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Nanga-Parbat-Expedition 2004

Nanga Parbat Rupal Face

14.06.2004     Auf-und Abstieg ins/aus Lager 2

Bei Jens, Günter und Jörg im Lager 1 beginnt der Tag schon recht zeitig mit dem Schneeschmelzen und Kochen, denn heute steht ihnen der anstrengende Aufstieg ins Lager 2 bevor. Christian und Markus, die vom Lager 2 heute ins Basislager absteigen wollen, könnten es eigentlich gemütlicher angehen, doch da sie 5.15 Uhr vom Tageslicht wach werden, beginnen auch sie mit dem Kochen. Da sie gestern abend bereits vier Liter Wasser vorgeschmolzen und in Thermosflaschen abgefüllt haben, geht es recht schnell und schon 6 Uhr ist der Frühstücksmilchreis fertig. Und eine Dreiviertelstunde später stehen sie abmarschbereit vor dem Zelt, nicht ohne für die heute Heraufkommenden noch mal alle Töpfe mit Schnee gefüllt zu haben, damit die Sonne schon einen Großteil der Schmelzarbeit verrichtet hat, wenn Günter, Jens und Jörg oben im Lager ankommen. Die Abseilstellen über die Kinshoferwand bewältigen Christian und Markus jeweils abwechselnd als Erste. Nach jedem zweiten Standplatz werden nämlich Fotoapparat bzw. Videokamera herausgeholt, um diese technische Schlüsselstelle der Route im Bild festzuhalten (beim Abseile macht sich das nämlich auch viel leichter als beim Aufstieg, wenn man vor Anstrengung meistens eh' so keucht, daß man die Kamera kaum gerade halten kann...). Am Wandfuß angekommen, geht die Abseilfahrt nun weniger steil weiter in Richtung Lager 1. Da das Gelände nun kein Fels mehr ist, sondern Eis und Firn, geht es natürlich zügiger voran, doch ein Nachteil des guten Wetters vom Vortag bremst auch ganz schön: durch die intensive Sonneneinstrahlung haben sich die Fixseile oft einige Zentimeter tief eingeschmolzen und sind über Nacht so festgefroren, daß man sie mühsam erst wieder herausreißen muß. Und einmal damit beschäftigt, widmen sich Christian und Markus gleich noch der Überprüfung aller Standplätze, daß heißt der Stellen, an denen die Fixseile nach jeweils ca. 50m verankert sind. Zwar ist alles sorgfältig und ordentlich installiert, doch doppelte Vorsicht hat noch nie geschadet, und so wird hier noch ein Felshaken dazu geschlagen, da noch eine Schlinge ergänzt, dort ein uraltes Seilstück weggeschnitten, damit es keiner versehentlich statt des richtigen Seils benutzt und überhaupt insgesamt alles auf Sicherheit kontrolliert. So vergeht die Zeit und es ist schon nach 9 Uhr, als sich etwa in der Mitte der Eisrinne beide Gruppen treffen: Christian und Markus von oben abspielend und Günter, Jörg und Jens von unten aufsteigend. Da wir uns eine Weile nicht gesehen haben, ist der Wortwechsel selbst in steiler Flanke etwas länger, bevor sich beide Gruppen wieder in entgegengesetzte Richtungen verabschieden. Die einen mit schweren Rucksäcken schnaufend weiter aufsteigend, die anderen mit leichten Rucksäcken beschwingt abspielend. Gegen 11 Uhr erreichen Christian und Markus das Lager 1 und legen nur eine halbstündige Pause ein, um die Kletterausrüstung zu deponieren und denn gesamten angefallenen Müll (leere Gaskartuschen und Verpackungen) mitzunehmen. Dann geht es schon weiter in Richtung Basislager, wo Jehangir mit dem Mittagessen wartet. Kurz nach 13 Uhr ist das Lager erreicht und damit beginnen für die beiden nun wieder ein paar erholsamere (Ruhetage. Jörg, Günter und Jens haben es hingegen etwas schwieriger, doch auch sie erreichen gegen Mittag ihr Tagesziel, das Lager 2. Statt superleckerer mit Ziegenfleisch gefüllter Teigtaschen warten auf sie zwar nur vier Töpfe mit kaltem Wasser und etwas Schneematsch, aber auch darüber kann man sich freuen: auf die Perspektive kommt es an! Als sich die drei per Funk im Basecamp melden, hat Markus den genußreichen Gang ins Duschzelt schon hinter sich. Und auch wenn 5 Liter lauwarmes Wasser aus dem aus einem aufgeschnittenen leeren Plastikkanister improvisierten Eimer mit einer echten Dusche wenig gemeinsam haben, so gilt natürlich auch hier um sich wohlzufühlen: auf die Perspektive kommt es an! Der abendliche Funkverkehr bringt außer den für die nächsten Tage eher durchwachsenen Wetterprognosen nicht viel Neues. Christian und Markus verbringen im Basislager einen geselligen Abend mit den Teilnehmern der anderen gemischt-deutschen Expedition, die es mit einem Gipfelversuch ziemlich eilig zu haben scheinen. Und wie es unter Kletterern und Bergsteigern kaum anders sein kann, ist das Gesprächsthema schon nach kurzer Zeit wieder mal bei den heimischen Klettergebieten gelandet. Und was uns Sachsen und Thüringer natürlich mit großem Stolz erfüllt: auch unter Bayern, Österreichern und Schweizern genießt unser heimisches Elbsandsteingebirge als Klettergebiet einen ausgezeichneten Ruf. Und als sogar der 8000er-Veteran und bekannte Bergfilmer Gerhard Baur zweifelsfrei feststellt, daß unsere Sächsische Schweiz das mit Abstand schönste Klettergebiet ganz Deutschlands ist, wird unser Heimweh gleich noch ein kleines Stückchen größer...



Markus Walter
Basecamp, 15.06.2004

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