren und - Zufall oder Vorsehung? - unter Weglassung einiger Reserven würde es bei etwas Sparsamkeit dennoch bis zum Gipfel reichen. Unser Elan war ungebrochen - der Berg hatte die Schlacht eröffnet! Am darauffolgenden Tag schließlich der Aufstieg ins Lager 4. Kamen wir in der festgepreßten Lawinenbahn zunächst einige hundert Meter ganz gut voran, so war dann wieder Wühlen angesagt: 20 Meter spuren, Führung abgeben usw. Von den 13 im Basislager aufgebrochenen Bergsteigern waren noch 9 dabei. Die deutsche Alpinistin Barbara Hirschbichler hat ebenso aufgegeben wie Bergfilmlegende Gerhard Baur - eine Entscheidung, die jeder der Weitergehenden angesichts der zu erwartenden Strapazen nur zu gut verstehen kann! Lager 4 wurde schließlich am späten Nachmittag in 7100m Höhe errichtet: ein super Ausgangspunkt mit direktem Blick auf das hinter den Zelten aufragende Gipfeltrapez... Nun ist also der große Moment gekommen: 1 Uhr Morgens setzt sich die kleine Karawane vom Lager 4 aus in Bewegung. Es sind jedoch nur 7 Bergsteiger, die bei klirrender Kälte und Mondschein beginnen, eine tiefe Spur durch die nächtliche Bazhinmulde zu ziehen. Die beiden Österreicher Sepp und Christian fühlen sich den Schwierigkeiten nicht gewachsen, bleiben im Lager zurück. Mit uns fünf gemeinsam unterwegs sind die beiden Österreicher Markus Kronthaler und Thomas Strausz. Wir alle sind voller Optimismus, den Gipfel heute zu erreichen, auch wenn die Spurarbeit anstrengend und das Vorankommen langsam ist. Nach Durchquerung der Bazhinmulde erreichen wir in der Morgendämmerung das Gipfeltrapez. Ein verlassenes kasachisches Zelt vom letzten Jahr weißt den Weg. Dann geht es durch die Gipfelflanke aufwärts: Langsam, stetig, anstrengend, kraftraubend. Aller paar Meter müssen wir uns beim Spuren abwechseln. Der viele Schnee weist die denkbar schlechtesten Bedingungen auf. Wir sind viel langsamer als erhofft, doch der Elan ist ungebrochen.
Am späten Nachmittag erlahmt der Optimismus und die Kraft von Jens. Er trifft die in einem solchen Fall einzig richtige Entscheidung und kehrt 17.30 Uhr auf ca. 7900m Höhe um. Eine Stunde später, nunmehr schon auf fast 8000m Höhe, folgen ihm die beiden Österreicher Markus und Thomas. Sie sind nicht mehr überzeugt, den Gipfel zu erreichen. Und eine solche Leistung vollbringt man nun mal nur mit der vollen Kraft der inneren Überzeugung! 19 Uhr funken wir ins Basislager, in der Hoffnung bald auf dem Gipfel zu stehen. Die letzten Meter ziehen sich jedoch noch einmal mächtig in die Länge: die Sonne geht unter und ein eigenartiges Licht breitet sich über den in tiefes Schweigen gehüllten Berg. Erst 21 Uhr erreichen Günter, Christian, Jörg und Markus den Gipfelgrat. Statt des erwarteten Tiefblicks auf der anderen Seite dehnt sich im silbrigen Mondlicht eine kleine Schneefläche, die sich in einer Wächte zum höchsten Punkt aufschwingt. Wir haben es geschafft!!! Für jeden von uns ist es ein besonderer Moment: Für Christian, der 1993 auf der anderen Seite des Nanga Parbat schon einmal gescheitert ist, erfüllt sich ein lang gehegter Traum. Jörg ist überwältigt von der Schwierigkeit und Schönheit dieses Berges. Markus hat trotz Dunkelheit auf seinem fünften 8000er das erste Mal mehr als nur ein paar Meter Sicht. Und für Günter schließlich schließt sich der Kreis, denn vor fast 50 Jahren war die Begegnung mit dem charismatischen Nanga-Parbat-Erstbesteiger Hermann Buhl seine erste Berührung mit dem Bergsteigen überhaupt, dem er seitdem viele Jahrzehnte treu geblieben war. Hier, auf dem Gipfel des Nanga Parbat, erfüllte sich damit wie er immer wieder betonte, der größte Traum seines Lebens...
Christian, dessen Daunenjacke der Lawine im Lager 3 zum Opfer gefallen ist und der unter dicken Schichten zusammengeborgter Fleecejacken steckt, will im aufkommenden eisigen Wind nichts riskieren: er steigt sofort wieder ab in Richtung Lager 4. Günter folgt ihm schon bald. Nur Jörg und Markus lassen sich in aller Ruhe Zeit, fotografieren und stecken sich händeweise Gipfelsteine in die Jackentaschen. Etwa 21.15 Uhr ist vom Basislager aus das Blitzlichtgewitter am Gipfel zu sehen. Die Freude im Basecamp ist natürlich riesig und man antwortet mit Lichtzeichen. 21.55 Uhr - wir sind alle längst im Abstieg - funken wir die Gipfelnachricht zur Bestätigung ins Basislager. Kurz darauf, gegen 22 Uhr, werden die Lampen von Jens und den beiden Österreichern Markus und Thomas in der Nähe des Quergangs am kasachischen Zelt gesichtet. 23.15 Uhr holt Markus in der Gipfelrinne Günter ein. Günter ist ganz schön erschöpft und durchgefroren. Er freut sich, daß er nun nicht mehr allein ist und fragt Markus nach etwas zu Essen und zu Trinken. Da so kurzfristig nichts anderes zur Hand ist, bekommt er zwei Dextro-Energen, die er kurz und knapp mit "Schmeckt nicht!" kommentiert. Das Rucksackdepot mit Günters Thermoskanne ist jedoch nicht weit. 23.30 Uhr ist Jörg bei den beiden und funkt ins Basislager, daß Günter ziemlich platt ist. Im Lager 4 erreicht er leider niemanden. Die drei beschließen, den Weg nun zu dritt fortzusetzen. Markus wird vorangehen und den rechten Weg suchen, vor allem aber darauf achten, daß sie das Rucksackdepot nicht verpassen. Jörg, der groß und stark ist, wird mit Günter gemeinsam gehen, um diesen ggf. zu unterstützen. Um Kraft und Zeit zu sparen, rutschen sie einen nicht ganz so steilen Abschnitt auf dem Hosenboden ab. Alles klappt wunderbar und sie kommen zwar langsam, aber stetig voran.

Christian & Markus Walter
Jens Triebel und Jörg Stingl
Basecamp, 05./06.07.2004

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