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Himalaya 1999 - Manaslu 8163m

Teil 2: Fortsetzung Expeditionsbericht

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Jörg Ehlich14.04.1999 Ehrli ist die zweite Nacht auf fast 6000m Höhe nicht besonders gut bekommen, und so will er am Vormittag ins ABC absteigen. Volker und Max indessen wollen weiter nach oben und mit schweren Rucksäcken, in denen die komplette Ausrüstung für Lager 2 verstaut ist, brechen sie um 6.30 Uhr auf.
Mit den anderen Expeditionen haben wir bei der Einrichtung der Route und dem Versichern der Trasse durch den komplizierten Eisbruch zwischen Lager 1 und 2 Kooperation vereinbart, und so muß neben der Hochlagerausrüstung auch noch ein Bündel Markierungsfahnen und Sicherungsmaterial mit. Die Spanier haben im unteren Teil des Eisbruchs ganze Arbeit geleistet, und so geht es zügig vorwärts.
Mitten im Eisbruch endet jedoch die Fixseilstrecke, und Max verlegt, gesichert von Volker, weitere 200 Meter. Damit sind die gefährlichen Passagen fast überwunden, und die beiden sehen sich nach einem Lagerplatz um. Ein inzwischen aufkommender Schneesturm begrenzt die Sichtweite jedoch auf 30 Meter, und so sind sie froh, daß die fast zugewehten Spuren von Ed Viesturs und Veikka Gustafsson, die vorgestern hier hochgestiegen sind, sie zu einer günstig erscheinenden Stelle führen.
Ein einfaches Aufbauen des Zeltes ist im Sturm völlig unmöglich, und so graben sie in 3 Stunden ein großes Schneeloch, in dem - einigermaßen geschützt vor dem ungestüm peitschenden Wind - das Zelt endlich verankert werden kann. Die erste Nacht im Lager 2 wird für die beiden bei anhaltendem Schneesturm ziemlich ungemütlich...
Nachdem Ehrli am Vormittag ins ABC abgefahren ist, hat unsere Vierergruppe weitere Lasten ins Lager 1 gebracht und ist dann ebenfalls wieder abgestiegen.

15.04.1999 Am frühen Morgen ist im Lager 2 noch immer keine richtige Wetterbesserung in Sicht. Obwohl Max und Volker ursprünglich noch höher wollten, heißt es nun vor allem, so schnell wie möglich wieder hinunter zu kommen. Im dichten Nebel haben sie große Mühe, die richtige Einflugschneise in die Fixseilpassagen zu finden und tasten sich vorsichtig durch den tiefen Neuschnee hinunter. Über Nacht ist hier oben fast ein halber Meter zusammengekommen, während es unten im ABC kaum geschneit hat. Unterhalb 5500m wird das Wetter schlagartig besser. Meppi und Dieter starten deshalb auch optimistisch ins Lager 1, während alle anderen sich einen Ruhetag gönnen.

16.04.1999 Da Meppi und Dieter im Lager 1 eine schlechte Nacht gehabt haben, passiert heute am Berg überhaupt nichts, denn auch alle anderen ziehen die passive Akklimatisation im Basislager einem weiteren Aufstieg vor.
Einzige Abwechslung bietet der Funkkontakt, der täglich früh und abends zu festen Zeiten durchgeführt wird. Auf der von allen Expeditionen gemeinsam benutzten Frequenz gibt es ab 19 Uhr immer reichlich zu lachen - besonders die Katalanen sind stets zu Späßen aufgelegt...

17.04.1999 Die Vierergruppe steigt hinauf ins Lager 1, während Dieter und Meppi von dort aus startend Lager 2 erreichen. Das Wetter hat glücklicherweise wieder den gewohnten Rhythmus angenommen: Morgens wolkenlos bei strahlendem Sonnenschein, gegen Mittag leichte Eintrübung und am Nachmittag ein paar Schneeflocken, aber kein ernsthaftes Schlechtwetter.

18.04.1999 Dieter und Meppi spuren vom Lager 2 hinauf bis auf 6800m, kurz unterhalb des North Col. An einem günstigen Platz deponieren sie das mitgebrachte Zelt für Lager 3 und beginnen mit dem Ausheben einer Zeltplattform. Da die Zeit jedoch bereits weit fortgeschritten ist, steigen sie schließlich wieder hinunter ins Lager 2, ohne die Arbeit beenden zu können. Die Vierergruppe nutzt den Tag für einen Lastentransport zwischen Lager 1 und 2, steigt am Nachmittag dann aber erst einmal wieder ab.

19.04.1999 Heute steigt die Vierergruppe erneut ins Lager 2 auf und übernachtet auch dort, während unsere beiden "Oldies" nach 4 Tagen Arbeit am Berg ins ABC zurückkehren. Volker, Max und Ehrli, die trotz der unterschiedlichen Fortbewegungsmittel ebenfalls zusammen eine Gruppe bilden, nehmen den Aufstieg ins Lager 1 in Angriff.
Während Volker zügig bis ins Lager durchmarschiert, "vertrödeln" die beiden Skifahrer den ganzen Tag mit der aufwendigen Filmerei und kommen erst kurz vor Sonnenuntergang oben an.

Im North Col20.04.1999 Die Dreiergruppe steigt weiter auf ins Lager 2, wobei die Ski wegen des ohnehin beträchtlichen Rucksackgewichtes im Lager 1 zurückgelassen werden. Zunächst müßte man sie nämlich bis auf 6200m Höhe tragen, ehe sie oberhalb von Lager 2 im flacheren Gelände wieder zum Einsatz kommen könnten. Die Vierergruppe steigt unterdessen ins Lager 3 auf, um dort die von Dieter und Meppi begonnene Arbeit des Zeltaufbaus zu vollenden.
Leider täuschen sie sich in der Beurteilung des Zeltplatzes und schleppen zunächst die Zelte bis hinauf ins North Col. Nachdem auch sie einsehen, daß in diesem "Windkanal" kein vernünftiger Zeltplatz zu schaffen ist, tragen sie alles wieder 100m hinunter und stellen die beiden Zelte neben das von Ed und Veikka. Anschließend steigen sie ab bis ins Lager 1.

21.04.1999 Während Götz, Meutz, Ole und George vom Lager 1 aus ins ABC absteigen, zieht die Dreiergruppe mit ihrer kompletten Ausrüstung um ins Lager 3 und übernachtet erstmals auch dort. Sicherheitshalber haben sie auch schon die wichtigste Ausrüstung für das Lager 4 mitgebracht - man kann ja nie wissen...
Dieter und Meppi verbringen ihren zweiten Ruhetag im ABC und lassen sich von unserem Koch Danny verwöhnen.

22.04.1999 Während unten im ABC Ruhetag angesagt ist, gehen Volker, Ehrli und Max zur Akklimatisation bis auf etwa 7000m Höhe. Von oberhalb des North Cols bietet sich zudem ein herrlicher Blick auf den Manaslu-Nordgipfel sowie weit im Westen die Annapurna-Gruppe. Mit den mitgebrachten Markierungsfahnen kennzeichnen sie die Route und steigen dann wieder ab ins Lager 3. Am Nachmittag kommen Ed Viesturs und Veikka Gustafsson von oben. Sie haben heute gemeinsam mit 2 der Katalanen den Gipfel des Manaslu erreicht und so gibt es im engen Zelt des Hochlagers noch eine ausgelassene Gipfelparty bei Pfefferminztee und Tütensuppe, an der die anderen im Basislager per Funkkontakt teilhaben.

Volker beim Abstieg unterhalb C223.04.1999 Nach 4 Tagen Arbeit am Berg steigt die Dreiergruppe heute planmäßig ab ins ABC, um Platz für die nächsten zu machen und sich vor dem Gipfelangriff ein paar Tage zu erholen. Dieter und Meppi steigen indessen ins Lager 1 auf, während die Vierergruppe ihren zweiten Ruhetag im ABC verbringt. 24.04.1999 Dieter und Meppi erreichen am Mittag das Lager 2. Die beiden haben bereits alles für einen Gipfelversuch dabei, sind sich aber noch nicht sicher, ob die Akklimatisation dafür bereits ausreicht. Alle anderen ruhen sich im Basislager aus und bereiten sich auf den Gipfel vor. Bei den Katalanen gibt es heute eine große Gipfelparty, auf der sie ihre Geheimvorräte an spanischem Rotwein, Räucherschinken und anderen Leckereien herausholen. Gemeinsam wird es recht lustig und auch ziemlich spät...

25.04.1999 Um jeweils 2 Tage versetzt gehen wir jetzt in 3 Gruppen zum Gipfelangriff über. Dieter und Meppi erreichen heute Lager 3, die Vierergruppe steigt auf ins Lager 1 und Volker, Ehrli und Max starten übermorgen vom ABC aus in Richtung Gipfel. Vorher ist nur noch die Einrichtung von Lager 4 erforderlich, die Dieter und Meppi morgen versuchen wollen.
Ed Viesturs und Veikka Gustafsson verabschieden sich bereits in Richtung Tal, denn sie wollen nach dem schnellen Erfolg gleich noch weiter zum Dhaulagiri.

26.04.1999 Heute steigen auch die Katalanen endgültig ab und schenken uns zum Abschied noch ein paar spanische Salamis - Fleisch und Wurst sind in der Basislagerverpflegung nicht sonderlich reichlich vorhanden, und so werden die Geschenke gern angenommen.
Dieter und Meppi brechen ihren Versuch, das Lager 4 zu errichten, kurz oberhalb des North Col ab und steigen in einem Zug bis ins ABC ab, während unsere Vierergruppe das Lager 2 erreicht.

27.04.1999 Auch für Max, Volker und Ehrli ist nun die Zeit für den ersten Gipfelversuch gekommen, und so steigen sie auf ins Lager 1. Da der Schnee im unteren Teil der Route inzwischen stark abgeschmolzen ist, und auch oben eher verharschte Firnflächen und Blankeis vorherrschen, haben die beiden Skifahrer ihr Vorhaben einer Skibefahrung des Manaslu leider aufgeben müssen. Bei diesen Verhältnissen müsste man die Ski zu zwei Dritteln tragen und würde ein erhebliches Zusatzgewicht in Kauf nehmen müssen, bloß um an ein paar Stellen einige hundert Meter abfahren zu können.
Blick vom Lager 2Die Vierergruppe steigt inzwischen auf ins Lager 3 und stellt dort fest, daß sie zu wenig Kochergas mitgenommen haben. Über Funk diskutieren wir das Problem ausgiebig und verpflichten uns schließlich alle zu äußerster Sparsamkeit, damit die Gipfelchancen für alle Gruppen gewahrt bleiben.

28.04.1999 Götz, Ole, Meutz und George brechen vom Lager 3 aus mit der Hochlagerausrüstung auf nach oben. Da sie sich recht lange mit dem Verlegen von Fixseilen aufhalten, erreichen sie erst ziemlich spät den für das letzte Lager vorgesehenen Platz. Weil die Zeit nicht mehr zum Zelt aufbauen reicht, schlüpfen sie für die Nacht in das Zelt der Kanadier, die sich gerade im Basislager auf ihren Gipfelsturm vorbereiten.
Die Dreiergruppe erreicht unterdessen das Lager 2 und bringt Nachschub an Material, Kochergas und Verpflegung mit.

29.04.1999 Heute will die Vierergruppe vom Lager 4 aus den Gipfel versuchen. Bedingt durch das enge Zelt kommen sie eigentlich erst viel zu spät los, aber günstige Verhältnisse und bestes Wetter lassen sie gut vorwärtskommen. Meutz und Ole kehren zwar nach einiger Zeit um, aber George und Götz gehen weiter in Richtung Gipfel, den sie 16 Uhr dann schließlich auch erreichen. George findet sogar noch die Kraft, ein paar Filmaufnahmen mit der Videokamera zu machen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Tagen herrscht heute bis in die Abendstunden bestes Wetter mit guter Sicht und wolkenlosem Himmel, so daß sie selbst in der einsetzenden Dunkelheit beim Abstieg kaum Probleme mit der Wegfindung haben. 20 Uhr sind sie wieder zurück im Lager 4, wo Ole und Meutz inzwischen unser großes Viermannzelt aufgebaut haben. Damit wird die Nacht auf 7200m zumindest bequemer für die abgekämpften Gipfelsieger.
Max, Volker und Ehrli sind unterdessen ins Lager 3 aufgestiegen, während Dieter und Meppi ihren letzten Ruhetag im Basislager verbracht haben.

30.04.1999 Die Vierergruppe kommt erst kurz vor Mittag im Lager 4 los, denn Ole, der inzwischen einige Probleme mit der Höhe bekommen hat, ist ziemlich langsam. Gemeinsam steigen sie ab, während vom Lager 3 bereits die Dreiergruppe hinaufkommt. Bei der Begegnung mitten in einem Steilhang gibt es erste Glückwünsche für die Gipfelsieger und dann geht es auch schon weiter, denn das Wetter verschlechtert sich zusehends.
Max, der etwas Vorsprung hat, ist in den dichten Wolken plötzlich den Blicken der beiden anderen entschwunden, und während sich Volker zum Weitergehen entschließt, kehrt Ehrli, der durch Heuschnupfen und Erkältung ohnehin große Probleme mit dem Luftholen hat, lieber um. Gerade, als Max schon eine Suchaktion starten will, erreicht Volker das Lager 4 und gemeinsam kochen sie ununterbrochen heiße Getränke, um sich für den für Mitternacht geplanten Gipfelsturm fit zu halten.
Blick von C3 zum Naike Peak Ehrli hat unterdessen die anderen im Abstieg eingeholt und zu fünft verbringen sie eine ungemütliche Nacht in den engen Zelten von Lager 3. Dieter und Meppi, die ihre Ruhepause beendet haben, sind inzwischen auch schon im Lager 1 angekommen und wollen 3 Tage später zum Gipfelangriff in Lager 4 eintreffen.

01.05.1999 Als Max und Volker um Mitternacht die Köpfe aus dem Zelt stecken, tobt draußen der Schneesturm. Kein einziger Stern ist zu sehen und ein Losgehen hinein in dieses Unwetter wäre viel zu gefährlich. Aller 2 Stunden versuchen sie es erneut, doch nachdem die Sicht früh um 8 Uhr noch immer gerade mal 30 Meter beträgt, geben sie es entnervt auf. Für heute ist kein Gipfelversuch mehr möglich, und so bleibt ihnen nur die Entscheidung zwischen aufgeben und abwarten. Schweren Herzens und mit dem Bewußtsein, daß allein der Aufenthalt in dieser Höhe energieverzehrender Luxus ist, entscheiden sie sich dafür, den einen Tag im Lager 4 auszuharren und in der nächsten Nacht einen letzten Versuch zu starten. Den Tag verbringen sie mit Schneeschmelzen und kochen und versuchen, so viel wie irgend möglich in sich hineinzustopfen, um den Energieverlust auszugleichen. Aller paar Stunden muß außerdem einer raus, um den angewehten Schnee wegzuschaufeln, der das Zelt bedrohlich zusammenquetscht.
Während Dieter und Meppi planmäßig ins Lager 2 aufsteigen, schaffen es die anderen fünf im Abstieg bis ins Lager 1. Kurz oberhalb des Lagers geraten sie in eins der berüchtigten Höhengewitter und Ole wird von einem elektrischen Schlag zu Boden gestreckt. Zum Glück ist ihm jedoch nichts weiter passiert, und so beeilen sie sich dann, um schleunigst die schützenden Zelte zu erreichen. Da dort zu wenig Schlafsäcke für eine so große Gruppe liegen, probieren Meutz und Ehrli sogar noch, bis ins ABC abzusteigen, doch noch bevor sie das Basislager erreichen, holt sie die Dunkelheit ein. Gemeinsam mit Mingmar, der ihnen mit heißem Tee entgegenkommt, erreichen sie dann 21 Uhr das Lager und haben nun den Vorteil eines ordentlichen Abendbrotes anstelle von Tütensuppen und Trockenbrot.

02.05.1999 Obwohl um Mitternacht ein ziemlich starker Wind Schneefahnen über das Zelt von Lager 4 peitscht, ist für Volker und Max bei Mondschein und sternklarem Himmel die Entscheidung klar: Aufbruch zum Gipfel! Kurz vor 2 Uhr verlassen sie das Lager und sind bei Sonnenaufgang schon ziemlich weit oben. Schon 9.45 Uhr erreichen sie bei gutem Wetter aber orkanartigem Wind den überwächteten Gipfelgrat, so daß sie sich zum Fotografieren der letzten Seillängen viel Zeit lassen.
Auf dem GipfelPunkt 12 Uhr stehen sie schließlich auf dem höchsten Punkt, doch aus dem erhofften Gipfelblick wird trotzdem nichts: dichte Wolken hüllen sie inzwischen fast vollständig ein, und so sehen sie zu, daß sie wieder hinunterkommen. Auf den riesigen Schneeflächen des Gipfelplateaus ist die Orientierung bei 30m Sicht zwar sehr schwierig, aber mit Kompaß und Höhenmesser finden sie sicher ins Lager zurück, und schon 16 Uhr schnurrt bereits wieder der Kocher im Lager 4.
Dieter und Meppi sind inzwischen auch schon im Lager 3, während George, Ole und Götz die letzte Etappe des Abstiegs zurück ins ABC hinter sich bringen.

03.05.1999 Während Max und Volker sich vom Lager 4 aus auf den Weg nach unten machen, brechen Dieter und Meppi vom Lager 3 aus in entgegengesetzter Richtung auf. Weit kommen die beiden Aufsteigenden allerdings nicht, denn bei starkem Wind im North Col entschließen sie sich zunächst zur Umkehr. Als die beiden frischgebackenen Gipfelsieger jedoch 11.30 Uhr auch im Lager 3 eintreffen und vom Gipfel berichten, gehen unsere beiden "Oldies" doch noch einmal los. Recht spät erreichen sie das Lager 4, wo sie erst den inzwischen schon wieder angewehten Schnee wegschaufeln müssen, ehe sie in das schützende Zelt kriechen können.
Kurz nach Mittag brechen auch Max und Volker wieder auf und nehmen, die Rucksäcke bereits mit allen nicht mehr benötigten Dingen aus den oberen Lagern vollgestopft, den weiteren Abstieg in Angriff. In nur 35 Minuten erreichen sie Lager 2, in weiteren 2 Stunden dann Lager 1. Obwohl sie eigentlich bis ins ABC wollten, ist es dafür inzwischen doch zu spät, und so bleiben sie noch eine Nacht auf 5800m im Lager 1.

04.05.1999 Dieter und Meppi konnten sich bei starkem Wind und nach einer schlechten Nacht im zugewehten Zelt nicht zum Aufbruch durchringen, und so warten auch sie einen Tag im Lager 4 auf besseres Wetter. Max und Volker erreichen gegen Mittag das ABC und werden von den anderen herzlich empfangen und beglückwünscht. Wir alle sehen inzwischen durch den teilweise starken Sonnenbrand etwas mitgenommen aus, aber eigentlich fühlen wir uns trotzdem noch recht fit. Beim abendlichen Funkkontakt ermuntern wir Dieter und Meppi zu einem zeitigen Aufbruch bei hoffentlich gutem Wetter in Richtung Gipfel...

05.05.1999 Während alle anderen im ABC lange ausschlafen und den Ruhetag genießen, sind Dieter und Meppi oben in Richtung Gipfel unterwegs. Ihr gestriges Warten hat sich vom Wetter her auf jeden Fall gelohnt: Sonnenschein und erstklassige Sicht machen ihren Gipfelaufenthalt zum einmaligen Erlebnis. Selbst am Abend ziehen nur ein paar leichte Quellwolken über den strahlend blauen Himmel, und so haben sie keine Probleme, das Lager 4 wieder zu erreichen. Meutz und Ehrli haben sich nach dem Aufgeben beim ersten Versuch inzwischen entschlossen, noch einen zweiten Gipfelangriff zu starten. Bereits morgen wollen sie aufbrechen, um es erneut zu probieren.

06.05.1999 Dieter und Meppi, die nach dem anstrengenden Gipfeltag früh eine ganze Weile brauchen, steigen heute nur bis ins Lager 3 ab, während Meutz und Ehrli, begleitet von vielen guten Wünschen, vom Basislager aus ins Lager 1 aufsteigen. Das Wetter ist seit Wochen ziemlich stabil und verheißt durchaus Chancen auf einen erfolgreichen zweiten Gipfelversuch.

Ehrli erreicht Camp 307.05.1999 Während Dieter und Meppi heute die Marathon-Etappe vom Lager 3 hinab bis ins ABC zurücklegen, überspringen auch Ehrli und Meutz gleich das Lager 2 und steigen vom Lager 1 in 5800m bis direkt ins Lager 3 auf 6800m hoch. Alle anderen genießen die Ruhetage im ABC und widmen sich all den Dingen, für die sonst wenig Zeit ist: Wäsche waschen, Tagebuch schreiben, Fotografieren. Max schleicht sogar im Dunkeln noch mit dem Fotoapparat durchs Basislager, um vom Stativ aus Nachtaufnahmen vom Manaslu zu machen...

08.05.1999 Meutz und Ehrli steigen auf ins Lager 4, wo unser Zelt schon ziemlich stark zugeweht ist. Wieder einmal heißt es fleißig schaufeln, ehe drinnen der Kocher heiße Getränke und etwas zu Essen produzieren kann. Nach fünftägiger Ruhepause im ABC steigen auch Götz, George und Ole wieder auf ins Lager 1, denn wenn der letzte Gipfelversuch beendet ist, wollen wir den Abbau der Hochlager von oben her zügig hinter uns bringen.

09.05.1999 Bei sehr durchwachsenem Wetter sind Ehrli und Meutz heute nicht in Richtung Gipfel aufgebrochen. Wie schon die beiden Gipfelteams vor ihnen wollen sie jedoch zumindest einen weiteren Tag im Lager 4 ausharren, um eventuell besseres Wetter für einen Gipfelaufstieg zu nutzen. Die Dreiergruppe im Lager 1 verbringt den Tag ebenfalls mit Warten, denn aufgrund der Entwicklung verschiebt sich der Zeitplan zum Lagerabbau um einen Tag nach hinten.

10.05.1999 Zwar starten Meutz und Ehrli am zeitigen Morgen in Richtung Gipfel, aber da das Wetter schon am Morgen leicht bewölkt ist und sich stündlich verschlechtert, kehren sie schon nach wenigen hundert Metern wieder um. Unter diesen Bedingungen haben sie nur geringe Gipfelchancen, und da Meutz mit seinen im letzten Jahr erfrorenen Zehen ohnehin etwas vorsichtiger sein muß, ist die Umkehr wohl die richtige Entscheidung.
Beim Funkspruch um 9 Uhr geben Meutz und Ehrli nun ihre endgültige Entscheidung bekannt, und so machen sich Ole, Götz und George im Lager 1 marschfertig, um heute noch Lager 2 zu erreichen. Vom Basislager aus starten zeitgleich Volker und Max in Richtung Lager 1. Morgen wollen sie den anderen dann durch den Eisbruch entgegenkommen, um den Abtransport des umfangreichen Materials sicherzustellen.

11.05.1999 Der Lagerabbau läuft heute exakt nach Plan. Als erste starten früh Max und Volker vom Lager 1 aus und sind wie vereinbart 11 Uhr an der großen Spalte auf 6100m, während Dieter, Meppi und auch der hilfsbereite Mingmar, die vom ABC aus gestartet sind, zum Lager 1 aufsteigen. Inzwischen bauen Meutz und Ehrli, die bereits aus Lager 4 fast alles mitgebracht haben, den Rest von Lager 3 ab und steigen mit riesigen Rucksäcken hinunter ins Lager 2. Dort haben Ole, Götz und George ihrerseits bereits zusammengepackt und gemeinsam erreichen sie die große Spalte, an der Max und Volker schon warten. In einer einstündigen Aktion werden Gepäck und Bergsteiger über die klaffende Spalte hinübergezogen und dann setzt sich die schwer beladene Karawane in Bewegung in Richtung Lager 1.
Volker und Max gehen als letzte, und während Volker sichert, baut Max hinter sich alle Fixseile ab. Abwechselnd laden sie sich die völlig vereisten Seile gegenseitig auf die Rucksäcke und erreichen so als letzte das Lager 1. Dort haben Dieter, Meppi und Mingmar inzwischen schon alles zusammengepackt und weiter geht es in Richtung ABC. Mit Einbruch der Dunkelheit sitzen schließlich alle gemeinsam im ABC und feiern die erfolgreiche Expedition und den gelungenen Abbau der Hochlager in Rekordzeit.

12.05.1999 Da für den 13. Mai schon die Träger für den Abmarsch bestellt sind, wird emsig sortiert und gepackt, denn morgen früh muß alles möglichst schnell gehen. Nachdem vorgestern auch die Kanadier, von denen 3 den Gipfel erreichten, abgereist sind, verlassen wir als letzte Expedition das Basislager des Manaslu.

13.05.1999 Bereits um 5 Uhr beginnen wir mit dem Zusammenpacken und dem Abbau der Zelte. Als alle Tonnen fertig gepackt sind, tauchen auch schon die ersten Träger auf. Manche haben gleich ihre ganze Familie mitgebracht, denn meist gibt es bei abziehenden Expeditionen ein paar Reste an Lebensmitteln oder anderen Dingen abzustauben. Die Diskussionen um das Wiegen und die Lastenverteilung ziehen sich wieder ganz schön in die Länge, doch schließlich geht es los und mit ein bißchen Wehmut verlassen wir das Lager, das für über einen Monat unser zu Hause gewesen ist. Zum Abschied zeigt sich sogar noch einmal der Manaslu, der an den letzten Tagen stets von dichten Wolken verhangen war.
Unten im Lower Basecamp richten wir uns gar nicht erst häuslich ein, denn morgen früh geht es schon weiter.

14.05.1999 Nach dem Abbauen der Zelte halten uns die ewigen Diskussionen der Träger wieder stundenlang auf, doch wie wir bald mitbekommen, geht es diesmal nicht nur um Gewicht und Geld, sondern um einen religiösen Feiertag, an dem alle wieder zu Hause sein wollen. Wir einigen uns schließlich darauf, sie nur für einen einzigen Tagesmarsch zu beschäftigen und müssen uns dann morgen im nächsten Dorf eben neue Träger suchen. Bei strömendem Regen verlassen wir das Lager und marschieren den gut bekannten Weg talauswärts. Nur in Lho wird eine kurze Mittagspause eingelegt, denn noch am gleichen Tag wollen wir Namrung erreichen.

15.05.1999 Für unseren tüchtigen Mingmar ist es kein Problem gewesen, gestern schon unterwegs neue Träger anzuwerben, und so starten wir auch von Namrung aus bereits am frühen Morgen. Ehrli und Max, die den ganzen Tag Filmaufnahmen machen, erreichen am späten Nachmittag als Schlusslichter Deng. Da sich einige von uns in der hiesigen Lodge auf dem Hinweg Flöhe eingefangen hatten, verzichten wir auf ein Lager im Inneren des Hauses und bauen lieber auf einem benachbarten Feld unsere Zelte auf.

16.05.1999 Am letzten Marschtag erreichen wir schon relativ zeitig das Tagesziel Philim. Von hier aus sollen wir mit dem Hubschrauber abgeholt werden, doch wie uns Mingmar nach einem Anruf in Kathmandu mitteilt, kann das erst übermorgen geschehen. Da morgen in einem Teil Nepals Parlamentswahlen stattfinden, sind alle Hubschrauber zum Transport der Wahlurnen herangezogen und dürfen keine anderen Flüge ausführen.

17.05.1999 Den von der nepalesischen Regierung verursachten Ruhetag nutzen wir gleich für das Reinigen, Trocknen und Reparieren unserer Hochlagerzelte und das Sortieren der Ausrüstung. Abwechslung bringt ein „Badeausflug“ zum nahegelegenen Gebirgsbach, dessen Wasser erstaunlich warm ist. Nach Wochen in Eis und Schnee ist das genau die richtige Art Erholung für uns...

18.05.1999 Auf die Minute pünktlich landet der Hubschrauber von Asian Airlines in Philim, und schon eine Stunde später werden wir auf dem Flughafen in Kathmandu herzlich empfangen. Auch in unserem stamm-Hotel, dem „Marsyangdi Mandala“, begrüßt man uns herzlich und wir werden mit Glückwünschen zum Gipfelsieg überhäuft. Den Rest des Tages nutzen wir, um uns wieder zivilisationstauglich herzurichten - der Friseur an der Ecke macht den besten Umsatz des Jahres...

19.-23.05.1999 Die Tage in Kathmandu verbringen wir mit all den Arbeiten, die nach so einer Expedition zu tun sind: Erledigung der zahlreichen Formalitäten beim Tourismusministerium, Sortieren, Reparieren und Umpacken der Ausrüstung, Schreiben der letzten Grußpostkarten, Versenden des Gepäcks per Aircargo usw. stehen auf dem Programm. Nebenbei bleibt natürlich Zeit, um die Stadt zu besichtigen und auch mal einen Einkaufsbummel zu unternehmen. Schließlich wollen die zu Hause gebliebenen auch mit Souvenirs bedacht sein... Am 20. Mai feiern wir den 40. Geburtstag von unserem Expeditionsleiter Götz, der sich mit der gelungenen Gipfelbesteigung wohl selbst das schönste Geschenk gemacht hat. Meppi, Ehrli und Max unternehmen am letzten Wochenende sogar noch einen zweitägigen Ausflug in den Chitwan-Nationalpark, das berühmteste Dschungel-Gebiet Nepals. Auf dem Rücken von zahmen Elefanten auf der (Foto-)Jagd nach Tigern, Leoparden oder Nashörnern durch den Dschungel zu streifen, ist ein eindrucksvolles Kontrastprogramm zu den eisbedeckten Bergriesen des Himalaya...

24.-26.05.1999 Schließlich sind pünktlich vor Abflug alle wichtigen Dinge erledigt und am Morgen des 24. Mai fahren wir in Erwartung eines angenehmen Rückfluges zum Flughafen. Leider kommt jedoch alles ganz anders...

Nachdem wir schon komplett eingecheckt sind und 2 Stunden in der Transitzone gewartet haben, teilt man uns mit, daß das Radar- und Flugleitsystem des Flughafens den Geist aufgegeben hat und deshalb für unbestimmte Zeit kein Flug mehr geht.
Wann der Schaden behoben werden könne, sei auch nicht abzusehen, denn die Spezialisten, die diese Reparatur ausführen können, müßten ebenfalls eingeflogen werden. Trotz dieser schon ziemlich kuriosen Konstellation ist uns eher nicht zum Lachen zumute. Ob das Familien, Freunde und Arbeitgeber zu Hause wohl lustig finden würden? Zumindest sorgte die ganze Geschichte nun noch einmal für 2 Tage Kathmandu-Aufenthalt auf Kosten unserer Fluggesellschaft...

Als wir am 26. Mai dann endlich starten können, sind alle ziemlich erleichtert. Weil durch die Verzögerung der Flugplan ein wenig durcheinander gekommen ist, kommen wir zwar zeitlich versetzt in 3 Gruppen, aber trotzdem zufrieden, gesund und munter wieder zu Hause an. Damit endet schließlich unsere Expedition, bei der 6 von 9 Teilnehmern den Gipfel des achthöchsten Berges der Erde erreichen konnten, mit einem vollen Erfolg.

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