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Nanga-Parbat-Expedition 2004

Nanga Parbat Rupal Face

20.06.2004     Ankunft der Kunstexpedition im Basislager

Punkt 7.22 Uhr morgens ist klar, was heute für ein Tag wird: der sehnsüchtig im Schlafsack abgewartete Moment, an dem die ersten Sonnenstrahlen die Zelte erreichen, verstreicht ohne das auch nur das Geringste passiert. Kein Sonnenstrahl küßt die Regentropfen vom Zeltdach, kein Ächzen und Knarren des sich schlagartig erwärmenden Zeltgewebes, nicht einmal heller wird es unter dem Zehntelmillimeter dicken Nylon, in dessen Schutz wir die Nacht verbracht haben. Also Wolken. Viele Wolken! (von wegen Sonntag!) Trotzdem heißt es aus dem warmen Schlafsack schälen und raus an die frische Luft. Der erste Blick aus dem Zelt ist nur die Bestätigung dessen, was längst klar ist: den Horizont bildet schon wenige hundert Meter hinter dem Basislager eine undefinierte Linie aus milchigem Grau - die ausgefranste Wolkenunterkante macht den Nanga Parbat heute optisch zum Viertausender. Also Ruhetag. Aber das war gestern schon klar und wenn der Wetterbericht weiterhin stimmt, so geht das noch bis Mittwoch so weiter...
Wenigstens regnet es nicht. Die Morgenwäsche fällt trotzdem kürzer aus als sonst (verdammt kalt auf 4200m Höhe, wenn die Sonne nicht scheint...). Coffee-Chacha, unser Kaffee-Onkel Jens, kommt mit seinem großen Kaffeepott schon aus dem Küchenzelt. Zum Frühstück gibt es frische Tschapati und Ei. Noch haben wir den zweiten Becher Tee nicht getrunken, da schaut ein Kopf zur Tür herein: "Guten Morgen!". Kai ist es, die personalisierte Abteilung Wort von der Kunstexpedition sozusagen. So früh am Morgen hatten wir noch gar nicht mit deren Ankunft gerechnet. Das sie gestern schon das Lager Kuth Gali unterhalb des Basecamps erreicht hatten, wußten wir zwar (in einem Tal mit 600 Einwohnern funktioniert der Buschfunk eben recht flott), doch das sie heute früh so zeitig aufbrechen, hatte niemand erwartet (ganz offensichtlich stimmt doch nicht jedes Klischee, die Künstler betreffend ;-)). 10 Minuten nach Kai kommt Arta. Geritten! Als Schauspielerin genau der richtige Auftritt auf der Basislagerbühne! Auch wenn der eigentliche Grund ist, daß sie sich nicht richtig fit fühlte und so die Möglichkeit nutzte, das Pferd des Expeditionskochs einer anderen Expedition mal ein wenig auszureiten, statt die anderthalb Stunden anstrengenden Fußmarsches hierher zurückzulegen. Der nächste ist Peter, der Mann des Bildes. Zu unserer großen Enttäuschung hat er keine Staffelei dabei. Nochmals ein paar Minuten später kommt Kai Nr. 2, der Musiker und Komponist. Instrument: Fehlanzeige! Nur einer der Künstler hat seine komplette Ausrüstung dabei: Thorsten, der Fotograf. Wohl deshalb kommt er auch als letzter im Basislager an. Die Motive am Wegesrand waren zu vielfältig, um einfach so vorüberzugehen...
Die Begrüßung ist herzlich. Eine der ersten Fragen ist die nach den Fußball-EM-Ergebnissen. Auch Künstler sind ganz normale Menschen... ;-) Zuerst wollen sie ihre Zelte etwas abseits auf ein ebenes Wiesenstück stellen, doch dann wird entschieden, doch lieber etwas näher zu rücken. Schnell sind auf der buckligen Wiese noch drei geeignete Zeltplätze gefunden und eingeebnet. Kaum stehen die Zelte, fallen die ersten Regentropfen... Auch die Künstler haben natürlich Koch und Küchenjungen dabei und da von nun an gemeinsam gekocht wird, sollen beide Küchen zusammengelegt werden. Keine einfache Aufgabe angesichts schon traditionell ausgeprägter Befindlichkeiten... Chefkoch ist und bleibt natürlich Jehangir, denn als Expeditionskoch ist er viel erfahrenere als einer, der "nur" Trekkingkoch ist. Da unser Küchenzelt zudem viel größer ist, bleibt dort die Zentrale, während das andere Küchenzelt gleich nebenan aufgebaut und zur "Suppenküche" erklärt wird. Das erste gemeinsame Mittagessen wird gleich zur Generalprobe: Alam und sein Gehilfe liefern die Vorsuppe, Jehangir und unser Hazrat Walli das Hauptgericht. Wie clever Jehangir dabei den neuen "Konkurrenten" gleich zeigt, wo's langgeht, bringt uns zum Schmunzeln: bereits am Vorabend hat er sich die Unterstützung von Markus für ein typisch deutsches Begrüßungsgericht gesichert: es gibt Kartoffelsalat und - in Ermangelung von Würstchen - dazu gebratenes Ei. Diese Art des Kochens macht sogar Markus Spaß: er muß nur die Zutaten aussuchen, sagen wie's gemacht wird und am Ende abschmecken: den Rest erledigen Jehangirs flinke Hände. Der übt vor dem Servieren sogar noch eine Viertelstunde lang die Aussprache des deutschen Wortes Kartoffelsalat! Die Inszenierung klappt perfekt, allen schmeckt es ausgezeichnet und damit ist die Rangordnung in der Küche bestätigt. Ein cleverer Koch weiß eben, wie er sich durchsetzt... ;-) Nach dem Essen werden die Nahrungsmittelvorräte zusammengelegt, denn die Künstler bleiben nun voraussichtlich mindestens 10 Tage hier im Basecamp. Damit alles seine Richtigkeit hat (denn die Köche müssen separat abrechnen), wird genau notiert, wer was eingebracht hat: 10 Kilo Kartoffeln von da und 8 Kilo von dort usw...
Gegen 14 Uhr wird aus dem Nieselregen ergiebiger Landregen und die meisten flüchten in ihre Schlafsäcke... Der ganze Nachmittag wird bestimmt vom gleichmäßigen Prasseln der Regentropfen aufs Zeltdach und es gibt nichts, was man sinnvolleres tun könnte, als sich einen warmen, ruhigen Platz zum Lesen zu suchen und auf baldige Wetterbesserung zu hoffen...



Markus Walter,
Basecamp, 20.06.2004

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