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Nanga-Parbat-Expedition 2004

18.06.2004
Rest days are best days
Wozu fährt man auf eine 8000er-Expedition in den Himalaya? In allererster Linie natürlich , um den auserkorenen Gipfel zu besteigen und sich dabei bis an die eigenen Grenzen (und möglichst nicht darüber hinaus!) anzustrengen! Doch der Mensch (und auch der Bergsteiger) besteht nicht aus Anstrengung allein und so ist die Phase der Anstrengung natürlich nur eine Seite der Medaille. Zu etwa gleichen Teilen besteht eine Expedition wie die unsere nämlich aus aktiven Tagen am Berg und Ruhetagen im Basislager. Und wie der Name schon sagt, dienen die Ruhetage natürlich vor allem der Ruhe und Regeneration der verbrauchten Kräfte. Aber eben auch der Entspannung und Zerstreuung. Schließlich kann niemand Höchstleistungen am Berg vollbringen, der 24 Stunden am Tag nur die Besteigung des Gipfels im Sinn hat. Oft sitzen wir daher im Mannschaftszelt zusammen und unterhalten uns über alles Mögliche und Unmögliche fernab des Bergsteigens. Und natürlich hat jeder auch seine ganz persönlichen Vorlieben, was er an den Ruhetagen sonst noch so macht: viele lesen etwas, manche schreiben oder hören Musik. Jens zum Beispiel ist die größte Leseratte: 6 Bücher hat er mit dabei. Die Spanne reicht dabei von einer Bismarck-Biografie über Karl Jaspers "Kleine Schule des philosophischen Denkens" und Franz Heskes "Besitz und Verpflichtung" bis hin zum Marquis de Sade "Verbrechen der Liebe". Jörg steht dem kaum nach. Auch in seiner kleinen Expeditionsbibliothek finden sich 5 sehr unterschiedliche Zeitvertreiber: neben den Krimis "Hunde von Riga" von Henning Mankell und "Das Syndikat der Spinne" von Andreas Franz haben auch eine "Spieltheorie für Einsteiger" sowie "20 Keys - Schlüssel zum erfolgreichen Projektmanagement" Platz im Expeditionsgepäck gefunden. Und als kleines Extraschmankerl sorgt Helge Schneiders "Aprikose, Banane, Erdbeer" für gute Laune in trüben Stunden. Christian hat sich schweren Herzens auf 2 dicke Krimis beschränkt. Neben "Mount Dragon - Labor des Todes" (Douglas Preston/Lincoln Child) darf bei ihm ein Stephen King auf keinen Fall fehlen: "Langoliers". Da er inzwischen beide längst ausgelesen hat, ist nun schon Jörg's "Syndikat..." an der Reihe und zur größten Not haben auch die Österreicher nebenan sicher noch den einen oder anderen Krimi dabei... Günter ist mit nur einem Buch eher spartanisch geblieben. Wie er freimütig zugibt, hat er jedoch aus Zeitmangel noch nicht eine einzige Zeile in Tenzings "Aus dem Leben meines Vaters" gelesen... (scheinbar stimmt der Spruch, daß Rentner nie Zeit haben, selbst auf 4200m Höhe...) Statt dessen schreibt er jedoch selber extrem fleißig Tagebuch und hat schon Dutzende Seiten in dem dicken karierten Heft mit seinen Erlebnisberichten gefüllt. Und eine seiner Lieblingsbeschäftigungen ist außerdem der kleine Kurzwellenempfänger, der wenige Stunden am Tag sogar die Deutsche Welle mit ein paar aktuellen Informationen aus der weiten Welt ins Nanga-Parbat-Basislager trägt. Markus schließlich hat nicht einmal ein einziges richtiges Buch mit, denn das winzige 100-Seiten-Heftchen mit dem Titel "Hindi/Urdu phrasebook" kann man beim besten Willen nicht als Buch bezeichnen, auch wenn man damit sicher mehr Zeit totschlagen kann, als mit so manchem dicken Wälzer... Am liebsten zieht sich Markus ohnehin unter seinen Walkman zurück und tippt seine Erlebnisse, Briefe nach Hause oder aber unsere Tagesberichte in den winzigen Palm-Computer. Und statt einer Anzahl Bücher hat er sich dafür 6 Kassetten gegönnt, die nebenbei jeden Abend mindestens eine Stunde Einschlafmusik liefern müssen. Und ganz egal, ob Smashing Pumpkins, Tocotronic, Beatles oder Tom Petty - es klappt immer, denn wenn irgendwann nachts ein dringendes Bedürfnis zum Gang aus dem Zelt weckt, dudelt der kleine Player meist längst schon einige Stunden mit raus gefallenen Ohrstöpseln in irgendeiner Ecke des Schlafsacks vor sich hin... Mal ehrlich: nun haben sicher die meisten Leser dieses Expeditionstagebuches gedacht, 8000er-Bergsteigen sei Anstrengung, Entbehrung und Kampf um jeden Höhenmeter vom ersten bis zum letzten Augenblick - und nun das: Belletristik statt Bergabenteuer, Sachbücher statt Steilflanken, Entspannung statt Entbehrungen...! Bevor Sie jedoch jetzt übereilt den bevorstehenden Mallorca-Urlaub stornieren und auf den Himalaya umbuchen, überlegen Sie lieber noch mal: schließlich ist das nur die Ruhetagsbeschäftigung im Basislager und schon ins Lager 1 hat bisher noch kein einziger sein Buch mit hinauf geschleppt... Außer dem Ausruhen passiert heute nicht all zu viel bei uns im Basislager. Immerhin kommen 2 Einheimische mit zwei Eseln aus dem letzten Dorf herauf gelaufen und bringen die sehnlich erwartete große Lieferung mit 20 Gaskartuschen, die von Islamabad aus endlich den Weg hierher gefunden haben. Damit sind wir ausrüstungsmäßig jetzt komplett und der Gipfelsturm kann demnächst losgehen... Am Nachmittag beginnt zunächst einmal die angekündigte Wetterverschlechterung mit einem kräftigen Landregen. Nun bleibt abzuwarten, wie es sich weiter entwickelt und wann es wieder besser wird, so daß wir an einen Gipfelversuch denken können. Noch kommen zumindest dem erst gestern ins Basislager heruntergekommenen Günter die wahrscheinlich folgenden Ruhetage sehr gelegen und genügend Lesestoff ist ja vorhanden... ;-)
Markus Walter
Basecamp, 18.06.2004
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