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Nanga-Parbat-Expedition 2004

28.05.2004
Errichtung Lager 1
Als uns unsere Wecker am zeitigen Morgen aus dem Schlaf reißen, müssen wir gar nicht aus den Zelten schauen, um zu sehen, wie das Wetter ist. Das Geräusch des aufs Nylondach rieselnden Schnees kennen wir nur zu gut. Trotzdem stehen wir auf und ziehen uns aufstiegsfertig an, denn wir hoffen, das Wetter bessert sich, so daß es für einen ersten Aufstieg und die Errichtung des Lagers 1 reicht. Unser ursprünglicher Plan sah vor, zu viert Material bis auf 4900m Höhe zu transportieren und dort im Schutz eines Felsabbruchs zwei Zelte zu errichten. Daraus wird zumindest teilweise nichts, denn Carsten, der die Nacht mit Kopfschmerzen zu Kämpfen hatte, fühlt sich nicht fit und wird auf keinen Fall mitkommen. Er erwägt sogar, vorsichtshalber bis nach Ser hinunter abzusteigen, um seinem Körper Erholung von der großen Höhe zu gönnen. Günter, Christian und Markus sind jedoch fest entschlossen, das Lager zu errichten und uns damit eine gute Ausgangsposition für den weiteren Aufstieg zu sichern. Nach dem Frühstück schneit es zwar noch immer, doch das Dämmerlicht des anbrechenden Tages läßt einige hundert Meter Sicht zu und das reicht uns. Also geht es mit nicht sonderlich schwer gepackten Rucksäcken los. Da wir das erste Mal aufsteigen, haben wir uns auf je ca. 8 kg Nutzlast beschränkt. Hinzu kommen natürlich die obligatorischen Dinge wie Kletterseil, Steigeisen, Eispickel, Wechselbekleidung, Reservehandschuhe, Fotoapparat etc., so daß wir am Ende auch bei 15 kg-Rucksäcken sind. 5.35 marschieren wir los. Nach 50 Minuten erreichen wir den Gletscherrand bei etwa 4400m. Hier legen wir Gurte und Steigeisen an und betreten dann angeseilt den Gletscher. Zwar gibt es hier nicht all zu viele Spalten, doch man kann nie wissen... Deshalb markieren wir die Route auch mit Markierungsfähnchen, um notfalls bei noch schlechterer Sicht den Rückweg sicher zu finden. Wir kommen zügig voran und finden eine gute Route, besonders durch den unten Eisbruch, wo der Gletscher an die Steilflanke des Nanga Parbat stößt. Nur zweimal müssen wir wenige Meter zurück, weil wir in eine Sackgasse im Spaltenlabyrinth geraten sind - dann haben wir diese erste Schlüsselstelle geknackt und steigen zügig durchs Schneetreiben den Hang empor. Punkt 9 Uhr erreichen wir den vorgesehenen Lagerplatz unter einem Felsaufschwung. Zwei alte Felshaken sind Zeugnisse vorangegangener Expeditionen, die ebenfalls ihr Lager hier hatten. Wir beginnen sofort mit dem Schaufeln und schon nach wenigen Minuten ahnen wir, daß die größte Anstrengung des Tages nicht die 700 Höhenmeter Aufstieg sondern das Bauen der Zeltplattform sein wird. Zunächst schaufeln wir Kubikmeterweise losen Schnee weg, bis wir auf Eis stoßen. Dann beginnt die anstrengende Arbeit mit dem Eispickel. Da der Hang relativ steil ist, versuchen wir, möglichst große Stücke aus dem Eis zu hacken, um diese zu einer Art Mauer aufzuschichten und eine Terrasse daraus zu bauen. Zu dritt arbeiten wir ohne Pause, doch selbst nach 3 Stunden reicht die gewonnene ebene Fläche noch nicht einmal für eines der beiden Zelte. Bis 13.30 Uhr sind wir unermüdlich beschäftigt, ehe die Plattform groß genug ist und beide Zelte Platz haben. Wir verankern die Zelte so gut es geht und sichern Sie zusätzlich an den beiden alten Felshaken. Die ganze Zeit über schneit es unablässig und die Sicht beträgt oft nur 50 Meter. Die Anstrengung ist uns allen Dreien ins Gesicht geschrieben. Wir sind froh, als wir 13.45 Uhr endlich fertig sind und den Abstieg antreten können. Entlang unserer Aufstiegsspur geht es zügig talwärts und nur ab und zu halten wir an, um die Markierungsfahnen noch etwas zu ergänzen und besser zu befestigen. Kurz vor 15 Uhr erreichen wir den Gletscherrand, wo wir Gurte und Steigeisen ablegen und ins Basislager funken. Noch während wir über karge Wiesen ins Basislager zurücklaufen, hört es auf zu schneien und die Sonne bricht sich Bahn durch die Wolken. Als wir 15.30 Uhr im Basislager ankommen, ist wie zum Hohn schon fast schönes Wetter.
Für das Trocknen unserer Ausrüstung können wir Sonne jedoch auch bestens gebrauchen und so ärgern wir uns nicht einmal... Wie erwartet ist Carsten zusammen mit Dieter, einem Teilnehmer unserer Trekkinggruppe, dem die Höhe ebenfalls etwas zu schaffen machte, nach Sehr abgestiegen. In wenigen Tagen wird er erholt wieder ins Basecamp hinaufkommen. Unterdessen hat Jehangir zusammen mit dem Koch der anderen deutschen Expedition zwei Ziegen geschlachtet und so gibt es im Basislager frische Leber und Ziegenbraten. Den Nachmittag, der noch richtig warm und sonnig wird, verbringen wir zum größten Teil mit dem Trocknen und Sortieren unserer Ausrüstung und mit Filmaufnahmen für BIWAK. Moderator Thorsten Kutschke und Kameramann Jens Richter arbeiten fleißig an der Berichterstattung für die nächste Sendung. Nach dem Abendessen verschwinden wir recht bald in unseren Schlafsäcken mit dem guten Gefühl, heute einen wichtigen Schritt in Richtung Expeditionserfolg gemeistert zu haben...
Markus Walter
Basecamp, 28.05.04
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