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Nanga-Parbat-Expedition 2004

07.06.2004
Der halbnackte Berg...
Wie üblich beginnt ein Ruhetag am Berg eher gemütlich - in diesem Fall mit dem Frühstück um 8 Uhr. Ganz ausruhen und ausschließlich aufs Kräfte schöpfen konzentrieren können wir uns jedoch nicht, denn auch im Basecamp gibt's immer was zu tun. In diesem Fall wollen wir heute am ersten Tag, an dem wir alle komplett im Basecamp versammelt sind, ein paar Gruppen- und Sponsorenfotos machen und gehen dazu bei bestem Wetter und Sonnenschein gleich nach dem Frühstück eifrig ans Werk. Fast 2 Stunden dauert die Prozedur, bei der unser Verbindungsoffizier Arif als unermüdlicher Auslöser-Betätiger der eigentlich wichtigste Mann ist :-) Angelockt durch das Spektakel, bei dem alle Einheimischen des ganzen Lagers begeistert zuschauen, kommt auch der bekannte Bergfilmer Gerhard Baur aus dem gegenüberliegenden Basecamp der deutsch-internationalen Expedition zu uns herüber und bittet darum, ein bißchen filmen zu dürfen. Mit Markus und Günter filmt er anschließend gleich noch ein längeres Interview (die anderen sind später dran...). Kurz danach machen sich Jens und Carsten aus dem Staub, um heute eines der bereits beim Anmarsch geborenen Projekte zu realisieren: direkt in Kuth Gali, dem letzten, nur anderthalb Gehstunden tiefer gelegenen Lagerplatz auf dem Weg ins Basislager, steht ein riesiger Felsturm aus herrlichem Granit, der geradezu zum Klettern einlädt. Dort wollen sie mit Hilfe der für solche Gelegenheiten vorsorglich mitgebrachten 10 Bohrhaken also eine erste (Sport-) Kletterroute erschließen und begeben sich entsprechend ausgerüstet auf den Weg. Das Kletterfieber muß ganz schön stark gewesen sein, denn schon nach einer Stunde Schnellabstieg erreichen sie den 3800m hoch gelegenen Lagerplatz, der übrigens von einer ganzen Felsgruppe idyllisch eingerahmt wird - ein wahres Kletterparadies mit schier unbegrenzten Möglichkeiten! Sie entscheiden sich für das bereits auf dem Aufstieg vor ein paar Tagen ins Auge gefaßte Rißsystem in der Mitte des großen Turms direkt über dem Lagerplatz (direkt heißt in dem Fall: 10m vom Einstieg entfernt standen noch vor wenigen Tagen unsere Zelte). Nach guter sächsischer Manier erfolgt die Erschließung von unten. Dazu klettert Carsten im Rißsystem nach oben, wobei er neben Knotenschlingen und Klemmkeilen nur ein paar wacklige Felshaken unterbringen kann, die zur vernünftigen Absicherung leider nicht ausreichen. Hier kommen nun die Bohrhaken zum Einsatz: in jeweils einer halben Stunde Arbeit mit Bohrkrone und Eishammer schlägt er unterwegs vier Bohrhaken, die jeweils 3 cm tief im Fels verankert sind. Die letzten schwierigen Meter gelingen nicht auf Anhieb in freier Kletterei, doch schließlich ist nach 54 Klettermetern der geplante Endpunkt der Route an einem großen Band erreicht. Noch einmal wird ein Bohrhaken installiert, dann seilt Carsten erschöpft ab. Inzwischen ist Markus zusammen mit unserem Verbindungsoffizier Arif nach dem Mittagessen ebenfalls in einer Stunde hinunter bis nach Kuth Gali gelaufen, um das Spektakel zu filmen und zu fotografieren. Als nach kurzer Pause dann Jens in die Route einsteigt, um die Absicherung zu verbessern, übernimmt Markus die Sicherung von unten. während Carsten filmt und sich ausruht. Arif schaut die ganze Zeit wie gebannt zu. Auch Jens schlägt zu den bestehenden noch einmal 3 Bohrhaken sowie einen zweiten für den End- und Umlenkpunkt in 54 Meter Höhe. Anschließend seilt auch er erschöpft ab und postiert sich mit der Videokamera auf einem Band auf halber Wandhöhe, während sich Carsten auf den alles entscheidenden Versuch der sogenannten Rotpunktdurchsteigung (daß heißt in einem Zug von unten bis oben ohne zwischendurch an Haken auszuruhen oder das Sicherungsseil zu belasten) vorbereitet. Markus sichert, Jens filmt und Carsten geht äußerst konzentriert in der nun mit 7 Bohrhaken + 2 Umlenkhaken gesicherten Route zu Werke. Die schwierige Schlüsselstelle in 50m Höhe gelingt nicht auf Anhieb, doch schließlich ist es geschafft und Carsten klinkt erleichtert das Seil in den Umlenkkarabiner ein. 8/8+ nach internationaler Skala bzw. IXb nach der Sächsischen Elbsandsteinskala lautet der Bewertungsvorschlag für die 54 Meter lange Route. Und ein passender Routenname ist auch schnell gefunden: in Anlehnung an die Übersetzung des Namens Nanga Parbat (zu deutsch: Nackter Schreckensberg) wird die Route auf DER HALBNACKTE BERG getauft. Erst 18.20 Uhr beginnen Carsten, Jens, Markus und Arif mit dem Rückmarsch ins Basislager, wo sie 20 Uhr schon fast in völliger Finsternis erschöpft aber glücklich ankommen. Nach dem Abendessen sitzen wir noch eine Weile beisammen und tauschen Erlebnisse und Erinnerungen aus.
Markus Walter
Basecamp, 07.06.04
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