Batura Muztagh Expedition 2006 - Chronik


Das nachfolgende Expeditionstagebuch berichtet ausführlich über die Erlebnisse von Bruce und Markus während der Batura-Muztagh-Expedition 2006. Die Informationen und Berichte wurden während der Expedition fast täglich live per Satellitentelefon direkt aus Pakistan übertragen und im Internet aktualisiert. Mehr und größere Bilder findet man in unserer Bildergalerie (Achtung: aufgrund der Bildgröße etwas längere Ladezeiten für Modem-Nutzer!)
Ostern 2006 Vorbereitungstour in den Walliser Alpen
Bruce und Markus auf dem Gipfel der Pigne d'Arolla

Langsam rückt der Zeitpunkt für unseren geplanten Expeditionsstart näher und so haben wir schon vor Monaten ein Vorbereitungstreffen in der Schweiz vereinbart, um natürlich neben gemeinsamen Bergtouren alle erforderlichen Details abzusprechen. Leider ist das Wetter sehr durchwachsen und so gelingen uns nur 2 Skitouren, die allerdings sehr schöne Abfahrten bereithalten. Den Rest der Zeit verbringen wir mit dem Karten- und Routenstudium und stundenlangen Diskussionen und Absprachen um die optimale Strategie und Ausrüstung festzulegen. Mit dem Ergebnis dieses langen Wochenendes können wir jedoch äußerst zufrieden sein: es geht tatsächlich langsam richtig los!

31.05. Abreise aus Deutschland.

Heute nun beginnt nach dem wochenlangen Stress der Vorbereitung endlich unsere Expedition! Bruce fliegt von Frankfurt aus, Markus von Berlin, gemeinsamer Treffpunkt ist dann Doha, von wo aus es nun vereint weitergeht nach Islamabad. Das Wetter macht es nicht schwer, Abschied von zu Hause zu nehmen: es regnet. Markus fliegt von Berlin aus zusammen mit Tino Gräfe, der Jens Sommerfeldt bei unserem Hilfsprojekt in Sakargah ablöst. Der Flug mit QATAR AIRWAYS ist angenehm und sogar das Flugzeugessen schmeckt. In Doha wartet Bruce bereits und gemeinsam finden wir auf dem total überfüllten Flughafen sogar drei Sitzplätze. Nach einigen Stunden, die wir gleich zur detaillierten Planung unserer morgigen Einkäufe in Islamabad verwenden, geht es weiter ...

01.06. Ankunft in Islamabad
Einkauf in Islamabad

Am frühen Morgen erreichen wir Islamabad. Zum Glück ist es wirklich noch zeitig, so erwartet uns wenigstens nicht der ganz große Hitzeschock, denn nachmittags erreichen die Temperaturen hier zur Zeit locker 40 bis 45 Grad!
Nach den üblichen Pass- und Sicherheitskontrollen und längerer Wartezeit am Gepäckband verlassen wir endlich den Flughafen und treffen draußen auf unseren treuen Freund Jehangir sowie Amir, den einheimischen Koordinator unseres Hilfsprojektes in Sakargah. Amir und Tino fahren nur kurz mit ins Hotel und dann ins Büro unserer Partneragentur, um dann noch am selben Tag in Richtung Besham aufzubrechen. Das würden wir zwar auch gern, doch uns stehen zunächst noch eine ganze Reihe Erledigungen und vor allem ein langer Behördenmarathon bevor. Noch haben wir nämlich unser Permit (die zur Besteigung eines Gipfels im Himalaya oder Karakorum erforderliche Genehmigung) längst nicht in der Tasche. Und da der Batura II ein bisher unbestiegener Berg ist und zudem selten besucht wird, ist die Erteilung dieses Permits eben keine Routinesache, wie z.B. bei den fünf pakistanischen 8000ern. Vom Büro aus führt unser erster Weg, nachdem wir uns von Amir und Tino verabschiedet haben, folgerichtig auch ins Tourismusministerium. Dort bedeutet man uns jedoch lediglich, dass man ohne die Zustimmung der Armee auch nichts machen könne. Und um genau diese Zustimmung kämpfen wir schon seit Tagen per E-mail, Telefon und Fax. Schweren Herzens entschließen wir uns zu einem letzten Druckmittel: wir setzen ein Schreiben an die zuständige Militärbehörde auf, in dem wir darum bitten, uns die Genehmigung baldmöglichst zu erteilen, und zwar OHNE dass wir von einem militärischen Aufpasser begleitet werden, wie uns dies die ganze Zeit angedroht wird. Mit dem letzten Satz weisen wir darauf hin, dass uns anderenfalls nichts anderes übrig bleibt, als die Expedition abzusagen und uns niedrigeren Bergen zuzuwenden, die man in Pakistan gemäß den gültigen Gesetzen auch ohne Permit besteigen darf. Die maximale Höhe wäre damit zwar auf 6500m limitiert, aber in der Batura-Gruppe gibt es auch noch unzählige unbestiegene 6000er, die ebenfalls tolle Ziele wären. Und schlimmstenfalls könnten wir uns ja unterwegs auch zufällig verlaufen ... ;-)
Den Nachmittag verbringen wir mit verschiedenen Einkäufen. U.a. besorgen wir 500 Briefmarken, eine große Menge des Essens fürs Basislager (fünf riesige Pappkartons voll für insgesamt 15.000 Rupien) sowie 2 große Gasflaschen und Gaskocher fürs Basislager. Nach dem Abendessen fallen wir müde in die Betten in der Hoffnung auf erfolgreiche Behördengänge morgen...

02.06. Warten aufs Permit...

Trotz intensiver Bemühungen können wir auch heute leider nicht all zu viel ausrichten im Hinblick auf unser Permit und das erforderliche Briefing. Die Pakistanischen Behörden sind einfach an Bürokratie und Langsamkeit kaum zu übertreffen! Schließlich haben wir die Besteigungsgenehmigung nicht erst vorgestern, sondern schon vor Monaten beantragt!!! Zwar wird uns immer wieder versichert, dass alles klar geht, aber konkrete Termine bekommen wir nicht und werden immer wieder vertröstet... So verbringen wir viel Zeit im Büro unserer Partneragentur mit Packen, erledigen restliche Einkäufe (wir kaufen z.B. noch 2 Blechkisten für die Lebensmittel, Bücher fürs Basislager und leckere Mangos, um unseren Frust wegzuessen... ;-)
Nach dem Abendessen in einem Freiluftrestaurant geht es mit erneuter Hoffnung auf morgen recht zeitig ins Bett...

03.06 Es geht endlich los!
Start in Islamabad

Nach einem schnellen Frühstück, welches nur aus ein paar Mangos und Bananen besteht, geht es sofort ins Büro unserer Partneragentur, um heute nun hoffentlich den Durchbruch bei den Behördengängen zu erzielen. Bruce widmet sich dieser Aufgabe, während Markus mit dem Taxi zum Cargo-Terminal des Flughafens fährt, um dort auch endlich unser per Luftfracht vorausgeschicktes Gepäck in Empfang zu nehmen. Es ist jedes Mal wieder schier unglaublich, wie viele verschiedene Stempel und Unterschriften erforderlich sind, um dann mit den Cargopapieren endlich an unsere 12 Plastikfässer zu kommen...
Mister Rafique, unser Cargo-Agent und unermüdlicher Helfer in dieser Angelegenheit ist ein Schlitzohr durch und durch. Geschickt nutzt er Markus' europäisches Aussehen, um sich jedes Mal an der Schlange wartender einheimischer Luftfrachtunternehmer vorbei direkt zum Schreibtisch des jeweiligen Verantwortlichen zu tricksen. Hier mal ein freundliches Wort, dort mal ein 100-Rupien-Schein oder ein Schulterklopfen und in unvorstellbar schnellen 2 Stunden sind wir im Besitz von mehr als 30 verschiedenen Stempeln, Unterschriften und Papieren. Rafique und Markus läuft der Schweiß allein von diesem Bürokratie-Marathon in Strömen und da macht es auch nichts mehr, dass wir dann die 300kg Expeditionsgepäck genau in der prallen Mittagssonne bei deutlich mehr als 40 Grad auf den Pickup hieven müssen... Zurück im Büro gibt es unerfreuliche Nachrichten von Bruce: eine Behörde stellte sich einfach quer und will die erforderlichen Papiere partout erst Montag früh ausstellen. Um nicht noch einmal 2 Tage zu verlieren, beschließen wir, unseren Notfallplan auszuführen: Markus und Jehangir fahren mit dem gesamten Gepäck voraus nach Gilgit, erledigen dort die restlichen Einkäufe und Besorgungen, heuern Träger an und beginnen den Anmarsch ins Basislager ohne Bruce, der dann unmittelbar nach dem Briefing mit dem öffentlichen Nachtbus hinterherkommen wird. Da er viel schneller unterwegs sein wird als die Trägerkolonne, treffen wir uns voraussichtlich schon vor Erreichen des Basislagers wieder, spätestens aber nach Ankunft dort. Und 2 Tage wertvolle Expeditionszeit sparen wir so auf alle Fälle! Schnell sind unsere Sachen gepackt, der bereits vorab georderte Van beladen und 14.30 Uhr nehmen wir mit einem letzten Foto vor dem beladenen Auto für ein paar Tage voneinander Abschied...
Zwei Fahrer, die sich aller paar Stunden abwechseln können, sollen dafür sorgen, dass wir die Nacht durchfahren können und schon am Morgen Gilgit erreichen. Zum Glück hat das Fahrzeug eine Klimaanlage, so dass wir die ersten, unheimlich heißen 100km relativ entspannt vorankommen. Dann wird die Strasse immer schlechter. Vom Erdbeben bekommt man bis Mansehra kaum etwas mit, dann verschluckt die Dunkelheit das unsägliche Elend hinter den geborstenen Wänden... Erstaunlich ist in jedem Fall, wie gut an vielen Stellen schon wieder repariert und aufgeräumt worden ist.
In Mansehra legen wir noch einen wichtigen Zwischenstopp ein. Hier gibt es in einem Großmarkt die angeblich besten Mangos von Pakistan (und in Pakistan gibt es angeblich die besten Mangos der Welt - so sagen zumindest nicht nur Pakistanis und wer einmal davon gekostet hat, wird die steinharten, teuren Dinger aus deutschen Supermärkten und Obstständen nie wieder allen Ernstes als Mango bezeichnen wollen...).
Wir kaufen 2 Kisten mit ungefähr 70 Stück als Expeditionsverpflegung und noch 5 Stück zum sofort Essen - dann geht die Fahrt weiter, unterbrochen nur aller paar Stunden durch kurze Essens- und Trinkpausen in den kleinen Raststätten am Straßenrand des Karakorum Highway...
Zum Thema Mango noch eine kleine Anekdote: heute früh fragte auf dem Flughafen ein anderer Bergsteiger ganz interessiert: "Are you a Trango Tower Expedition?" Die Antwort war denkbar einfach: "No, we are a Mango Power Expedition!" ;-)

04.06. Gilgit / Islamabad

Während Bruce in Islamabad (un-?)geduldig darauf wartet, dass wir mit dem Briefing und der Übergabe des Permits endlich die letzten bürokratischen Hürden nehmen, hat Markus nach einer langen und anstrengenden Nachtfahrt gegen 10 Uhr morgens Gilgit erreicht, die Provinzhauptstadt der sogenannten "Northern Areas" und damit den eigentlichen Ausgangspunkt unserer Expedition.
Zum Frühstück gibt's einfach nur schnell zwei Mangos und dann geht es zusammen mit Jehangir an den Einkauf der restlichen frischen Expeditionsverpflegung. Auch einen Schnellkochtopf fürs Basislager kaufen wir noch - das spart wertvolles Kochergas.
Auch ein Besuch im Internetcafe ist fällig - leider dauert hier allein das Hochladen der GMX-Startseite satte 14 Minuten...
Für einen Tagebuch-Eintrag reicht es trotzdem. Ab morgen werden die Meldungen dann sicher erstmal weniger ausführlich, da wir dann nur noch vom Satellitentelefon abhängig sind...

05.06. Abmarsch ins Basislager / Briefing
Reifenpanne unterwegs nach Aliabad

Nach einer kurzen Nacht, in der es zudem heftig geregnet hat, heißt es für Jehangir und Markus bereits um 4.30 Uhr aufstehen, denn für 5 Uhr ist das Auto bestellt, welches uns in ca. 2 Stunden bis nach Aliabad bringen soll, wo der dreitägige Anmarsch ins Basislager beginnt. Pünktlich ist der Fahrer auch da und nachdem die Tonnen mit dem Expeditionsgepäck auf dem Dach des Toyota Hiace verstaut sind, geht es 5.20 Uhr los. Nach einer knappen Stunde Fahrt stoppt uns leider ein zischendes Geräusch: der Hinterreifen auf der Fahrerseite hat einen Platten... :-( Unser Fahrer erweist sich als geübt im Beheben solcher Pannen. Er stellt nicht einmal den Motor ab, während er mit flinken Händen den Wagen aufbockt, mit großen Steinen gegen Zurückrollen sichert und dann das Rad wechselt. Nach nur 9 Minuten geht es mit dem Reserverad weiter - nicht ganz so schnell wie bei Ferrari, aber unter diesen Umständen absolut rekordverdächtig! 7.30 Uhr erreichen wir Aliabad (2200m), von unseren Trägern ist jedoch weit und breit noch nichts zu sehen. Ein kurzer Anruf in Islamabad klärt auf, dass unser Sirdar (=Träger-Obmann) noch dabei ist, gute Träger zusammenzutrommeln, so dass sich der Abmarsch um eine Stunde verzögern wird.
So nutzt Markus die Gelegenheit zu einem letzten Abstecher ins Internetcafe, um noch ein paar Nachrichten nach Hause abzusenden. Die Verbindung ist sogar einigermaßen flott und die 20 neuen Computer werden zudem auch für den Informatikunterricht an der Dorfschule genutzt - und da rede noch einer von rückständigen Bergdörfern!!! Inzwischen hat Jehangir das Auto abgeladen und die Traglasten zurechtgemacht. Nun kann es also losgehen...
Das Wetter ist zwar ziemlich bewölkt und ab und an tröpfelt es auch, aber auf Regen folgt bekanntlich Sonnenschein und so sind wir optimistisch. An diesem Tag hat der Regen dann leider doch nicht aufgehört, so dass Markus und Jehangir mit den Trägern nach einem Marsch von 3-4 Stunden an einer Alm ihr erstes Lager aufschlagen.

In Islamabad lief auch alles einigermaßen nach Plan, zumindest ist Bruce nach einem kurzem Besuch beim Pakistan Alpine Club mit Naiknam zum Briefing gefahren. Mit dieser Unterschrift konnte die Expedition nun offiziell starten. Danach ging es mit dem Taxi schnell zur Rawalpindi Bus Station und von dort mit einem der überfüllten öffentlichen Busse direkt nach Aliabad.
Für die letzten Tage in Islamabad und die nun genommenen vielen Hürden am zutreffendsten ist eines von Bruce Lieblingssprichworten: "all predictions are difficult, especially those concerning the future ...".

06.06.-08.06. Marsch ins Basislager
Zeltcamp unterwegs auf der Alm Mandosh

Die Hoffnung auf besseres Wetter wurde beim weiteren Anmarsch ins Basislager zerschlagen. Der Weg auf der talaufwärts rechten Flussseite war recht beschwerlich, so dass das Vorankommen mit den Trägern auch recht schwierig war. Am Abend des 06.06. wurde auf einer idyllischen Wiese mit Bäumen und herrlichen Boulderblocken auf 3500m das Lager errichtet. Der nächste Tag brachte am Vormittag etwas Sonne, aber der gegen 14.00 Uhr einsetzende Graupelschauer zwang die Mannschaft einen weiteren Zwischenstopp einzulegen. Auf 3700m wurde an einer Steinhütte das Lager erreichtet. Es waren zwar nur noch 2-3 Gehstunden mit den Trägern bis ins Basislager, aber da die Übernachtung in der Hütte für die Träger viel bequemer ist und sie den Weg zurück zu dieser Hütte nicht mehr am selben Tag geschafft hätten, war dies die bessere Lösung. Außerdem hatte Bruce, der mit dem Hilfskoch einen Tag später gestartet war, das Team auch noch nicht erreicht.
Übrigens hatte Markus an diesem Nachmittag noch großes Glück, gegen 16.30 Uhr zeigte sich die Sonne und der Himmel riss für wenige Minuten auf und gab den Blick frei hinauf zu den Gipfeln der umliegenden 7000er.
Am 08.06. war nach 2 Stunden Marsch tatsächlich das Basislager auf 4000m erreicht. Für die Träger hieß es Lasten abladen und nach der Auszahlung des Lohnes so schnell wie möglich zurück ins Tal, vermutlich waren sie schon am selben Abend wieder bei Ihren Familien in Aliabad. Bruce kam gegen Mittag im Basislager an. Der Hilfskoch war sehr langsam unterwegs gewesen und erwies sich auch sonst nicht als große Hilfe, so dass er auch wieder zurück nach Aliabad ging.
Nun waren die drei allein in ihrem zu Hause für die nächsten 5-6 Wochen. Bevor man allerdings die Zelte aufstellen konnte, musste noch Schnee geschaufelt werden. Eigentlich sollte an diesem Platz üblicherweise kein Schnee liegen, aber an diesem Tag waren es etwa 25 cm Neuschnee. Damit für die Zelte die beste Stelle gefunden wurde, wurden 200 m² freigeschaufelt und dann das Lager errichtet: Zuerst natürlich das Küchen- und Mannschaftszelt, damit Jehangir ein leckeres Essen und heißen Tee bereiten konnte.

09.06.-10.06. Passive Akklimatisation

An diesen beiden Tagen zeigte sich das Wetter weiter von seiner schlechten Seite, so dass Bruce und Markus sich für die passive Akklimatisation entschieden und im Lager blieben. Außer die täglichen ca. 20 cm Neuschnee wieder von den Zelten schaufeln und die gesamte Ausrüstung zu sortieren, wurde nicht viel gemacht.

11.06-12.06 Depot auf dem Gletscher
Aufstieg durch tiefen Neuschnee

Das Wetter besserte sich leider nicht, aber die Ausrüstung war nun soweit sortiert, dass Bruce und Markus beschlossen, einen Ausflug zum Gletscherrand zu machen zur Errichtung eines Depots. Das erste Depot wurde aufgrund schlechter Sicht bei 4300m eingerichtet, da an diesem Tag der beste Weg auf dem Gletscher nicht zu finden war. Der Abend wurde wieder im Basislager verbracht. Am nächsten Tag war die Sicht etwas besser und so wurden weitere Ausrüstungsgegenstände auf den Gletscher getragen und dort deponiert. Da das Gelände an diesem Tag nun langsam überschaubar wurde, haben Markus und Bruce einen guten Weg auf dem Gletscher gefunden und ihr 2. Depot auf 4600m eingerichtet. Damit ist für ein erstes Hochlager ausreichend Material vorhanden und das deponierte Essen sollte für einige Tage reichen. Der Abend brachte dann für die beiden noch eine besondere Überraschung, Sternenhimmel und damit die Hoffnung auf gutes Wetter.

13.06-14.06 Aufstieg ins Lager 1
Aufstieg ins Lager 1

Mit großer Hoffnung auf besseres Wetter sind Markus und Bruce gestern Abend in die Zelte gekrochen und als sie am morgen aufwachten, schien tatsächlich die Sonne. Ganz schnell ging es ins Küchenzelt, wo Jehangir schon mit einem leckeren Frühstück wartete. Danach konnte mit fertig gepackten Rucksäcken der Aufstieg ins 1. Hochlager beginnen. Der erste Teil des Weges bis auf 4600m verlief in der mittlerweile schon gut ausgetreten Spur. Für den weiteren Weg waren die beiden allerdings ganz froh über ihre in weiser Voraussicht mitgenommenen Schneeschuhe, denn tiefer Neuschnee erschwerte das Vorankommen. Und dort, wo die Sonne den Schnee schon aufgeweicht hatte, brach Markus selbst mit den Schneeschuhen häufig ein. Unterwegs half ihm da nur so mancher laute Fluch weiter und die Vorstellung, wie viel anstrengender der Weg ganz ohne diese vergrößerten Füße wäre.
Auf 5000m erreichten Markus und Bruce einen guten Standort für das erste Hochlager. Der Platz wurde erst mal freigeschaufelt und begradigt, und dann zu einer perfekten Zelt-Plattform ausgebaut und darauf das Zelt errichtet. Das erste Hochlager konnte also bezogen werden und wurde auch gleich bei einer Übernachtung getestet.
Da der Test mit positivem Ergebnis endete und beide gut geschlafen hatten, überlegten sie am nächsten Morgen, wie es weiter gehen sollte. Da kaum ein Wind wehte und nur einige Wolken am Himmel waren, haben die beiden beschlossen zur besseren Akklimatisation diesen Tag im Hochlager zu verbringen. Natürlich lagen sie nicht nur faul im Schlafsack, sondern es wurde die Ausrüstung aus dem Depot auf 4600m ins Lager gebracht. Damit ist nun auch dieses Lager für den weiteren Aufstieg richtig gut ausgestattet. Wie an jedem zweiten Tag im Karakorum, so brachte auch der heutige Abend die wichtigste Zeit des Tages: Mit dem Satellitentelefon riefen Markus und Bruce daheim an, fragten den Wetterbericht ab und natürlich vor allem anderen die Fußballergebnisse. Die Prognose für die nächsten Tage deutet wieder eher durchwachsenes Wetter an, so wird also morgen erneut der Abstieg ins Basislager erfolgen um dort an den Schlechtwettertage Jehangir etwas Gesellschaft leisten. Übrigens zeigte der Blick ins Tal schon, das die letzen beiden Tage die Sonne im Basislager vermutlich ganze Arbeit geleistet hat, zumindest ist vom Schnee nichts mehr zusehen.

15.06. Rückkehr ins Basislager

Nach diesen ersten zwei Tagen im Lager 1 starten Markus und Bruce ihren Abstieg gegen 6.00 Uhr im Lager 1 und sind pünktlich 7.30 Uhr zum Frühstück zurück im Basislager. Jehangir bereitet den beiden ein super leckeres Essen. Am Vormittag wird die Zeit zum Relaxen genutzt, Wäsche gewaschen und in der Mittagssonne folgt dann ein ausgiebiges Bad. Am Nachmittag sortieren Markus und Bruce wieder mal die Ausrüstung, denn die könnte ja in den letzen Tagen am Berg irgendwie durcheinander geraten sein. Außerdem muss entschieden werden, was beim nächsten Aufstieg mit nach oben genommen wird. Es soll zumindest alles dabei sein, damit das nächste Lager errichtet werden kann. Als schließlich alles fertig sortiert war, ist endlich wieder die lang ersehnte Zeit für den Anruf nach Deutschland gekommen. Allerdings gibt es an diesem Tag keinen ausführlichen Wetterbericht, denn in Österreich, wo das Wetter abgefragt wird, ist Feiertag. Der Himmel im Karakorum ist an diesem Abend nur teilweise bedeckt, so dass Markus und Bruce manchmal bis hinauf zum Gipfel sehen können. Deshalb wird beim Abendbrot der Beschluss gefasst, dass morgen mit neuem Material ins Lager 1 gestiegen wird.

16.06. Aufstieg ins Lager 1
Lager 1

Nach einer kurzen Nacht klingelt der Wecker um 3.00 Uhr, Jehangir ist auch aufgestanden und macht den beiden Bergsteigern noch ein ordentliches Frühstück. 4.40 Uhr ist Abmarsch. Auf guter Spur und in der Kühle des Morgens geht es zügig ins Lager 1. Gegen 9.00 Uhr erreichen Markus und Bruce das Lager. Es ist schön dort oben in einem Lager anzukommen, wo das Zelt schon steht. Damit besteht die Aufgabe für den restlichen Tag im wesentlich darin, sich auszuruhen. Markus und Bruce dösen also die meiste Zeit vor sich hin und verpassen darüber glatt die mittägliche Funkzeit mit Jehangir. Eigentlich wird 3 mal am Tag gefunkt Früh, Mittags und Abends, aber heute ging alles so richtig schief; früh hat Jehangir vermutlich verschlafen und am Mittag ging es dann den beiden im Lager 1 so. Zur abendlichen Funkzeit musste Markus dann bei Sturm aus dem Zelt. Jehangir erzählt, dass es auch Basislager recht windig ist und er schon mal eine ganze Menge Steine herangeholt hat, um die Zelte zu befestigen.
Nach dem Funkspruch mit Jehangir ruft Markus noch zu Hause an. Der Wetterbericht bringt an diesem Tag wirklich gute Nachrichten, an den nächsten zwei Tagen ziehen zwar noch Wolken durch, aber ab Montag ist für 4-5 Tage sonniges Wetter angesagt. Und sehr wichtig: Auch der Wind soll sich legen.

17.06. Materialtransport ins Lager 2

Der Wecker klingelt wieder sehr zeitig und beim Blick aus dem Zelt zeigt sich der sternenklare Himmel. Es ist kalt und weder Bruce noch Markus wollen wirklich raus aus dem Schlafsack, aber das muss man fürs Kochen zum Glück ja erst mal nicht. Also wird erst mal Frühstück gemacht und als die Morgendämmerung dann einsetzt, fällt auch das Aufstehen leichter. 4.30 Uhr sind die beiden startklar. In den kühlen Morgenstunden laufen Markus und Bruce hinauf zu dem Platz, der für die Errichtung des Lagers 2 vorgesehen ist. Auf 5900m findet sich an der Stelle, wo schon vor 4 Jahren das Camp (damals Lager 3) hinter dem Batokshi Peak stand, wieder eine gute Stelle für einen Lagerplatz. Dieser Platz wird schon mal als Zeltplattform begradigt und das Material wird deponiert. Nach einer Pause geht es für Markus und Bruce wieder hinunter ins Lager 1, wo sie sich bei einer weiteren Nacht in 5000m Höhe noch besser akklimatisieren wollen.

18.06. Umzug ins Lager 2
In der Nähe von Lager 2 vor dem 6050m hohen Batokshi Peak

Nach einer ruhigen Nacht im Lager 1 und einem guten Frühstück bauen Markus und Bruce das Zelt ab. Das Zelt wird für die nächsten Tage nicht mehr gebraucht, da der Rückweg vom Lager 2 bis ins Basislager gut an einem Tag zu schaffen ist. Außerdem haben sich die beiden damit ein weiteres Hochlagerzelt gespart. Der Aufstieg beginnt 5.30 Uhr und der Lagerplatz ist 9.00 Uhr erreicht. Nun wird natürlich noch mal geschaufelt, damit das schöne große VE25 auch einen perfekten Standort hat. All die Mühe des Schaufelns für eine perfekte ebene Zeltfläche wird stets mit einem wesentlich besseren Schlaf belohnt, als man ihn auf eine "Buckelpiste" finden würde. So ist es auch dieses Mal, nachdem am Nachmittag ein Schneeschauer die beiden bereits zeitig ins Zelt gezwungen hat, können sie nach dem Abendessen in ihre Schafsäcke kriechen.

19.06. Depot für das Lager 3

Dass die Zeltplattform wirklich gut ist, zeigt sich daran, dass Markus und Bruce so fest geschlafen haben, dass keiner von beiden den Wecker 3.30 Uhr gehört hat. Die Morgendämmerung weckt sie erst eine ganze Stunde später. Also verzögert sich der geplante Abmarsch auch ein wenig. 6.10 Uhr laufen die beiden los in Richtung Lager 3. Diesen Weg kennt Markus nun schon, denn bei dem ersten Versuch am Batura II im Jahr 2002 hat er hier mit seinem Bruder Christan Walter und Günter Jung den Weg ins damals letzte Hochlager in Schwerstarbeit gespurt. Damals hat das Team für den Weg, den Markus und Bruce nun an einem Tag zurücklegen wollen, volle 2 Tage und ein Zwischenlager auf 6380m gebraucht.
Dieses Mal sind die Bedingungen deutlich besser, so dass der Weg bis auf 6600m Höhe zwar auch in tiefem, weichen Schnee gespurt werden muss, aber der geplante Lagerplatz ist um 11.40 Uhr schon erreicht. Nun wird wieder eine Plattform angelegt und die mitgebrachte Ausrüstung und Essen für 4 Tage deponiert. Markus und Bruce sind nun wirklich ein gut eingespieltes Team und somit gehen diese Arbeiten recht zügig voran. Langsam schieben sich die Wolken um den Batura zusammen und schon 20 Minuten nachdem die beiden hier oben angekommen sind, setzt der Schneefall ein. Allerdings ist das Lager da noch lange nicht fertig, erst nach 1,5 Stunden Arbeit kann mit dem raschen Abstieg begonnen werden. Zurück im Lager 2 beschließen die beiden, dass sie sich nach diesem anstrengenden Tag eine Ruhepause verdient haben. An diesem Abend wird mal kein Wecker gestellt, denn es ist Ausschlafen angesagt.

20.06. Ruhetag im Lager 2
Hochlager

Nach der zweiten Nacht im Lager 2 legen Markus und Bruce einen Ruhetag ein. Da sie bisher wirklich zügig vorangekommen sind und das Wetter auch weiterhin stabil bleiben soll, wird einfach mal Pause gemacht. In der Sonne ist es auch gemütlich warm im Zelt, so dass die beiden den ganzen Tag vor sich hin dösen. Zwischen durch wird immer mal wieder gekocht, gegessen und getrunken und natürlich wird die Taktik für die nächsten Tage durchgesprochen. Markus ruft dazu wieder zu Hause an und lässt sich den aktuellen Wetterbericht übermitteln. Im Gegensatz zu Deutschland, wo derzeit gerade Gewitter toben, ist für das Baturagebiet weiterhin ein stabiles Hochdruckgebiet vorhanden und nur im Laufe des Nachmittages können sich Quellwolken bilden. Mit diesen Wetteraussichten wird für den morgigen Tag der weitere Aufstieg geplant.


21.06. Lager 3 wird bezogen

Am heutigen Tag klingelt der Wecker wieder 4.30 Uhr. Nach der gestrigen Ruhepause fühlen Markus und Bruce sich fit und steigen hinauf ins Lager 3. 6.40 Uhr geht es mit wieder vollen Rucksäcken nach oben. Die Spur ist gut angelegt und so kommen die beiden schon 10.00 Uhr im Lager 3 an. Dort wird erst mal eine Pause eingelegt. Für den Rest des Tages wird Arbeitsteilung beschlossen. Bruce spurt im Tiefen Schnee noch ein Stück weiter nach oben und Markus kümmert sich um den Zeltaufbau. Bruce spurt noch etwa 200m höher. Als er gegen 13.30 Uhr wieder zurück am Zelt ist, wartet Markus schon mit leckerem heißen Tee und einem Mittagsmahl aus der Schultheißtüte auf ihn. Der Rest des Nachmittags wird dann im Zelt verbracht. Nach dem Abendbrot wird direkt aus dem Schlafsack per Satellitentelefon das Wetter abgerufen und der aktuelle Stand beim Fußball erfragt. Die bisherigen Wetterprognosen haben sich für die nächsten Tage auch bestätigt, es wird mit weiterhin stabilem Wetter gerechnet, nur für den morgigen Tag sind ein paar Schauer angesagt. Also wird für Morgen erst mal der Wecker gestellt. Morgen früh wird also erst nach einem Blick aus dem Zelt entschieden, ob das Aufstehen lohnt oder ob das Wetter einen weiteren Ruhetag fordert.

22.06. Lager 4 wird leider nicht erreicht
Aufstieg auf ca. 7000m Höhe

Der Wecker klingelte heute schon 3.00 Uhr und 5.45 Uhr starten Markus und Bruce im Lager 3. Da Bruce gestern wirklich gute Arbeit geleistet hat, kommen sie erst mal gut voran. Doch irgendwann ist diese gute Spur zu Ende und der Hang wird deutlich steiler. In diesem Gelände ist dann natürlich auch der tiefe pulvrige Schnee viel unangenehmer. Das Weiterkommen wird immer schwieriger und die beiden werden immer langsamer. Erschwerend kommt hinzu, dass das Gelände weiter aufsteilt und es sich kaum Möglichkeiten finden, um die Route zu sichern. Für gerade einmal 1,5 Seillängen finden Sie ausreichend dickes Eis, um eine Eisschraube zu setzen. Die Geschwindigkeit, so man dieses Wort überhaupt noch verwenden kann, nimmt stetig ab. Es werden noch maximal 50 Höhenmeter pro Stunde geschafft.
In einer Höhe von 7000m treffen Markus und Bruce dann die Entscheidung, dass diese Route wohl aussichtslos und viel zu gefährlich ist. Es ist einfach nicht erkennbar, dass es weiter oben besser werden könnte. Im Aufstieg haben sie natürlich auch schon den Blick auf mögliche Alternativen gerichtet und so ist diese Umkehr auf 7000m noch nicht der Abschied vom Berg, aber auf dieser Route ist der Gipfel ohne unverhältnismäßige Risiken nicht erreichbar. Der Abstieg ins Lager 3 geht sehr langsam voran und so kommen die beiden erst gegen 15.45 Uhr müde am Lager an. Bei herrlichem Wetter und mit der Aussicht, das es noch ein paar Tage so bleiben wird, beschließen sie an diesem Nachmittag noch bis ins Lager 2 auf 5900m abzusteigen, um dort eine Pause einzulegen und dann gestärkt über eine andere Route den Gipfel ein weiteres Mal ins Auge zu fassen.

23.06. Ruhetag in Lager 2

An diesem Ruhetag im Lager 2 passiert nicht viel. Nach dem leider erfolglosen Versuch zu einem Aufstieg über 7000m gestern müssen wir natürlich erstmal Kraft schöpfen. Also ist ausschlafen angesagt und auch ansonsten geschieht den ganzen Tag nicht allzu viel, außer dass wir dösen, schlafen, Schnee schmelzen, kochen, essen, trinken, trinken, trinken... Einzige Abwechslung sind die Funksprüche früh, mittags und abends mit Jehangir, der sich im Basislager alleine inzwischen ganz schön langweilt...

24.06. Aufstieg ins Lager 3 und Abbruch des Besteigungsversuches
Blick in Richtung Batura-I-Gipfel

Wieder einmal heißt es 5 Uhr morgens aus dem Schlafsack heraus die Kocher in Gang setzen und Schnee schmelzen, damit wir kurz nach 7 Uhr mit gepackten Rucksäcken für einen erneuten Versuch in Richtung Lager 4 oder Gipfel starten können, um rechtzeitig das Lager 3 auf 6600m zu erreichen, bevor der Schnee weich und das Gehen zur Qual wird...
Aber oh trügerische Hoffnung! Über Nacht hat es geweht und die Spur ist zwar noch schwach zu erkennen, aber so komplett mit dem (trotz nun schon sehr lange anhaltender Schönwetterperiode reichlich vorhandenen!) Pulverschnee gefüllt, dass der Aufstieg genauso schwer fällt wie beim ersten Mal! Erst gegen 11.40 Uhr erreichen wir ziemlich geplättet das Lager 3. Es ist einfach zum Verrücktwerden: da herrscht seit vielen Tagen bestes Sonnenwetter und die Route verläuft auf einer Südseite, wo die Sonne eigentlich auch einige Wirkung zeigen müsste, aber oberhalb von 6000m setzt sich der viele Schnee der Anmarschtage einfach keinen Millimeter!!! Unter diesen Umständen wird es einfach verdammt schwer! Und gefährlich. Das wissen wir beide, aber das war schon klar, als uns vor zwei Tagen auf unserer relativ sicheren Route nahe der senkrechten Gipfelfelsen das grundlose weiße Pulver zur Umkehr zwang. Die Route, die wir nun probieren wollen, verläuft viel weiter rechts in der gewaltigen Flanke, dort wo der Wind hoffentlich weniger Schnee HIN- als vielmehr Weggeblasen haben müsste - zumindest wenn unsere Rechnung aufgeht. Das Problem an dieser Route ist ein langer Quergang (na ja, nicht wirklich Quergang, denn er steigt von 6600m auf ungefähr 7000m an...), bei dem die gesamte Strecke jederzeit von einsturzgefährdeten Seracs bedroht ist. 2002 ist Markus diese Strecke schon einmal gemeinsam mit seinem Bruder Christian und Günter Jung geklettert, ehe sie auf 7100m wegen gefährlich viel ungebundenem Schnee auf Blankeisauflage umkehren mussten. Damals sahen die Seracs aber viel gutmütiger und viel weniger gefährlich aus... Und in der Querung lag damals viel weniger Schnee, was diese schneller und damit noch einmal weniger gefährlich machte. Diesmal ist das leider alles anders. Trotzdem wollten wir dieses Risiko eigentlich eingehen. Denn unsere bisherigen zwei favorisierten Routen (eine zunächst hoffnungsvoll aussehende steile Felsrampe, die aber aufgrund des täglich über den Gipfelgrat neu eingewehten Neuschnees nicht kletter- und wie wir mittels 400mm-Objektiv von hier oben aus feststellen mussten vor allem nicht sicherbar ist und die Route, die wir vor 2 Tagen probiert haben) sind nicht mit einem vernünftigen Risiko machbar. Also bleibt auf der kompletten Südseite dies der einzig verbleibende halbwegs sinnvolle Weg zum Gipfel. Aber wie gesagt: heute haben wir uns wieder einmal durch tiefen Schnee ins Lager 3 kämpfen müssen und geweht hat es leider nicht nur entlang unserer Spur, sondern auch neuen Schnee in die angedachte Querung verfrachtet. Und wie die bereits abgegangenen Lawinen deutlich zeigen, ist es unter dem ganzen Schnee blank. Und zwar verdammt blank.
Die Mittagsstunden verbringen wir im Lager 3 und schauen abwechselnd in die so unschön wirkende Route, während der jeweils andere unsere "vollautomatische Solar-Schneeschmelz-Anlage" (= regelmäßig nachzufüllende Töpfe mit Schnee auf dem Zeltdach in der Sonne betreibt. So richtig wohl ist beim Anblick der Route keinem von uns. Mehr Schnee in der Querung bedeutet nämlich vor allem auch eins: langsameres Vorankommen und damit noch längerer Aufenthalt im Gefahrenbereich... Wir verlieren beide nicht viele Worte, aber jeder denkt sich seinen Teil. Natürlich ist der Batura 2 als höchster unbestiegener Berg der Erde ein Ziel, für das man schon einiges riskieren könnte, aber irgendwo gibt es natürlich auch eine Grenze. Schließlich gibt es noch viele unbestiegene Berge weltweit und wir wollen beide noch viele Jahre bergsteigen...
Markus am Funkgerät Am Nachmittag kommt endlich der langersehnte Wetterbericht per Satellitentelefon. Er klingt zunächst nicht schlecht: noch einige Tage Sonnenschein und auch dann nur allmähliche Wetterverschlechterung - kein wirklich mieses Wetter in Sicht, eher so ein bisschen gemischt mit Sonne und Wolken. Der Teufel steckt wie so oft im Detail: der Wind wird langsam zunehmen. Hm. Und zwar aus Westen. Hm. Und er wird neuen Schnee über den Gipfelgrat blasen. Hm. Und zwar in unseren Quergang. Hm, hm. Und zwar BEVOR wir wieder unten sein können. Verdammt! Das hat uns gerade noch gefehlt: auf dem Rückweg noch gefährlicher als ohnehin schon hinzu. Das ist das Aus! Im Prinzip ist es nur das Ausrufezeichen hinter einer ohnehin schon überfälligen Entscheidung, aber jetzt steht es fest: wir können und werden auch diese letzte von drei möglichen Routen unter diesen Umständen nicht begehen! Mit anderen Worten: wir werden unseren Versuch am Batura 2 leider abbrechen müssen. Leider, leider, aber die Vernunft sollte nun mal beim Bergsteigen immer die Oberhand behalten (auch wenn wir der Leidenschaft in "unseren" geliebten Bergen gerne mal etwas Auslauf gewähren...).
Also Schluss! Aus!
Drei Wochen Plackerei auf einer auch bis hier oben auf 6600m nicht gerade ungefährlichen Route. Und das ganze, um nach 2600m Höhengewinn gerade mal genauso weit gekommen zu sein, wie 2002 bei viel, viel schlechterem Wetter... Für Markus ist das nun schon das zweite Mal, dass er bei gutem Wetter (2002 herrschte das zumindest am Gipfeltag!) am Batura 2 umkehren muss - eigentlich ziemlich frustrierend...
Zumindest, wenn man nur das Ergebnis, nur das Ziel sieht! Aber wie heißt es so schön: "Der Weg ist das Ziel!" Und wenn man das herrliche Stück Weg sieht, welches wir als Team zurückgelegt haben, die Erlebnisse von 3 Wochen Bergsteigerei in einer unberührten, einsamen und unbeschreiblich eindrücklichen Bergnatur nicht außer Acht lässt und sich auf die vielen, vielen belichteten Diafilme der vergangenen Tage freuen kann, dann ist der Frust schon ein ganzes Stückchen kleiner. Und wenn man die Entscheidung zur Umkehr an einem sonnigen Juninachmittag auf 6600m Höhe mit atemberaubendem Blick auf Spantik, Rakaposhi, Diran Peak, Sangemarmar, Hachindar Chhish und die zahllosen anderen 7- und 6000er des Karakorum sowie in der Ferne den majestätischen Nanga Parbat getroffen hat - und zwar GEGEN den Gipfel, aber FÜR weitere tolle Bergerlebnisse in dieser wunderschönen Bergwelt, dann hat man eigentlich nicht wirklich einen Grund, frustriert zu sein. Schließlich besteht ja gerade in den Unwägbarkeiten einer unbekannten Route auf einen unbestiegenen Berg der Reiz einer Unternehmung dieser Art! Wenn wir etwas mehr Planbares mit größeren Erfolgschancen gewollt hätten, hätten wir ja auch zu einem 8000er fahren können und uns an den oft bevölkerten Normalrouten in die lange Reihe derjenigen einreihen können, denen ein Gipfelerfolg mehr zählt als das Abenteuer pur, welches wir hier erleben durften. Nicht, dass man uns falsch versteht: auch ein 8000er auf einer Normalroute kann ein einmaliges Bergerlebnis sein. Aber die Wichtung ist nun mal eine andere und diesmal waren wir hierher gekommen, um eine ganz besondere Bergerfahrung zu machen. Und der Berg hatte sie uns gegeben - und zwar auch bereits bis zu unserem erreichten höchsten Umkehrpunkt von reichlich 7000m!
In einem Lied einer Musikband, die an Basislagerabenden vor dem Einschlafen des öfteren durch die Kopfhörer von Markus' Walkman musiziert, heißt es "On Top of the World you get nothing done" - wie wahr, wie wahr! Und zwar egal, ob man sich auf 8000m oder 238m niedriger oder eben nicht einmal ganz so hoch befindet!
Nachdem die Entscheidung gefallen ist, geht alles ziemlich schnell. Wozu noch lange Zeit an ein nicht (mehr) realisierbares Projekt verschwenden, wenn doch der Horizont voller neuer Projekte ist?!
Blick zum Rakaposhi Noch haben wir bis Expeditionsende einige Zeit, die wir natürlich nutzen wollen. Nur eines ist klar dabei: wir müssen uns auf niedrigere Berge konzentrieren, wenn wir Erfolg haben wollen! Nicht nur wir haben unser Ziel in den Bergen Pakistans in diesem Sommer nicht erreichen können: die Österreicher am Nanga Parbat haben schon wegen zu viel Schnee aufgegeben, zahlreiche weitere Expeditionen im zentralen Karakorum kämpfen noch gegen dass endlose Weiß. Nur vom Broad Peak bahnt sich ein Erfolg an - "trotz viel Schnee" wie es heißt. Mit ziemlich ähnlichen Verhältnissen wird man also dieses Jahr an allen Bergen >7000m Höhe im Karakorum zu rechnen haben. Und rings um unser Basislager, welches quasi zu 360 Grad nur von hohen, schwierigen etwa 7000m hohen Gipfeln eingerahmt ist, stehen unter diesen Bedingungen keine wirklichen Alternativen. Mal abgesehen von drei 5000ern einen Tagesmarsch entfernt, deren zerrissene Gletscher im Zustieg aber nicht wirklich verlockend genug aussehen, um uns die Aussicht auf endlose Schneehänge - nur eben 2000m tiefer - genügend zu versüßen. Es läuft also alles auf einen notwendigen Wechsel des Basislagers hinaus, wenn wir wirklich noch "etwas reißen" wollen. Und damit wird der Rest unserer Expedition zu einem Spiel gegen die Zeit. Denn schon um alles was wir mühsam hier hinaufgeschleppt haben (eben nicht nur Essen und Kochergas für viele Tage, sondern auch eine komplette Kletterausrüstung inklusive Felshaken, Klemmkeilen, Friends usw. für die ursprünglich mal anvisierte steile Felsrampe, die sich aber dann eben als unkletter- und vor allem unsicherbar bei diesen Verhaeltnissen erwies...), wieder ins Basislager zu transportieren, brauchen wir mindestens 2 volle Tage. Und für den Rückmarsch vom Basislager mit Gepäck nach Aliabad für einen neuen Anlauf in einem anderen Tal ebenfalls nochmal...
Also sputen wir uns gleich jetzt. Einmal getroffene Entscheidungen sind schließlich dazu da, umgehend umgesetzt zu werden. Das heißt: zusammenpacken, Zelt abbauen und schon 17.10 Uhr erreichen wir mit schweren Rucksäcken mit dem kompletten Gepäck Lager 2 - damit hat der Abbau der Lager und Rücktransport der Ausrüstung begonnen. Er wird uns noch viel Schweiß und Mühe kosten, aber unser Ziel ist nun klar - wir wollen alles daran setzen, schnell genug alles zu beräumen, um mindestens noch einen ernsthaften Versuch an einem der zahlreichen unbestiegenen 6000er in den Nachbartälern unternehmen zu können...

25.06. Abstieg Lager 2 - Basislager

Erneut beginnen wir 5 Uhr früh mit dem Schnee schmelzen und kochen, denn heute steht uns ein langer und anstrengender Tag bevor: wir haben nicht nur die fast 2000 Höhenmeter Abstieg (ein Teil davon in doch recht steiler Eiskletterei...) zu bewältigen, sondern wollen vor allem Lager 2 im Batokshi Col auf 5900m komplett beräumen. Und da das, was zur Zeit hier liegt, das Fassungsvermögen unserer beiden Rucksäcke bei weitem übersteigt und auch reichlich mehr als 100kg ist, haben wir auch nicht annähernd eine Chance, das mit einem Mal runter zu schaffen. Mit 3 Rucksackladungen könnte es gerade so gehen, also haben wir uns seine ausgefeilte Taktik ausgedacht...
Nachdem das Zelt ausgeräumt und abgebaut und alles in den Rucksäcken bzw. anderen handlichen Stücken verpackt ist, starten wir bei schönstem Sonnenschein ab Lager 2. Die ersten 50 Höhenmeter schleppen, ziehen, schleifen wir alles mit, denn es geht angeseilt über einige große Spalten. Hinter der letzten Spalte und vor dem Einstieg in das erste Steilstück deponieren wir die beiden Zelte aus Lager 2 und 3 sowie noch etwa 15kg Kletterausrüstung. Dann steigen wir zügig, aber vorsichtig, auf den Frontzacken die Steilflanke hinunter. Etwa auf halber Höhe zwischen Lager 1 und 2 und unterhalb des steilen Teils der Kletterei befindet sich ein größerer flacher Absatz. Dort packt Bruce seinen übervollen Rucksack aus und deponiert die etwa 30kg im Schnee. Anschließend steigt er die Steilflanke wieder hinauf um die Zelte und den Rest zu holen. Markus steigt indessen weiter ab bis ins Lager 1, wo auch noch ein Sack mit einigen wenigen deponierten Sachen liegt. Dort angekommen entlädt auch er seinen Rucksack und steigt ebenfalls wieder hinauf, um Bruce' Sachen zu holen. Das Timing stimmt optimal, denn mit einer Minute Versatz kommen sie - der eine von oben mit vollem Rucksack, der andere von unten mit leerem Rucksack - wieder an den von Bruce deponierten Sachen an. Gemeinsam schaffen sie nun diese beiden schweren Rucksackladungen hinunter ins Lager 1 und haben damit in kürzestmöglicher Zeit alles bis dort hinunter geschafft. Das im Lager 1 heute noch etwas verbleibt, lässt sich allerdings trotz ausgeklügelter Strategie nicht verhindern - zu weit ist einfach die Entfernung bis ins Basislager und wegen der Gletscherspalten ist außerdem ein Gehen am Seil obligatorisch. Beladen mit jeweils etwa 30kg geht es also über den Gletscher talwärts, dem Basecamp entgegen. Kurz vor dem Ziel wartet noch eine unangenehme Überraschung: die Randmoräne des Gletschers ist inzwischen durch die sonnigen Tage völlig schneefrei und damit nicht mehr überwindbar geworden. Ein reichlich anderthalbstündiger Umweg über den unangenehm zerrissenen und von losem Geröll bedeckten Gletscher wird fällig - und das mit den schweren Rucksäcken - na prima...!
Trotzdem erreichen Bruce und Markus kurz nach 16 Uhr das Basislager, wo ihnen Jehangir überglücklich nach den langen Tagen der Einsamkeit entgegen kommt. Für heute ist damit ein ordentliches Tagewerk geschafft!

26.06. Erkundungstour ins Shandar Tal & Packtag im Basislager
Naturkunstwerk unterwegs zum Shandar-Gletscher

Nach dem Ausschlafen gibt es aus Jehangirs Küche ein kräftiges Frühstück und dann teilen wir uns mal wieder, um möglichst zeiteffektiv die wichtigsten anstehenden Dinge zu erledigen: Bruce unternimmt einen mehrstündigen Erkundungsausflug, um den Kessel des Shandar-Gletschers auf mögliche Aufstiegsrouten hin zu erkunden. Dieser Gletscherkessel ist quasi der andere der zwei großen Gletscherkessel, in die sich unser Tal teilt, und die von unserem Basecamp aus erreichbar sind. Zwar stehen auch dort ringsum nur 7000er, aber vielleicht gibt es ja eine Linie mit günstigerer Schneelage...
Markus sortiert und trocknet inzwischen die komplette Ausrüstung und bereitet alles für den Fall vor, dass es im Shandar-Kessel keine Alternativen gibt und wir das Basecamp so schnell wie möglich verlassen müssen, um uns neuen Zielen zuzuwenden. Per Funk halten wir aller 2 Stunden Kontakt miteinander, die endgültige Entscheidung fällt jedoch erst am Abend: da es weder im Shandar-Kessel noch sonstig von unserem Basecamp erreichbar sinnvolle Alternativen gibt, müssen wir für weitere Ziele so schnell wie möglich unser Basislager in ein komplett anderes Tal verlegen. Das kostet Zeit, lässt sich aber nicht umgehen, und so werden noch am selben Abend per Satellitentelefon 13 Träger für den Rücktransport unseres Gepäcks bis nach Aliabad bestellt, damit diese übermorgen möglichst zeitig hier eintreffen. Wir müssen morgen indessen die noch im Lager 1 befindliche Ausrüstung ins Basecamp herunterholen und alles abmarschfertig machen - angesichts der nicht gerade üppigen Zeit dafür voraussichtlich ein schweißtreibendes Programm...

27.06. Rücktransport der letzten Ausrüstung aus Lager 1 ins BC

Am letzten anstrengenden "Arbeitstag" am Batura heißt es wieder mal zeitig aufstehen. Schon kurz nach 3.30 Uhr weckt Markus Jehangir und um 4 Uhr gibt es zum Frühstück große Schüsseln mit dampfendem Porridge. Kurz darauf steigen wir mit vollem Bauch und leerem Rucksack dem Lager 1 entgegen. Der im unteren Bereich der Route immer mehr zurückgehende Schnee zwingt wieder zu einem langen Umweg über den Batokshi-Gletscher, ehe es auf gewohnter Route ins Lager 1 hinauf geht. 10 Uhr sind wir schon dort und packen alles noch hier Verbliebene ein, was wieder zu verdammt schweren Rucksäcken führt. Immerhin entschädigen uns gutes Wetter mit Sonne und ein paar Wolken und die herrlichen Ausblicke auf die umliegenden Berge einmal mehr für alle Anstrengungen. Kurz nach 14 Uhr ist es endlich vollbracht und alles was wir einst hoch getragen haben (natürlich abzüglich des verbrauchten Essens, jedoch selbstverständlich inklusive des kompletten Mülls!) ist wieder im Basislager. Den Rest des Tages verbringen wir mit dem Trocknen der Zelte sowie dem Verpacken der kompletten Ausrüstung in 25kg-Lasen für den morgigen Abtransport durch Träger...

28.06. Rückmarsch nach Aliabad

Bereits um 5.30 Uhr endet die Nacht für uns. Jehangir beginnt mit dem Zubereiten des Frühstücks: Tschapati und Omelett, Bruce packt seinen Rucksack und Markus versucht, Ordnung in das Chaos in seinem Zelt zu bringen, um dann die restlichen Tonnen transportfertig zu machen. Leider regnet es seit etwa 5 Uhr immer wieder 7.45 Uhr - eine Dreiviertelstunde später als geplant - startet Bruce mit dem Ziel, am selben Abend noch Aliabad zu erreichen, um den morgigen Tag für einen Erkundungsausflug ins Shispar-Tal zu nutzen, während Markus und Jehangir die Träger begleiten werden.
Die beiden sind daher eifrig mit dem Packen der möglichst genau 25kg wiegenden Tonnen beschäftigt, damit alles abmarschbereit ist, wenn die 13 bestellten Träger hoffentlich bald hier eintreffen. Mit dem Tross der Träger wird es voraussichtlich 2 Tage bis zurück nach Aliabad dauern, denn der Weg ist lang und führt die meiste Zeit in ständigem Auf und Ab über einen wildzerrissenen Gletscher...
Schon 9.45 Uhr tauchen sehr zu unserer Freude die ersten Träger auf. Zum Glück haben wir auch fast alle Lasten transportfertig. Markus baut schnell noch mit einem der Träger, der ganz gut Englisch spricht, die in der inzwischen wieder scheinenden Sonne getrockneten Zelte ab, während Jahengir ein paar der Lebensmittel, die wir nicht unbedingt zurück transportieren wollen, an die Träger verschenkt. In der Hauptsache sind dies etwa 50 Eier, die sich die Träger sofort in einem großen Pott Tee kochen (clevere Energieausnutzung: Tee und Eier kochen in einem Aufwasch...), sowie einige Möhren und ca. 5kg Mehl.
Blick zurück zur Batura-Mauer10.30 Uhr sind wir abmarschfertig. Nur leider die Träger noch nicht! Irgendwie ist einer der 13 auf dem Hinweg "abhanden gekommen" und nun wird fieberhaft überlegt, wo er geblieben ist. Es stellt sich heraus, dass er kurz den Anschluss verloren und im unübersichtlichen Labyrinth des ewigen Auf und Ab des Muchuar-Gletschers einfach irgendwo eine Sackgasse erwischt hatte, so dass er ein ganzes Stück zurück musste, um dann in einem neuen Anlauf unser Basislager zu erreichen. 11.30 Uhr taucht der Vermisste endlich auf, bekommt auch noch schnell seine vier hartgekochten Eier und eine Möhre als Mittagessen und 11.45 Uhr setzt sich die kleine Karawane aus 13 Trägern endlich in Bewegung. Jehangir und Markus kontrollieren als Letzte nochmal den Platz unseres Basislagers, sammeln die letzten kleinen Fitzelchen Müll (z.B. die Zigarettenkippen der Träger) ein und verbrennen alles sorgfältig in einem Erdloch, in dem wir schon die vergangenen Wochen unsere "Müllverbrennungsanlage" gehabt haben. Anschließend wird sowohl dieses Loch als auch unsere Basislagertoilette wieder mit der ausgehobenen Erde verfüllt und sorgfältig die mit Bachwasser frischgehaltene Grasnarbe wieder aufgesetzt. Außer ein paar welken Grashalmen an den Stellen wo unsere Zelte standen, erinnert nun nichts mehr daran, dass hier einige Wochen lang unsere zweite Heimat gewesen ist. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen Jehangir und Markus Punkt 12 Uhr bei inzwischen blauem Himmel und bestem Sonnenschein die Batokshi-Wiese. Nach einer Stunde haben sie in dem zunächst recht komplizierten Terrain die Träger alle überholt und sich an die Spitze der kleinen Karawane gesetzt. Angesichts des flinken Vorankommens der beiden meinen die Träger, mit diesem Tempo würde man Aliabad in 6 Stunden erreichen. Für Markus klingt das verlockend: es ist zwar schon 13 Uhr, aber die Aussicht, 19 Uhr eine warme Dusche und vor allem Strom zum Aufladen aller Video-, Kamera-, Satellitentelefon- usw. Akkus zur Verfügung zu haben und ggf. sogar ein WM-Fussballspiel live im Fernsehen verfolgen zu können, ist natürlich einige Anstrengungen wert. Also willigt er nach langem Zögern in Jehangir's Vorschlag ein, es doch zu versuchen, während Jehangir ca. 3-4 Stunden zügig mitgehen und bei der Routensuche behilflich sein will, dann aber auf die Träger warten und gemeinsam mit ihnen die Nacht noch in einem Zwischenlager bleiben will. Das Tempo wird also noch verschärft und unter der sengenden Mittagssonne turnen die beiden über Stock und Stein zügig den Gletscher entlang. 14 und 16 Uhr kommt eine Funkverbindung mit Bruce zustande, der etwa 4 Stunden Vorsprung hatte. Der Vorsprung scheint zu schmelzen, und so ist Markus noch recht optimistisch, als er sich 17 Uhr von Jehangir verabschiedet, doch die Zeitangabe der Einheimischen erweist sich wieder mal als eine ziemlich vage Größe. Auch wenn bis zum Einbruch der Dunkelheit kurz nach 20 Uhr mehr als eine Stunde Reserve war, beginnt Markus ab 18 Uhr gegen die Zeit zu rennen und es ist klar, dass er Aliabad nie und nimmer mehr im Hellen erreicht. Selbst für Bruce, der früh 8 Uhr gestartet ist, wird dieses Ziel mehr und mehr unrealistisch... Auf einem guten Weg ist es ja an und für sich auch kein Problem, im Dunklen mit einer Stirnlampe zu gehen, aber auf dem zerklüfteten Gletscher sollte man das tunlichst vermeiden, wenn man irgendwann lebend ankommen will... Bruce hat den Gletscher bei Beginn der Dämmerung längst hinter sich gelassen und folgt dem nun endlich guten Weg entlang eines jahrhundertealten Wasserkanals, der aus den Gletscherwassern des Muchuar- und Shispar-Gletschers die Aprikosenhaine des Hunzalandes mit Wasser versorgt, während Markus noch immer rennt und rennt, als ginge es um sein Leben. Zur Funkzeit 20 Uhr (zu der leider kein Kontakt zustande kommt) hat er den letzten großen Moränenkamm vor dem Gletschertor erreicht, kann sich noch kurz ein Bild von dem ungefähren Verlauf des letzten halben Kilometers auf dem Gletscher machen und tastet sich dann nach Gefühl und im letzten Büchsenlicht zwischen den Spaltenzonen an den Gletscherrand, wo schließlich die Stirnlampe unentbehrlich wird - gerade noch mal so geschafft... Noch ist er allerdings nicht im Ziel: bis zum Wasserkanal geht es noch fast eine Stunde über Stock und Stein - mehrfach verliert er im Lichtkegel der Stirnlampe den schwach ausgeprägten Pfad zwischen den Steinen aus den Augen, sucht und findet ihn wieder, bis schließlich einige hundert Meter vor ihm ein Licht auftaucht. Bruce? Die Instandhaltungsarbeiter des Wasserkanals, die hier in der Nähe ein kleines Hüttchen bewohnen? Weder noch - es sind vier Jugendliche aus Hyderabad, die als ihr persönliches kleines Abenteuer zum Zelten heraufgekommen sind. Sie staunen nicht schlecht, als kurz vor 21 Uhr plötzlich mitten aus der Dunkelheit Markus vor Ihnen auftaucht, bieten ihm aber sofort etwas zu Trinken an. Die Flüssigkeit in der alten Colaflasche schmeckt süß und nach aufgelöstem Orangengetränkepulver, hat aber die Farbe der schlammigbraunen Fluten des Gletscherflusses. Bisher hat Markus - obwohl nach der Mittagshitze und 9 Stunden Gewaltmarsch inzwischen fast am Verdursten - tunlichst vermieden, von der hier einzig verfügbaren Brühe etwas zu trinken, aber was soll's: die vier jungen Burschen sind nach eigener Auskunft seit Mittag hier oben, haben selber auch schon viel von dem "Wasser" getrunken und leben auch noch... ;-)
Im Tausch gegen die Brühe schenkt Markus den vier Burschen eine Packung Erdnüsse - seine einzig verbliebene Marschverpflegung, die er jetzt eh' nicht mehr herunterbekommt... Man macht noch gegenseitig ein Foto, dann verabschiedet man sich und Markus lässt die vier Burschen staunend in der Dunkelheit zurück... Nur wenige Minuten weiter erreicht er endlich den Wasserkanal und damit den sicheren Weg nach Aliabad, wo Bruce in diesen Minuten ankommt. Zur "Begrüßung" fällt Bruce in den unbeleuchteten Strassen ohne Stirnlampe gehend in ein anderthalb Meter tiefes Loch... :-( Nachdem er sich - mit einigen Schürfwunden aber zum Glück ohne ernsthafte Folgen - wieder aufgerappelt hat, erreicht er wohlbehalten das Guesthouse, in dem er schon auf dem Hinweg übernachtet hatte. Der Besitzer freut sich riesig - wahrscheinlich war in diesen 3 Wochen kein anderer Gast da...
Markus folgt indessen im Licht der Stirnlampe dem Wasserkanal, noch etwa anderthalb bis zwei Stunden Nachtmarsch nach Aliabad vor sich. Bald erreicht er das winzige Hüttchen der "Water Guards" - der Leute, die dafür sorgen, dass durch den nahezu täglich von Erdrutschen und Steinlawinen verschütteten Kanal trotzdem Wasser fließt. Davor steht ein schwach erleuchtetes Zelt und als er vorübergehen will, schallt aus dem Inneren die Frage, ob er einen Tee möchte. Warum nicht - Tee ist zumindest abgekocht! Die Farbe des Tees ist erstaunlich klar - die Wasserwerker besitzen einen Filter! Also gleich noch einen Liter klares (!), kaltes Gletscherwasser hinterher getrunken! Gerade als Markus sich verabschieden und mit frischen Kräften weitergehen möchte, löst sich irgendwo ein paar hundert Meter höher eine kleine Steinlawine und poltert aus dem Nirgendwo hinunter auf den Wasserkanal und den benachbarten Pfad. Der eine der beiden Wasserwerker seufzt nur und meint: "Unsere Arbeit für Morgen - hier wird es nie langweilig...". Der andere sagt: "willst Du nicht lieber bei uns bleiben bis es morgen früh wieder hell wird? Im Hellen siehst Du die Steine wenigstens und kannst ausweichen. Und Platz und genug warme Decken haben wir...". Das Angebot ist zu verlockend. Und im Hinblick auf die Sicherheit auch vernünftig. Also richtet sich Markus mit den beiden hocherfreuten Wasserwerkern (wahrscheinlich ist der Alltag hier oben doch reichlich trist und mit wenig Abwechslung...) zu dritt in dem großen Zelt zwischen Zementsäcken und einem chinesischen Presslufthammer häuslich ein und nachdem man im Schein der Petroleumlampe noch eine Stunde lang alles Wissenswerte über Deutschland und das Hunzaland ausgetauscht hat, schlafen alle ein...

29.06.2006 Ankunft in Aliabad
Auf dem Postamt in Aliabad werden unsere Grußpostkarten abgestempelt

Markus wacht von zwei Geräuschen auf: einem leisen Rascheln neben seinem Ohr und einem lauten Prasseln auf dem Zeltdach. Es ist 2 Uhr morgens und ein heftiger Gewitterguss hat eingesetzt. Eine der vor dem Zelt schlafenden Ziegen hat einen Weg gefunden, den Reißverschluss zu öffnen (!), um sich vor dem Regen ins trockene zu retten und macht es sich direkt neben Markus' Ohr gemütlich - na ja, soll sie ruhig, Cleverness muss belohnt werden. Hauptsache, sie ist stubenrein...
Als der Regen drei Stunden später aufhört, schlummern die zwei Wasserwerker und die Ziege noch fest..
Als Markus 6 Uhr wieder aufwacht, trollt sich auch die Ziege nach draußen. Zurück bleiben ein paar kleine schwarze Kullern - also doch nix mit stubenrein... :-(
Na ja, wenigstens hat sie ruhig gehalten die Nacht. Die beiden Wasserwerker laden Markus zum Frühstück ein, doch dem dauert das zu lange. Also nur noch schnell ein Schluck gefiltertes Wasser aus dem Gletscherfluss und 6.30 Uhr ist Markus schon wieder unterwegs. Der Weg entlang des jahrhundertealten Wasserkanals ist spektakulär - ohne große Höhenunterschiede geht es aussichtsreich und oft schwindelerregend nah am Abgrund hoch über dem Tal entlang. Nach einer Stunde wird in der Tiefe schon das Asphaltband des Karakorum Highway erkennbar. Jeder Fehltritt auf dem schmalen Pfad würde zwangsläufig unten auf der Strasse enden - und ob es die Autos dann noch schaffen, zu bremsen, wäre nach 300m nahezu freiem Fall vermutlich egal... also schön konzentrieren und sich nicht von den auftauchenden Bergspitzen ablenken lassen! Wie die Hunza-Baumeister diesen Wasserkanal geschaffen haben, ist sensationell. Mitten in fast senkrechter Felswand verläuft er über viele Kilometer fast ohne Höhenverlust bis in die Hunza-Hauptstadt nach Karimabad. Manchmal geht es durch soliden, mauerglatten Fels, manchmal aber auch durch ein brüchiges Konglomerat aus mit lockerer Erde zusammengebackenen Steinen und Felsbrocken - das sind die besonders heiklen Abschnitte. Unglaublich, wie man das zum Halten kriegt! Einmal ist ein 20m langer Tunnel zu durchqueren. Er liegt ausgerechnet gerade in so einer Zone aus locker zusammengebackenen Steinen - unwillkürlich wird der Schritt schneller und der Puls steigt...
7.45 Uhr biegt Markus um eine Ecke und steht nach dem Weg durch die schattige Schlucht urplötzlich in gleißendem Sonnenlicht hoch über dem tief unten ausgebreiteten Hunzaland - ein Anblick, der nach all den Wochen in Eis, Schnee und Fels wahrhaft berührt, richtiggehend ergriffen macht. So ungefähr müssen sich die großen Entdecker gefühlt haben, als das "gelobte Land" vor ihnen lag: ein fruchtbarer, üppig grüner Talkessel, umrahmt von steilen und steilsten schneebedeckten Bergspitzen - ein echtes Paradies! Mit offenem Mund steht Markus ein paar Minuten schier sprachlos vor diesem Panorama, ehe er den Rucksack absetzt und schnell Sonnencreme aufkleistert, bevor es zu spät ist. Als nächstes muss eine halbe Rolle Film dran glauben und dann ist auch schon 8 Uhr - Funkzeit, ohne dass jedoch jemand erreichbar ist. Als Markus eine halbe Stunde später an die Tür von Bruce' Zimmer im Guesthouse in Aliabad klopft, ist dieser gerade aufgestanden und hat schnell gefrühstückt. Den Plan, heute das Shispar-Tal noch auf Besteigungsmöglichkeiten zu untersuchen, hat Bruce nach der doch erst spätabendlichen Ankunft gestern in Aliabad und aufgrund des wechselhaften Wetters fallengelassen. Stattdessen wird er den großen Stapel Grußpostkarten zur Post bringen, die wir bisher im Basislager signiert und frankiert haben, und persönlich überwachen, dass auch jede Karte abgestempelt wird! (Hinweis: wer noch eine der limitierten Grußpostkarten bekommen möchte, hat noch bis zum 10. Juli Zeit, seine Spende von (mind.) 6 EUR auf unser Spendenkonto zu überweisen, um die Grußpostkarte direkt aus Pakistan zugeschickt zu bekommen!).
Vor allem ist nun aber auch Warten auf die Träger angesagt, die hoffentlich bald in Aliabad ankommen, damit wir vielleicht noch heute unserem nächsten geplanten Basislager ein Stück näher kommen...
Markus macht sich nach einem schnellen Frühstück zunächst auf den Weg ins nächste Internetcafe, um unser Tagebuch zu vervollständigen und Bruce übernimmt mit den Grußpostkarten den Gang auf's Postamt von Aliabad...
Gegen Mittag gibt es wieder ein heftiges Gewitter, aber von den Trägern und Jehangir ist leider noch immer nichts zu sehen...

30.06. Fahrt ins Chapursan-Tal
Blick ins Chapursan-Tal

Nach dem am gestrigen Nachmittag so nach und nach alle Träger in Aliabad eingetrudelt sind, haben Markus und Bruce beschlossen, dass sie am heutigen Tag möglichst zeitig starten wollen, um am selben Tag bis ins Chapursan-Tal zu kommen. Der Wecker klingelt wie so oft wieder sehr zeitig und nach einem kurzen Frühstück starten Markus und Bruce mit ihrem Koch Jehangir 6.00 Uhr in Aliabad. Nach einer 3-stündigen Fahrt auf dem Karakorum Highway in den Norden, bei der sie das herrlich grüne Hunzaland hinter sich lassen, erreichen sie Sost. Den Ort, in dem üblicherweise die Grenzformalitäten erledigt werden, wenn man über den Khunjerab Pass nach China reisen will. Dies ist jedoch diesmal nicht geplant.
Die weitere Fahrt führt nach Westen in das Chapursan-Tal. Mit dem Jeep geht es auf einer Piste hinein ins Tal, vorbei an Wiesen auf denen die Hirten ihre Schafe und Ziegen weiden lassen. Nach 3,5 Stunden ist das heutige Tagesziel erreicht; die kleine Ansiedlung Yashkuk. Die Zelte werden an einem Bach etwa 3 km vom Rand des gleichnamigen Yashkuk-Yaz Gletschers aufgeschlagen.

01.07. Marsch ins Basislager nach Pamri

Die Nachricht, dass eine Expedition angekommen ist, hat sich natürlich schnell verbreitet. So ist es auch kein Problem, 9 kräftige Träger zu finden, die dabei behilflich sind, die Lasten bis in das geplante Basislager nach Pamri zu tragen.
Das größere Problem ist, dass Markus und Bruce die Träger davon überzeugen müssen, dass man diese Etappe an einem Tag schaffen kann. Die Hirten, die diese Etappe mit ihren Tieren vermutlich sogar an einem Tag laufen, versichern aber, dass es in keinem Fall zu schaffen sei. Natürlich hoffen sie, dass sie einfach mehrere Tage Arbeit haben. Da die beiden aber schnell in ihr neues Basislager wollen, lassen sich Markus und Bruce nach langen Diskussionen darauf ein, einfach einen Tag mehr zu bezahlen, damit die Träger etwas schneller laufen. Also bezahlen sie jetzt 2 Tage für den Hinmarsch und einen Tag an dem die Träger zurück laufen. Nur einer der Träger wird diesmal mit dem Koch Jehangir im Basislager bleiben. Der war in der Zeit, als Markus und Bruce am Batura unterwegs waren, schon ganz schön einsam.
Wie schon angenommen, ist der Weg am Rand des Gletschers nicht so lang. Nach 6 Stunden wird das Lager in Pamri erreicht. Es ist ein recht schöner Platz auf 4040m Höhe mit grüner Wiese und einem weit verzweigten Bächlein. Ein kleines Tal, umschlossen von der Moräne des Gletschers, in dem die Zelte des Basislagers errichtet werden.
Während Markus und Jehangir nach dem Aufbau der Zelte das Lager komplett einrichten, macht Bruce einen kleinen Ausflug. Er will versuchen in der Abenddämmerung einen besseren Blick auf die umliegenden Berge zu bekommen. Nach der Rückkehr ins Lager kann er beim Abendbrot berichten, dass der Nadin Sar, den sich die beiden schon in dem mitgebrachten Buch "Chronik zur Erschließung des Karakorums" (Wolfgang Heichel) als lohnendes Ziel herausgepickt hatten, durchaus einen Versuch wert ist.
Die Träger können ihr Nachtlager in einer kleinen Steinhütte aufschlagen, in der sie Ende Juli / Anfang August wohnen, wenn sie mit ihren Tieren für ein paar Tage hier oben sind.

02.07.-03.07. Ruhetage bei Schlechtwetter
Oberhalb unseres Basislagers in Pamri

Nachdem Bruce und Markus zügig das Basislager am Rand das Yashkuk-Yaz Gletschers aufbauen konnten, zwingt sie das Wetter zu einer Pause. Zwischen 4-5 Uhr früh werden sie nicht von der Morgendämmerung geweckt, sondern von dem unangenehmen Geräusch der auf das Zeltdach prasselnden Regentropfen. Die Hoffnung, dass es nur ein Schauer ist, ist schnell vorbei, denn erst nach Stunden lässt der Dauerregen nach. Erst am Nachmittag ist die Sonne wieder am Himmel zu sehen. Nach diesem, vom Wetter aufgezwungenen, Ruhetag gehen die beiden bei Sternhimmel und mit guter Hoffnung ins Bett oder besser gesagt in den Schlafsack.
Die Hoffnung wird leider enttäuscht, denn am nächsten Tag spielt das Wetter das gleiche Spiel - Dauerregen am Vormittag. Als sich am Nachmittag wieder die Sonne zwischen den Wolken hervorschaut, beschließt Bruce einen kleinen Ausflug zur Erkundung der Umgebung zu unternehmen. Er geht bis an die Verzweigung des Gletschers, wo dieser sich in einen östlichen und westlichen Arm aufteilt. Von diesem Punkt hat Bruce auch einen guten Blick auf die möglichen Ziele der kommenden Tage. Auch der Blick zum Nadin Sar zeigt einmal mehr, dass sich ein Aufstiegsversuch lohnen sollte. Der Gipfelhang sieht zwar recht steil aus, aber es könnte machbar sein.
In der Zwischenzeit hat Markus im Basislager eine wichtige und natürlich auch schöne Aufgabe erledigt. Er hat in Deutschland angerufen und sich den aktuellen Wetterbericht durchgeben lassen. Der Wunsch auf einen guten Wetterbericht, der endlich eine Besserung verkündet, wurde erfüllt. Soll man der Vorhersage Glauben schenken, wird es am nächsten Tag recht wolkig sein, aber am Mittwoch soll dann wieder die Sonne den Tag bestimmen.
Also wird nach der Rückkehr von Bruce eine Taktik ausgearbeitet. Die beiden packen die Rucksäcke mit der gesamten Ausrüstung welches sie für den Aufstieg am Nadin Sar brauchen werden und Essen für zwei Tage. Allerdings wollen sie den Start nicht übereilen und gehen deshalb ohne einen Wecker zu stellen am Abend in ihre Zelte.

04.07. Aufstieg ins Zwischenlager

Nach einem gemütlichen Frühstück geht es erst 10.00 Uhr im Basislager los. Der Weg führt in westliche Richtung über den Gletscher, wo sich teilweise nur schwierig ein guter Weg finden lässt. Nach einem langen Marsch erreichen sie am späten Nachmittag gegen 17.30 Uhr einen guten Platz in 5500m Höhe der sich für ein Camp eignen würde und auch eine gute Ausgangsposition für einen Gipfelangriff bietet.
Bis das Camp eingerichtet und das Abendbrot gekocht sind vergeht einige Zeit. Am Himmel zeigen sich nach einem wolkigen Tag die ersten Sterne, welche die Erwartungen in den morgigen Tag etwas positiver stimmen. Es geht schnell in die Schlafsäcke. An diesem Abend wird in jedem Fall der Wecker gestellt, denn Morgen soll der Gipfelversuch starten.

05.07. Gipfelerfolg am Nadin Sar 6211 m
Nadin Sar 6211m

Der Wecker klingelt und der Blick aus dem Zelt zeigt einen grandiosen Sternenhimmel. Es wird schnell Tee gekocht und gefrühstückt. 4.30 Uhr starten die beiden an ihrem Zelt. 8.00 Uhr trennen sie nur noch 200 Hm vom Gipfel. Doch der Rest dieses Weges soll sich als wirklich harter Brocken herausstellen. Tiefer lockerer Schnee in der steilen Gipfelflanke macht das Vorankommen wirklich schwierig. Es ist zum Verrücktwerden, es sind kaum Fortschritte festzustellen. Die gesamte Gipfelflanke muss mit Seilen versichert werden, da dieser tiefe lockere Schnee einfach sehr gefährlich ist. Die Quälerei und das Wühlen durch den Schnee werden nach 5 weiteren Stunden anstrengender Arbeit belohnt. 13.00 Uhr stehen Markus und Bruce als erste auf dem Gipfel des 6211 m hohen Nadin Sar. Damit ist ihnen nach dem gescheiterten Versuch am Batura II doch ein großartiger Erfolg und eine Erstbesteigung gelungen! Nach einer halben Stunde auf dem Gipfel in der nur ab und zu eine kleine Wolken vor der Sonne vorbei zog, geht es für die beiden wieder hinunter. Es ist ein anstrengender Abstieg und dabei wird Markus und Bruce wieder einmal das Sprichwort bewusst: "Wenn Du auf dem Gipfel stehst, hast du gerade mal die Hälfte des Weges geschafft". 17.30 Uhr erreich sie ziemlich müde und geschafft, aber glücklich das Zelt. An einen Abstieg ins Basislager wird an diesem Abend nicht mehr gedacht. Es wird nur noch gekocht, getrunken und gegessen, bevor die beiden müde in ihre Schlafsäcke kriechen und diese Erfolgsmeldung per Satellitentelefon nach Hause durchgeben.

06.07. Erstbesteigung des "Jehangir Sar" (5800m) und Rückkehr ins Basislager
Aufstieg am Jehangir Sar

Nachdem Markus und Bruce die Nacht in ihrem Zwischencamp auf 5500m verbracht haben, klingelt der der Wecker an diesem Morgen auch wieder relativ zeitig. Obwohl die beiden nach dem gestrigen Gipfelerfolg noch recht müde und geschafft sind, haben sie beschlossen vor der Rückkehr ins Basislager einen kleinen Abstecher zu einem weiteren Gipfel zu unternehmen. Der Gipfel ist zwar in der Karte des mitgebrachten Buches nicht verzeichnet und hat also auch keinen Namen, aber vom Lager sieht er ziemlich markant aus und lässt eine wunderbare Aussicht vermuten. Er steht etwas östlich auf einem Seitenkamm des Nadin Sar.
Gegen 7.00 Uhr starten die beiden von ihrem Zelt aus mit leichtem Gepäck und erreichen im Vergleich zu gestern fast mühelos gegen 9.00 Uhr den Gipfel. Der Höhenmesser zeigt eine Höhe von 5800m. Die Aussicht von diesem Punkt ist tatsächlich sehr schön und der Blick zum Nadin Sar beeindruckend. Es ist kaum vorstellbar, wie sie sich tags zuvor durch den steilen Gipfelhang dieses imposanten Berges gekämpft haben. Die beiden genießen bei einer Rast die herrliche Aussicht und ihren Erfolg an einem weiteren unbestiegenen Berg. Zu Ehren des treuen Kochs Jehangir wird der bisher unbenannte Gipfel "Jehangir Sar" getauft und vom Gipfel hat man auch einen direkten Blick steil fast 2000 Höhenmeter hinunter bis ins Basislager zum echten Jehangir...
Nach flottem Abstieg wird das Zwischenlager geräumt und es geht hinunter ins Tal. Etwa eine halbe Stunde vor Erreichen des Basislagers werden sie von Jehangir und Wally empfangen. Die haben leckeren Juice mitgebracht mit dem quasi auf den Gipfelerfolg angestoßen werden kann, denn ein Bier oder gar ein Gipfelschnaps sind in Pakistan nun mal nicht zu bekommen. Nach einer herzlichen Begrüßung und Glückwünschen wird schnell der mitgebrachte Saft getrunken und es geht zurück ins Lager. Um 15.30 Uhr wird das Basislager erreicht. Jehangir beginnt schnell mit seinen Kochkünsten, um noch ein leckeres Abendbrot auf den Tisch zu zaubern.

07.07. Aufstieg auf den Östlichen Yashkuk-Yaz Gletscher
Unterwegs auf dem Yashkuk-Gletscher

Eigentlich hätten sich die beiden heute einen Ruhetag verdient, aber da die Expeditionszeit nun langsam dem Ende zugeht, wollen sie natürlich noch etwas schaffen. Also wird nur ausgeschlafen, in aller Ruhe gefrühstückt und dann für die nächste Tour gepackt. Doch bevor es losgehen kann, wird das Wetter der kommenden Tage per Satellitentelefon abgefragt. Das Hochdruckgebiet soll weiterhin recht stabil bleiben und erst ab Montag oder Dienstag ist mit einer stärkeren Wolkenzunahme zu rechnen, Niederschläge treten vielleicht ab Dienstag auf, aber eine so lange Wetterprognose ist eher als unsicher einzustufen. Also wird erst mal das schöne Wetter der nächsten Tage genutzt und es geht 10.30 Uhr los, um eine höher gelegenes Lager aufzuschlagen und vielleicht noch eine weitere Erstbesteigung zu versuchen. Ziel ist diesmal der Östliche Yashkuk-Yaz Gletscher. Die beiden haben den Caboom Sar ins Auge gefasst, dieser ist bereits vom Basislager aus zu sehen, aber wie Bruce schon mal nach der Ankunft in Pamri erkundet hat von dieser Seite nicht so gut zu besteigen. Also wollen sie nun versuchen, ob sich von der Südseite eine bessere Route zeigt.
Der Weg führt viele Kilometer erst über den Yashkuk-Yaz Gletscher bis zu dessen Verzweigung und dann weiter auf dem östlichen Gletscherarm bis ans Ende des Talkessels. Das Lager wird 17.30 Uhr unterhalb von Pamri Sar und Kampire Dior auf 4600m aufgeschlagen. Damit trennen die beiden nun noch 1600 Höhenmeter vom anvisierten Gipfel und dieser sieht auch von hier verdammt schwierig aus.
Am Abend geht es nach dem Abendbrot schnell in die Schlafsäcke, denn in Anbetracht des zu bewältigenden Höhenunterschiedes und der Schwierigkeit, die im Gipfelbereich wartet, wird die Nacht sehr kurz, der Wecker ist auf kurz nach Mitternacht gestellt.

08.07. Erstbesteigung des Caboom Sar 6186 m
Caboom Sar 6186m

Der Wecker klingelt 1.00 Uhr und bei herrlichem Sternenhimmel gibt es auch keinen Grund, warum die beiden im Schlafsack bleiben sollten. Es wird gekocht und getrunken, naja das "Frühstück", wenn man es so nennen mag, fällt eher knapp aus. 2.30 Uhr sind die beiden startbereit. Die Rucksäcke sind recht schwer, denn es ist nicht klar, wieviel Material sie im Gipfelbereich brauchen werden und nichts wäre ärgerlicher, als bei herrlichem Wetter und machbaren Schneeverhältnissen, wegen fehlendem Material umzukehren, vor allem, wenn man es im Lager liegen hat. Markus und Bruce marschieren also auf dem Gletscher in nördliche Richtung zum Caboom Sar. Der Fuß der etwa 600m hohen Steilstufe ist gegen 6.00 Uhr erreicht. Dieser folgende Teil des Aufstiegs geht gut zu klettern und die beiden kommen zügig voran. 8.30 Uhr stehen sie am Ende des steilen vergletscherten Bereiches der SO-Flanke. Dort wird erst mal eine halbe Stunde Pause eingelegt. Der weitere Weg führt über den stark überwächteten Ostgrat, der bereits in der Sonne liegt. Der Schnee ist aus diesem Grund schon ziemlich weich und das vorankommen wird immer schwieriger. So brauchen die beiden für die verbleibenden 250 Höhenmeter 2,5 Stunden und stehen erst zum Mittag gegen 11.30 Uhr auf dem Gipfel. Das Wetter ist einfach fantastisch, keine Wolke ist zu sehen und besonders beeindruckend ist die Fernsicht in den Norden. Selbst der 150 km entfernte Muztagh Ata ist deutlich zu erkennen. Es werden unzählige Bilder gemacht und dieser Fernblick genossen.
Mit dem Absteigen beginnen die beiden 12.15 Uhr. Der erste Teil dauert natürlich auch im Abstieg seine Zeit, aber im unteren Teil kommen sie etwas schneller voran, so dass sie 18.30 Uhr wieder im Lager sind.
Zur abendlichen Funkzeit sind Markus und Bruce ganz überrascht, als Jehangir ihnen zum Gipfel gratuliert. Er saß also die ganze Zeit im Basislager am Fernrohr und konnte von dort den Auf- und Abstieg im Gipfelbereich sehr gut beobachten.
Der Abend wird noch genutzt, um die üblichen Verrichtungen im Hochlager zelebriert: Kochen, Trinken, Essen, Ausruhen und das wichtigste; nochmals Trinken.
Kurz bevor die beiden in den Schlafsack kriechen wird die Botschaft vom Gipfelerfolg noch nach Hause durchgegeben und dann ist erst mal Ausschlafen angesagt.

09.07. Rückkehr zum Basislager

An diesem Tag schlafen sich die beiden richtig aus, an diesem Morgen wird also erst 7.00 Uhr mit dem Frühstück begonnen. Allerdings wird das wirklich in aller Ruhe gemacht. Das Camp wird wieder abgebaut und das Zelt getrocknet. Erst 11.00 Uhr starten die beiden hinunter ins Tal.
Da die beiden auch in den verbleibenden 3 Tagen noch einmal für ein neues Ziel nutzen wollen, wurde lange diskutiert, wo sich denn ein lohnendes Ziel finden lässt. Es wurde also beschlossen, dass sie nach einer Nacht im Basislager wieder aufsteigen wollen und im Bereich des westlichen Yashkuk-Yaz Gletschers erkunden wollen, ob dort noch eine Gipfelbesteigung möglich ist. Aus diesem Grund wird am Zusammenfluss der beiden Gletscherarme ein Depot angelegt. Das heißt, eigentlich bleibt die komplette Ausrüstung dort und die beiden gehen mit leeren Rucksäcken hinunter ins Lager.
Als Markus und Bruce 15.30 Uhr im Basislager ankommen, warten Jehangir und Wally schon und halten ein leckeres verspätetes Mittagessen bereit.

10.07. Aufstieg auf den Westlichen Yashkuk-Yaz Gletscher
Gletschertisch auf dem Yashkuk-Gletscher

An diesem Tag lassen sich Markus und Bruce von der Sonne wecken. Jehangier, der bei dieser Tour, dank der vielen Tage am Berg, ja kaum Gelegenheit hatte sich richtig ausgiebig, um das leiblich Wohl der beiden zu kümmern, macht ein üppiges Frühstück. 8.50 Uhr geht es mit fast leeren Rücksäcken und vollen Mägen hinauf auf den Gletscher.
Der Weg ist ja bereits bekannt und so wird das Depot an der Verzweigung des Gletschers schnell erreicht. 11.00 Uhr sind die beiden dort und laden die ganzen deponierten Ausrüstungsgegenstände in ihre Rucksäcke. Nun ist also Schluss damit, gemütlich mit leichtem Gepäck dahin zu laufen - 26kg Rucksackgewicht sind angesagt und das macht es wieder recht anstrengend. Außerdem muss nun ab diesem Punkt auch ein unbekannter Weg eingeschlagen werden. Sie marschieren weiter in westliche Richtung. 14.00 Uhr erreichen sie einen Platz am nördlichen Gletscherrand der sich wohl gut für ein Lager eignen würde. Doch bis aus dieser Stelle in 4500m Höhe eine gute Zeltplattform wird, ist der Schotter noch ordentlich zu begradigen. Diese Aufgabe übernimmt Markus und Bruce steigt noch ein Stück höher, um die Möglichkeiten für den morgigen Tag besser einzusehen.
Beim Abendbrot überlegen die beiden, was sie eigentlich am nächsten Tag tun werden, denn der Gletscher sieht sehr zerrissen aus und in den oberen Bereichen wartet wieder schwierige Kletterei. Nachdem sie in den letzten Tag doch recht erfolgreich waren, sind sie an diesem Abend nicht so zuversichtlich, dass es noch mit einem weiteren Gipfel klappen könnte.
Trotzdem wird der Wecker wieder zeitig gestellt, denn versuchen wollen sie auf jeden Fall.

11.07. Gleich zwei Erstbesteigungen auf einen Streich!
Mamu Sar 6096m

Wieder klingelt der Wecker bereits um 1.00 Uhr. Die Beiden sind nun schon langsam daran gewöhnt und die Teamarbeit funktioniert recht gut. So schaffen sie es mit Frühstück und Rucksack packen nach 1,5 Stunden fertig zu sein. Anschließend geht es in nördliche Richtung hinauf über den Gletscher. Der Weg ist recht beschwerlich und in der Morgendämmerung, als sich auch der obere Bereich langsam besser erkennen lässt, haben Markus und Bruce noch keine richtige Idee, wie sie den angepeilten Gipfel erreichen können. Da sie auf keinen Fall Lust haben ohne Gipfelerfolg zurück zukehren, wird kurzerhand die Richtung geändert und es geht etwas weiter westlich hinauf zu einem kleinen Gipfel ohne Namen, der als kecker Turm in der Scharte zwischen Sax Sar und dem benachbarten 6000er steht. Die beiden stehen 8.00 Uhr auf dem höchsten Punkt, 5780m hoch, und blicken hinüber zu ihrem eigentlichen Ziel. Sollte sich der Aufstieg hier hoch nun doch doppelt gelohnt haben? Der Erfolg an diesem, wie Markus so schön sagte "Verlegenheitsgipfel"; brachte den beiden zumindest eine gute Aussicht und von hier oben ist nun doch noch eine Variante erkennbar, wie man das gesteckte Ziel erreichen kann.
Es geht wieder ein Stück hinunter, bevor der Aufstieg fortgesetzt wird. Die gewählte Route ist wirklich anspruchsvoll und es muss viel geklettert werden. Einiges davon geht frei einiges muss mit Seilen versichert werden. Um genau zu sein sind es 7 Seillängen, die abgesichert werden. Zwei dieser Seillängen sind besonders anstrengend und zeitraubend, denn für diese brauchen die beiden jeweils 1 Stunde. Doch die Anstrengungen in 6000m Höhe werden belohnt. Um 14.30 Uhr erreicht das Team den 6096 m hohen Gipfel, der ebenfalls noch keinen Namen trägt. Markus und Bruce taufen ihn zum Andenken an den 2004 am Nanga Parbat tödlich verunglückten Günter Jung auf "Mamu Sar", denn Günter wurde von den Einheimischen stets liebevoll mit "Mamu" angeredet, was soviel wie "älterer Onkel" bedeutet und in Pakistan eine sehr respektvolle Bezeichnung ist.
Auf dem Gipfel ist zwar eine herrliche Aussicht, aber die angekündigte Wetteränderung macht sich durch stark aufkommenden Wind bemerkbar und damit ist an eine längere Rast nicht zu denken. Es geht wieder hinunter. An den schwierigen Stellen wird gesichert und andere Stellen frei geklettert. Es wird immer versucht die schnellste, aber auch möglichst sichere Variante zu wählen. Der Abstieg dauert den ganzen Nachmittag bis in den Abend hinein. Mit dem letzten Tageslicht erreichen die beiden das Lager.

12.07. Rückkehr ins Basislager

Nachdem es gestern mit Kochen, Trinken und Essen doch noch ziemlich lange gedauert hat, bevor die beiden nach diesem langen Tag in ihre Schlafsäcke kriechen konnten, lässt man sich am folgenden Morgen etwas mehr Zeit. Zwischen 7 und 8 wird ganz gemütlich gefrühstückt, dann aufgeräumt und gepackt. Gegen 10.15 Uhr sind die beiden fertig und machen sich auf den Weg zurück ins Basislager.
Es ist zwar wirklich weit, aber die beiden kommen gut voran. Doch leider nicht schnell genug, denn die Wolken, die an diesem Tag aufgezogen sind, warten nicht bis das Lager erreicht ist. Die ersten kleineren Regenschauer erwischen die beiden bereits unterwegs, doch der richtig starke Regenguss setzt zum Glück erst um 14.30 Uhr ein, eine halbe Stunde nachdem die beiden noch einigermaßen trocken das Basislager erreicht haben. Später gibt es noch mal eine kurze halbstündige Regenpause, die Markus und Bruce zum Waschen im Bach nutzen konnten und seitdem regnet es. Und das relativ heftig und ununterbrochen...
Dan ganzen Abend und die ganze Nacht durch prasselte der Regen auf's Zeltdach. Zum Glück war Jehangir clever und hatte schon am frühen Morgen, als er die dicken Wolken von Süden über die Baturamauer bzw. deren westlichste 7000er-Trabanten Kampire Dior und Pamri Sar quellen sah, die kleinen Basislagerzelte noch trocken abgebaut und zusammengepackt, so dass nur noch unser großes Mannschafts-, Ess- und Kochzelt steht. In diesem wird der Regen ausgesessen und dann auch zu viert (Jehangir, Wally, Bruce und Markus) übernachtet.

13.07. Abmarsch aus dem Basislager

Mitten in der Nacht wacht Markus auf, weil er einen Wassertropfen mitten ins Gesicht bekommt und stellt fest, dass das Zeltdach eine riesige Wasserbeule bekommen hat. Obwohl straff gespannt, haben die Regenmengen doch dazu geführt, dass sich eine gigantische Wassermenge gesammelt hat und nun das Zeltdach zum Zerreißen gespannt ist. Die mindestens 100 Liter Wasser auszustemmen und über die Zeltwand abzukippen, birgt zwar das Risiko, dass die ganze Zeltbahn reißt, aber es bleibt keine Wahl und von dem riesigen Schwapp werden die anderen auch wach. Weitere 4 Stunden trommelt dann der Regen auf's Zeltdach, ehe es 4 Uhr aufstehen heisst. 4.30 Uhr gibt es ein letztes Porridge-Frühstück aus Jehangir's Basecamp-Küche und dann wird zusammengepackt und im strömenden Regen als letztes das Zelt abgebaut und klatschnass wie es ist in einer leeren Plastiktonne verstaut. Punkt 6.00 Uhr marschieren die Träger los und 6.10 nach dem Ende der obligatorischen Müllverbrennung auch Jehangir, Bruce und Markus. Von Pamri bis zur Jeeppiste in Yashkuk sind es einige Kilometer, doch der unaufhörliche Regen unterbindet alle Pausen und lässt nur den Wunsch zu, diesen Marsch im Dauerregen so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Nach reichlich 3 Stunden, 9.25 Uhr, erreichen Jehangir und Markus als erste die Jeeppiste, 30min später kommt Bruce und gegen 11 Uhr die ersten Träger. Im Häuschen des Viehzaun-Wächters an der Gemeindegrenze von Yashkuk warten wir, bis alle 6 Träger da sind und dann eigentlich auf unseren für 12 Uhr hierher bestellten Jeep. Wegen des Regens und der schmalen Jeeppiste haben wir schon böse Vorahnungen, die 12 Uhr schließlich zur Gewissheit werden - es kommt kein Jeep - die Piste ist wahrscheinlich blockiert oder unterbrochen. Was nun? Bis Sost an die befestigte Strasse sind es viele, viele Kilometer und in 4 Tagen geht Markus' Flieger ab Islamabad nach Hause. Da sind zwar eigentlich zwei Reservetage eingebaut, aber hier mitten im Nirgendwo nahe der afghanischen Grenze können die bei solchen Naturereignissen auch mal ganz schnell aufgebraucht sein und von Yashkuk nach Sost ist in 2 Tagen bei solchem Wetter vermutlich noch kaum einer gelaufen... Also heißt es keine Zeit verlieren und sofort die Initiative ergreifen - Jehangir und Markus marschieren sofort die verbleibenden 2 Kilometer bis ins eigentliche Dorf, um eine Fahrgelegenheit aufzutreiben. Und sie haben Glück: es gibt in Yashkuk 2 Traktoren und einen Jeep. Allerdings: der Fahrer des Jeeps ist leider gerade auf einer Hochalm und wird erst nächste Woche zurückerwartet - leider samt Zündschlüssel. Und der eine Traktor ist gerade erst aus dem einige Kilometer talwärts gelegenen Kermin heraufgekommen und der Fahrer weigert sich, bei diesem Sauwetter die gefährliche Strecke noch einmal zu fahren und würde für kein Geld der Welt diesen soeben überstandenen Höllenritt wiederholen (was man ehrlich gesagt sehr gut nachvollziehen kann!). Tja und der andere Traktor hat keinen Diesel im Tank. Guter Rat ist also teuer. Doch schnell finden die Besitzer des Traktors einen Schlauch und zapfen 5 Liter Diesel aus dem Tank des Jeeps, der zum Glück in der gleichen Garage geparkt ist und der gleichen Familie gehört. Weit reichen 5 Liter sicher nicht, aber immerhin...
Schnell ist noch ein einachsiger oller Hänger gefunden und unter enormen Kraftanstrengungen aller Beteiligten angehängt und dann kann es losgehen: unsere 5 Plastikfässer und 2 Alukisten werden aufgeladen.
Jehangir und ich finden hinter dem Fahrer auf dem Traktor Platz und das Gepäck, Bruce sowie die Träger, welche froh sind, ein Stück Mitfahrgelegenheit in ihre Dörfer zu bekommen, entern den Hänger. Dann geht es los und schon nach 100m ist klar, dass dies ein Höllenritt wird! Der Wind peitscht den noch immer starken Regen auf uns herunter und von unten spritzt der Schlamm meterhoch - und das bei maximal sicher nicht mehr als 25km/h. Dazu schaukelt und wackelt das Gefährt bei jeder Bodenwelle und der Diesel röhrt seinen pechschwarzen, stinkenden Qualm in dicken Schwaden aus der Esse. Aber wie heißt es so schön: immer noch besser schlecht gefahren als gut gelaufen! Und wir sind auf jede Fall schneller als zu Fuß und allein das zählt!
Als Fahrpreis bis Kermin, wo der andere Traktor herkam, vereinbaren wir 800 Rupien - für pakistanische Verhältnisse viel Geld. Markus und Jehangir sitzen zwar, kriegen dafür aber das meiste von der hochgeschleuderten Dreckbrühe ab und die "Sitze" sind stahlhart und bei jedem Schaukeln stößt man sich an den scharfen Metallkanten. Nach kurzer Strecke sind die Schienbeine von blauen Flecken übersät, die Hände vom Festklammern an den scharfkantigen Metallträgern und der Nässe und Kälte gefühllos und eisig (was die Füße schon seit Stunden sind...) und man denkt nur noch: nur nicht loslassen!
Alle unterwegs angetroffenen Leute werde aufgesammelt und sind froh über die "Mitfahrgelegenheit" - und wir sind froh über jeden Helfer mehr, der auf dem Hänger Platz findet und an kritischen Stellen Steine aus dem Weg räumt...
3 Stunden geht die Höllenfahrt und nach 30min dachte wohl jeder, das nicht mehr länger auszuhalten... Schließlich, in Kil, noch ca. 5km vor Kermin, ist Schluss. Der Fahrer ist auch einfach nur am Ende und weigert sich, weiterzufahren. Seine 800 Rupien hat er sich trotzdem redlich verdient. Wir steigen ab und einer unserer mitgenommenen "Anhalter" nimmt uns bei sich zu Hause auf.
Wie schön es ist, einen trockenen Raum zu haben und einen heißen Tee zu bekommen! Na ja, der trockene Raum ist relativ, denn bei diesem Dauerregen tropft es an vielerlei Stellen durch's Gebälk, aber immerhin... Und auch der heiße Tee dauert lange, denn das feuchte Holz will nicht recht brennen, doch erstmal sind wir in Sicherheit und überlegen nun, wie wir morgen weiterkommen...
Der Wetterbericht klingt nicht ermutigend und der Regen trommelt auch beim Einschlafen 22 Uhr noch unaufhörlich auf's Dach...

14.07. Rückmarsch und Fahrt nach Aliabad

Nach Aufstehen 4.00 Uhr, kargem Frühstück 4.30 Uhr und überraschenderweise wolkenlosem Himmel (!!!) nachdem es noch 22 Uhr heftig geregnet hatte, sind wir zu dritt OHNE unser Gepäck um 5.10 in Kil los und dann echt straff marschiert (das gibt schönen Muskelkater morgen!) und waren nach ca. 1Stunde in Kermin, nach ca. 2 Stunden in Spandrinj und dann ging's das ewig lange Stück bis Raminj über viele "Road Blocks", also Stellen, wo die Piste durch Erdrutsche und unzählige heruntergefallene Steine (zum Glück nur bis zur 200kg-Klasse - die ganz großen Brocken waren nicht dabei) echt völlig unbefahrbar geworden ist. Die Einheimischen hatten uns gesagt, dass man 10 Stunden läuft, wenn man sehr gut unterwegs ist, um Sost zu erreichen, also sind wir wirklich losmarschiert, dass die Socken qualmten! Zum Glück hat das Wetter den ganzen Tag gut durchgehalten - der Regentag gestern war wirklich die übelste Fahrt, die man sich vorstellen kann - am Ende waren wir alle patschnass und total durchgefroren...
Zumindest waren wir also wirklich exzellent unterwegs, als wir nach ca. 1,5 Stunden merkten, dass noch jemand in die gleiche Richtung geht, der es auch eilig hat: es waren ein Pakistani und seine Schwester, ebenfalls aus Kil und wie sich herausstellte, verwandt mit den Leuten, bei denen wir übernachtet hatten. Das Mädel hatte eigentlich nur 3 Tage frei zur Prüfungsvorbereitung von ihrem College in Aliabad bekommen und war dazu nach Hause gefahren. Dann kam der Schlechtwettereinbruch und damit die Unbefahrbarkeit der Jeep- Piste und heute Abend 18 Uhr sollte ihre schriftliche Jahresabschlussprüfung sein (komische Zeit - wahrscheinlich wegen der Temperaturen oder der Abendschüler?). Zumindest rannten die beiden natürlich auch, was das Zeug hielt und haben uns (weil es ohne Gepäck nun mal noch einen Tick schneller geht als mit 20kg-Rucksack) dann auch eingeholt. Den Rest des Weges haben wir dann gemeinsam zurückgelegt, d.h. eigentlich zu viert, denn Bruce war bei einer Zwangspause (man muss eben manchmal auch was wegschaffen...) unaufholbar zurückgefallen und wir sahen ihn dann 3h lang immer 3 Wegbiegungen zurückliegen. Wie auch immer, nach 5,5 Stunden echt straffen Eilmarsches hatten wir ca. 25-30 km geschafft und Yarz Rich erreicht, das letzte Dorf vor der ca. 20km langen total trockenen Durststrecke nach Sost (kein Dorf mehr, kein Baum, kein Strauch, nur Staub, Steine und jetzt vor allem auch Unmassen Schlamm...).
Hier wollten wir die erste und einzige Pause einlegen und uns erkundigen, ob dieser Teil der Piste auch blockiert sei. Und just in diesem Moment kam uns "unser" Jeep entgegen und hat uns abgeholt! Der Fahrer war gestern früh wie besprochen in Aliabad losgefahren und hat 9 Uhr an der ersten Blockadestelle, einer großen Schlammlawine aufgeben müssen. Also hat er in Yarz Rich bei Leuten übernachtet und war nun, nachdem er am Morgen das viele Wasser aus seinem Jeep geschöpft hatte, wieder zur ersten Blockadestelle gefahren, um dort auf uns zu warten. Nachdem wir 6 Uhr noch nicht dort angekommen waren, ist er noch mal für ein schnelles Frühstuck die paar hundert Meter in das Dorf zurückgefahren und dann 9.30 Uhr war er grade wieder auf dem Weg hin, als wir ankamen.
Wir haben sofort gewusst, dass der grüne Jeep unserer ist, noch bevor wir Nummer und Fahrer erkennen konnten... am meisten happy war wohl Jehangir, dem schon der Bruder der Gymnasiastin den Rucksack abgenommen hatte, weil er kaum noch hinterherkam und drohte, zurückzufallen... Und wahrscheinlich auch das Mädel, weil damit die Prüfung gerettet war (wobei, so straff, wie die marschiert ist, hätte sie das wohl auch so geschafft - die Kleine war echt gut drauf, da hat der Jehangir nicht schlecht gestaunt...). 11 Uhr waren wir dann in Sost und 13 Uhr in Aliabad (der Fahrer ist gefahren wie ein Henker - das Stück bis Sost hat er einfach ein paar zum Glück kleine "Road Blocks" ignoriert (...einige Dreher in 30 cm Schlammschicht 100m über dem Abgrund inklusive...!) und auf dem Karakorum Highway ist er gerast wie ein Wilder... Leider ging der letzte Bus heute nach Islamabad auch 13 Uhr.
Den hätte Markus zwar eigentlich sogar noch bekommen, aber er brauchte noch ein paar wichtige Sachen aus dem Depot in Aliabad im Guesthouse, also wurde im Hinblick auf's wieder gute Wetter und die derzeitig wieder hergestellte Befahrbarkeit des Karakorum Highway jetzt so disponiert, dass er morgen früh den 10-Uhr-Bus nimmt. Der ist am 16.Juli um 4-5 Uhr früh in Islamabad - da bleibt zum Flieger immer noch fast ein Tag Reserve - das sollte eigentlich reichen.

15.07. Markus' Rückfahrt nach Islamabad
Abschied in Aliabad

Nach der ersten Nacht seit Tagen in einem richtigen Bett und dem Ausschlafen bis 8 Uhr gibt es ein zünftiges Frühstück und anschließend bringt Markus im Internetcafé in Aliabad noch schnell unsere berichte auf den aktuellen Stand, ehe Bruce und Jehangir ihn zum Bus bringen und sich von ihm verabschieden. Während bruce noch etwas länger Zeit hat, geht es für Markus nun dem Ende der Expedition entgegen, denn schon übermorgen früh geht sein Flieger von Islamabad zurück nach Deutschland.
Ein bißchen spannend ist die Rückfahrt über den Karakorum Highway schon, denn auf den über 650km kann erfahrungsgemäß viel passieren und insbesondere Straßensperren durch Erdrutsche und Felsstürze sind nach dem verheerenden Unwetter durchaus recht wahrscheinlich. Außer insgesamt dreimal 20min Zwangspause an Stellen, wo Bagger und Bulldozer gerade wieder die Straße in einen befahrbaren Zustand versetzen, ereignet sich jedoch nichts dramatisches und so erreicht Markus am nächsten Morgen fast pünktlich, aber nach insgesamt ca. 21 Stunden Busfahrt mit dem öffentlichen Bus ziemlich geplättet, Islamabad.
Indessen haben Bruce und Jehangir bereits unser Gepäck "gerettet". Kurz nach Markus' Abfahrt erreichte sie in Aliabad die Nachricht, dass ein Fahrzeug aus dem Chapursan-Tal angekommen sei - die Strasse schien also bereits wieder repariert zu sein. Also machte sich Jehangir umgehend mit einem Jeep auf den Weg dorthin (Bruce "durfte" nicht mitfahren, damit der Jeep möglichst leicht beladen unwegsame Stellen besser passieren konnte). Vor Ort stellte sich dioe Information zwar als falsch heraus, denn die Strasse war natürlich noch nicht wiedre repariert, aber mit einer Stunde Extra-Arbeit der Strassenbauarbeiter und vereinten Kräften konnten Sie die Piste wieder einigermaßen herrichten und erreichten so schon 10 Uhr abends mitsamt dem Gepäck wieder Aliabad.

16.07. Organisationstag in Islamabad/Aliabad

Markus' erster Weg nach der Ankunft in Islamabad führt gleich ins Büro unserer Partneragentur in Islamabad, wo eine Menge Aufgaben auf ihn warten. Den Rest des Tages verbringt er mehr oder weniger am Computer mit dem Abarbeiten seiner E-mails, dem Schreiben von Packlisten, dem Aktualisiern unserer Internetseiten usw. Ausserdem sind noch einige Einkaeufe zu erledigen (unser Gepaeck lagerte ja bis gestern abend zum großen Teil noch in Kil und um bei +46C nicht den genzen Tag in Trekkingschuhen in Islamabad verbringen zu müssen, kauft sich Markus als allererstes ein paar neue Sandalen...) und noch ein letzter Stapel Grußpostkarten zu unterschreiben und mit Briefmarken zu versehen und so geht der Tag schnell vorbei. Am Abend packt Markus in einem kleinen Guesthouse in Islamabad seinen Rucksack für den heimflug und stellt fest, daß er mit 22kg die 30kg Freigepäck auf dem Flug wohl erstmals in seinem Leben nicht auslastet. Also werden auf dem gleich nebenan gelegenen Markt schnell noch 8kg saftige pakistanische Mangos und ein passender Plastikbehälter dafür gekauft, denn diese Köstlichkeit sucht man bei Deutschlands Obsthändlern vergebens... Bruce verbringt den Tag indessen damit, in Aliabad unser Expeditionsgepäck transportfertig herzurichten und dann mitsamt dem gesamten Gepäck gemeinsam mit Jehangir in ca. 2 Stunden nach Gilgit zu fahren. Dort deponieren sie das Gepäck in einem Hotel und dann verabschiedet sich Bruce von Jehangir, der nun den wohlverdienten Heimaturlaub antritt, während Bruce in den kommenden Tagen noch eine Erkundungstour im Rakaposhi/Haramosh-Gebiet unternehmen möchte.

17.07. Heimflug für Markus

Während für Bruce die letzte kleine Erkundungstour im Karakorum anbricht, geht es für Markus heute nun endgültig nach Hause. Bereits um 4.40 Uhr wird er von Fahrer Irfan im Guesthouse in Islamabad abgeholt und pünktlich 5 Uhr sind sie am Flughafen. Das Einchecken geht trotz langer Schlangen an den Sicherheitskontrollen und Check-In-Schaltern schnell und auch die 8kg Mangos passieren anstandslos die Suicherheitskontrollen. Eigentlich soll 7.35 Uhr der Flieger gehen, aber erst kurz vor 9 Uhr landet er aus Doha kommend mit anderthalb Stunden wetterbedingter Verspätung. Die Pakistanis arbeiten jedoch unglaublich flott und schon 9.15 Uhr steht der Airbus gereinigt und aufgetankt wieder zum Einsteigen bereit. Die Umsteigezeit in Doha reicht trotzdem noch gut aus und der Flieger nach Frankfurt startet auch pünktlich. Der Flug ist angenehm und kurzweilig. Nach der heutzutage schon fast obligatorischen Warteschleife über Frankfurt landet der Flieger leider trotzdem erst mit 20min Verspätung kurz nach 18 Uhr und so verpaßt Markus trotz weltrekordverdächtigem Sprint über 1500m Hürden vom (Gepäckband zum Bahnsteig) um gerade mal eine Minute den letzten Zug nach Dresden. Zum Glück fährt eine Stunde später noch ein Intercity nach Leipzig, und so erreicht er Dresden erst in den frühen Morgenstunden seines ersten Büroarbeitstages, der entsprechend anstrengend wird...

18.-20.07. Erkundungstour im Rakaposhi/Haramosh-Gebiet

Bruce unternimmt bei recht durchwachsenem Wetter mit leider vielen Wolken eine dreitägige Erkundungs-Trekkingtour im Rakaposhi/Haramosh-Gebiet. Vielleicht führt ja in den kommenden Jahren mal eine erneute gemeinsame Expedition dorthin...
Markus muß sich indessen zu Hause bereits wieder mit dem Alltagsstreß herumschlagen und schafft die 54 belichteten Diafilme zum Entwickeln ins Fotolabor. Bald stehen also hoffentlich erste Bilder zur Illustration dieser Seiten zur Verfügung!

21.-23.07. Bruce' Rückfahrt nach Islamabad

Nach seiner Rückkehr nach Gilgit fährt Bruce mitsamt der insgesamt über 250kg Gepäck ebenfalls mit einem öffentlichen Bus zurück nach Islamabad und kümmert sich dort um's Sortieren und Verpacken der gesamten Ausrüstung. In Islamabad trifft er außerdem auf Haike Lieder und Moritz Steinhilber vom Alpinclub-Hilfsteam, welches momentan den Wiederaufbau der vom Erdbeben zerstörten Schule in Sakargah betreut. Während Moritz gerade erst auf dme Hinweg nach Sakargah ist, kommt Haike von Ihrem zweimonatigen Einsatz in dem vom Erdbeben stark zerstörten Bergdorf zurück und wird morgen gemeinsam mit Bruce die Heimreise nach Deutschland antreten.

24.07. Ende der Expedition
Blick auf Batura I & II

Mit dem Rückflug von Bruce (gemeinsam mit Haike Lieder von unserem Erdbeben-Hilfsteam) nach Deutschland endet die Expedition, die uns in reichlich 6 Wochen unvergeßliche Bergabenteuer sowie die Erstbesteigung von nicht weniger als fünf Gipfeln im westlichen Karakorum beschert hat. An dieser Stelle möchten wir allen unseren Familienangehörigen, Bergfreunden, Sponsoren und natürlich auch den Lesern dieser Chronik ein herzliches Dankeschön für die Unterstützung und Anteilnahme sagen!
Wir hatten eine erlebnisreiche Zeit und sind gesund nach Hause zurückgekehrt - genug Anlaß, um zufrieden und glücklich mit dem Erreichten zu sein, auch wenn der Batura II nach wie vor der höchste unbestiegene Berg der Erde ist!
Aber sicher werden wir nicht das letzte Mal im Batura Muztagh unterwegs gewesen sein!

Markus Walter & Bruce Normand