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Nanga-Parbat-Expedition 2004

21.06.2004
Die alpinistischen Grundfunktionen
Es gibt Tage, da muß man nicht mal voller Spannung auf 7.22 Uhr warten: wenn der Regen unablässig die ganze Nacht staccato aufs Zeltdach getrommelt hat, ist es müßig, für frühmorgens plötzlich irgendeine Veränderung zu erwarten.
Die Welt besteht in solchen Momenten scheinbar aus einer einzigen, riesigen grauen Wolke, aus der es unaufhörlich regnet. Das Dasein des Alpinisten reduziert sich an derartigen Tagen auf die Grundfunktionen: Schlafen, Essen, Trinken. Und Lesen. Zu letzterem haben wir ja vor kurzem schon mal berichtet. Der Status ist quasi noch der gleiche, bis auf das inzwischen schon Phase 2 eingetreten ist: jeder liest die Bücher der anderen, da die eigenen längst ausgelesen sind.
Glücklicherweise hat sich der Bücherpool durch Ankunft der Künstlergruppe um Carlos Castaneda und einige andere Autoren erweitert, so daß wir gelassen den nächsten Regentagen entgegensehen können. Über Grundfunktion Nummer zwei läßt sich nicht viel sagen: geschlafen wird so viel, so lange und so gut es geht. Und so lange wir die Schlafsäcke im Dauerregen noch trocken halten können, sollte es hier eigentlich auch keine Probleme geben. Bleiben schließlich und endlich noch Essen und Trinken und damit ist ein ganz wesentlicher Punkt angesprochen, von dem das Wohl und Wehe einer jeden Expedition abhängt: die Basislagerverpflegung hält nicht nur Leib und Seele zusammen - von ihrer Zusammensetzung, Zubereitung und Qualität hängt auch die Leistungsfähigkeit oben am Berg ganz wesentlich ab!
Verantwortlich dafür ist das Küchenteam, in unserem Falle Jehangir und Hazrat Walli, seit Ankunft der Kunstexpedition noch verstärkt durch Alam und seinen Helfer Sabir. Die Arbeit des Kochs beginnt natürlich nicht erst im Basislager, sondern schon beim Anmarsch und - als wichtigstes überhaupt - bereits bei der Vorbereitung. Die Auswahl und Zusammenstellung der Nahrungsmittelpalette für eine mehrwöchige Expedition verlangt nämlich unheimlich viel Erfahrung und unsereiner würde trotz mehrfacher Expeditionsteilnahmen bei der Mengenermittlung mit hoher Wahrscheinlichkeit vollständig versagen. Wieviel Kartoffeln braucht man beispielsweise für uns 5 Bergsteiger und 3 Einheimische (Verbindungsoffizier, Koch, Küchenhelfer) für sagen wir mal 6 Expeditionswochen? 20 Kilo, 50 Kilo oder gar 10 Kilo? Und reichen 2 Liter Speiseöl oder sollten es doch besser 5 oder gar 10 Liter sein?
Jehangir kennt sich mit solchen Zahlen bestens aus. Und deshalb hat er auch genau 3 Trägerlasten (=75 Kilogramm) Kartoffeln kalkuliert und nicht weniger als 22 Liter Speiseöl gekauft. Schließlich achtet er stets peinlichst genau darauf, zum Braten und Frittieren stets frisches Öl zu verwenden, was in Pakistan sonst ganz und gar nicht üblich ist. Er weiß ganz genau, was ein europäischer Magen verträgt und wogegen er sofort rebelliert. Und er weiß natürlich auch ganz genau, was eine Expedition wie die unsere so verbraucht in den langen Wochen am Berg!
Kurzer Einblick in die Verpflegungsliste gefällig?
Hier ist er: 75 Kilo Kartoffeln und 22 Liter Speiseöl hatten wir schon. Hinzu kommen 25 Kilo Reis und ebenso viel Zucker, 75 Kilo Mehl, 40 Kilo-Pakete Nudeln, 20 Kilo Zwiebeln und 100 Kilo Gemüse (Tomaten, Gurken, Paprika, Möhren, Kohl, Bohnen, Linsen...). Auch 3 Kilo Knoblauch dürfen nicht fehlen. Was lange haltbar sein muß, ist in Form von Konservenbüchsen vorhanden: 50x Thunfisch, 50x Ölsardinen, 20x Erbsen, 5x Rindfleisch, 10x Tomatenmark und 50 Dosen verschiedener Konservenfrüchte. 8 Liter Ketchup gibt's in Plastikflaschen, 2 Kilo Chilipulver in einer großen Dose, ebenso wie die 4 Kilo Salz. Auch an den Nachtisch ist gedacht: 4 Kilo Puddingpulver, 25 Instant-Pudding-Päckchen und 20 mal Götterspeise sollten eine Weile reichen. Fürs Frühstück wurden 20 große Pakete Cornflakes und 20 Packungen Haferflocken (Porridge) eingekauft. Oft gibt es morgens auch frisch gebackene Tschapati (Fladenbrote) und dazu eine Auswahl an Honig (10 Gläser), Erdnußbutter (8x) und verschiedener Marmelade (20 Gläser). Und die Frühstückseier? Gar kein Problem! Auch wenn von den ursprünglich 800 Eiern nur noch reichlich 200 da sind - notfalls wird aus dem nächsten Dorf Nachschub geordert.
Für Zwischendurch stehen 100 Packungen Kekse sowie 5 Kilo Trockenfrüchte und Nüsse zur Verfügung. Und auch die Getränkeabteilung ist gut bestückt: 20 Kilo Milchpulver, 4 Kilo lösliches Getränkepulver, 2 Kilo Schwarzer Tee, 2 Kilo Grüner Tee und Zitronentee sowie 6 Pakete Kaffee sorgen dafür, daß Coffee-Chacha und die anderen immer genug zu trinken haben. Man könnte die Liste noch lange fortsetzen - es fehlt an (fast) nichts...
Und was unser gute Jehangir nicht eingekauft hat oder was es in Pakistan schlicht und einfach gar nicht gibt, haben wir zum Glück selber mitgebracht, z.B. oberleckeren Dr.Quendt-Mandelstollen oder Kaiserschmarrn, Quarkkeulchen oder Kräuteromelette aus der Komet-Tüte. Und nicht zu vergessen die guten Würste und Fleischkonserven von diversen sächsischen und thüringischen Fleischern, die alle ein Produkt verarbeiten, welches man in ganz Pakistan vergeblich suchen würde: Schweinefleisch!
Doch aus diesen ganzen Vorräten einen abwechslungsreichen Speiseplan zu machen, verlangt noch viel mehr als ein gutes Gefühl für Bedarf und Menge! Kochen und in 4200m Höhe Kochen haben miteinander in etwa soviel zu tun wie die Tour de France mit dem samstagmorgendlichen Zum-Bäcker-Radeln. Wie lange kochen denn Kartoffeln in 4200m Höhe, um gar zu sein? 10 Minuten im Schnellkochtopf - hätten Sie's gewußt? Nudeln hingegen nur 3 Minuten und frisches Ziegenfleisch mindestens 2 Stunden, damit man sich nicht die Zähne daran ausbeißt. Eigentlich läuft der Kocher in Jehangirs Küche ohnehin fast den ganzen Tag und damit das funktioniert, sind 8 große Kanister mit je 30 Litern Petroleum mit ins Basecamp gewandert. 240 Liter Brennstoff! - hätten sie auch zu wenig mitgenommen? Alles in allem sind wir so rundum bestens versorgt in unserem Basislager.
Auch bei Regenwetter. Und auch was die letzte, bisher noch nicht erwähnte Grundfunktion betrifft. Na sie wissen schon... Was, wieviel? Ach so: 50 Rollen...
Markus Walter
Basecamp, 21.06.2004
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