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Sächsische Himalaya Trilogie 1997 - Cho Oyu 8201m

Teil 2: Fortsetzung Expeditionsbericht

...zurück zum Teil 1 geht es hier.

16.04.1997 Da wir zur weiteren Akklimatisation 2 Tage im Basislager bleiben wollen, beschäftigen wir uns heute nur mit dem Sortieren der Ausrüstung und verpacken alles, was mit an den Berg soll, Yak-Transport-gerecht in unsere Tonnen. Da wir Verpflegung und Ausrüstung für 3 Berge mit dabei haben und alles entsprechend verpackt gewesen ist, ruft das vollständige Umdisponieren ein großes Durcheinander hervor und am Ende bleiben viele Tonnen mit nicht benötigter Ausrüstung hier im Basislager.

17.04.1997 Wir und auch das Küchenteam beenden heute das Tonnenpacken, so daß alles für den morgigen Start bereitsteht. Das schöne (aber wie immer sehr windige und kalte) Wetter nutzen wir zu ein paar Mannschaftsfotos und eingehendem Routenstudium am Cho Oyu mittels Fernrohr.

18.04.1997 Zeitig am Morgen bauen wir unsere Zelte ab und beginnen die Verhandlungen mit den Yaktreibern. Ehe alle 59 Yaks beladen sind, vergehen Stunden... 9 Uhr geht es endlich los. Jeder von uns trägt nur einen kleinen Rucksack mit persönlicher Ausrüstung und warmen Sachen, denn trotz Sonnenschein herrschen hier teilweise deutliche Minusgrade. Hier oben spürt man auch schon recht deutlich die dünne Luft. Ohne unsere Akklimatisationstouren wäre die Quälerei noch viel größer. Durch weitläufige Schuttlandschaften, über Hügel und durch Täler erreichen wir nach 5-6 Stunden anstrengendem Marsch einen günstigen Platz für ein Zwischenlager.
Einer der Küchenjungen ist krank, läßt sich von unserem Doc Peter untersuchen und erhält dann einige Medikamente. Daraufhin scheint es ihm wieder besser zu gehen.

19.04.1997 Nach einer Nacht mit leichten Kopfschmerzen geht es heute bis in unser vorgeschobenes Basislager (Advanced Base Camp = ABC). Obwohl nur noch 200 Höhenmeter zu bewältigen sind, schlaucht das ständige auf und ab der Moränenhügel ganz schön. Nach vierstündigem Marsch haben wir einen optimalen Platz für unser ABC erreicht - etwa 5400m hoch und umrahmt von herrlichen Bergen. Einziger Nachteil: wir haben keine Sicht auf den Cho Oyu, da dieser von einem Schotterberg verdeckt wird. Wir bauen unsere Zelte auf und richten uns für die nächsten Wochen häuslich ein. 16 Tonnen mit Ausrüstung werden von den Yaks bis auf 5700m getragen, wo Peter ein Depot errichtet. An dieser Stelle haben 3 andere Expeditionen ihr ABC, doch unserer Auffassung nach ist das zu hoch zum Erholen und Regenerieren. Außerdem möchten wir lieber für uns allein sein inmitten der herrlichen Bergwelt.
Nach der ersten erfolgreichen Inbetriebnahme unseres Dieselgenerators und des GESAT-Satellitentelefons gibt letzteres aufgrund zu großer Spannungsspitzen den Geist auf - unsere Kommunikation mit der Heimat ist unterbrochen!
Unser Küchenteam - bestehend aus dem Sirdar Mingma, dem Koch Shera sowie 3 Küchenjungen - hat 2 große Zelte errichtet, in denen wir von nun an des öfteren stundenlang sitzen und diskutieren. Bewirtet werden wir von Mingma und Shera dabei immer sehr schmackhaft und überaus reichlich.

20.04.1997 Am zeitigen Morgen weckt uns der bereits seit vorgestern kränkelnde Küchenjunge, dem es schon die ganze Nacht nicht gut ging. Peter untersucht ihn nochmals ausführlich, hat Verdacht auf ein Magengeschwür, und mit viel Überredungskunst und Drohungen wie If you don’t go down you will die! können wir ihn zum Absteigen bewegen. Später erfahren wir, daß er in Kathmandu im Krankenhaus operiert werden mußte.
Wie bei allen Expeditionen in Nepal und Tibet üblich, findet vor dem ersten Aufstieg am Berg eine große Gebetszeremonie statt. Neben den Sherpas haben auch Ehrli und Leo aus Kathmandu die traditionellen Gebetsfahnen mitgebracht, mit denen wir unser Lager schmücken. Nicht schlecht staunen die Sherpas dann auch, als wir als Konkurrenz zu ihren Räucherstäbchen unsere sächsischen KNOX-Räucherkerzchen auspacken. Da die besser brennen, verrichtet Mingma das allmorgendliche Gebet von nun an mit Hilfe von sächsischem Weihrauch-, Tannen- oder Weihnachtsduft.
Dank großer Anstrengungen und dem Können unserer Elektrotechniker Ehrli, Meutz, Linde und Leo gelingt uns die Wiederinbetriebnahme des Satellitentelefons. Von nun an funktioniert es reibungslos und die Teilnehmer anderer Expeditionen, deren Telefone allesamt nicht laufen, nutzen gerne unseren Draht in die Heimat.

21.04.1997 Bis auf Ehrli und Götz, die sich noch nicht fit genug fühlen, brechen heute alle auf, um das Lager 1 zu errichten. Zunächst geht es in knapp 2 Stunden bis ins Depot auf 5700m, wo unsere Ausrüstung liegt. Dort werden die erforderlichen Dinge auf unsere 8 Rucksäcke verteilt, und so bekommen wir gleich beim ersten Mal etwa 150 kg Nutzlast hinauf ins Lager 1. Vom Depot aus sieht man zum erstenmal den Cho Oyu in seiner ganzen Größe. Die Dimensionen des sechsthöchsten Berges der Erde sind gewaltig, und die von hier aus zu bewältigende Aufstiegsroute sieht steil und lang aus. Der Weg über den Gyabbrag-Gletscher zieht sich ganz schön in die Länge, und obwohl es nur 300 Höhenmeter bis in unser geplantes Lager 1 sind, ist es mit den schweren Rucksäcken eine mächtige Quälerei. Besonders der letzte, etwa 100 Meter hohe Steilaufschwung ist bei der noch ungewohnten dünnen Luft ein elender Schinder, und so sind wir alle froh, als wir endlich das Plateau in 6000m am Fuße des berüchtigten Killerhanges (einer 400 Meter hohen, sehr steilen Schotterflanke) erreichen. Ein großes Tonnenzelt, welches 8 Personen Platz bietet, wird hier zum fest ausgebauten Stützpunkt für den weiteren Weg nach oben. Schnell spricht sich bei anderen Expeditionen herum, daß man hier stets großzügig bewirtet wird, weshalb unser Lager 1 von den anderen bald Sachsenhotel genannt wird. Panne, Linde und Olaf steigen noch am selben Nachmittag wieder ab, während die anderen hier oben schlafen wollen, um am nächsten Tag weiter aufzusteigen.
22.04.1997 Leo, Meutz, George, Max und Peter, die die Nacht im Lager 1 trotz der ungewohnten Höhe ganz passabel verbracht haben, steigen in 2 Stunden über den Killerhang hinauf bis auf den Grat. Der steile Schotterhang macht seinem Namen alle Ehre, denn bei zwei Schritt vor - einen zurück, kommt man unendlich langsam vorwärts. Während Leo und Max zu zweit versuchen, bis auf 6800m zu kommen und dort Lager 2 aufzubauen, errichten die anderen zu dritt ein kleines Salewa-Sturmzelt in einer Gratsenke auf 6400m, bevor sie ins ABC absteigen, um sich zu erholen. Da Eispickel, Klettergurt und Steigeisen erst ab 6400m benötigt werden, deponieren wir diese Sachen von nun an immer hier oben.
Ein aufkommender Schneesturm zwingt auch Leo und Max zur Rückkehr. Immerhin haben sie in 6600m Höhe die Zelte für Lager 2 sowie etwas Ausrüstung deponieren können. Als sie ins Lager 1 zurückkommen, sind dort auch Ehrli und Götz eingetroffen, die aus dem ABC heraufgestiegen sind. Gemeinsam verbringen alle vier die Nacht auf 6000m Höhe im Lager 1.
Von nun an, da wir in mehreren Gruppen versetzt zueinander operieren, wird 2 mal täglich (8 und 20 Uhr) Funkkontakt zwischen allen Gruppen eingehalten, um uns untereinander abzustimmen.

23.04.1997 Ehrli und Götz steigen bis auf 6400m, filmen dabei die Aufstiegsroute und hinterlegen ihre Ausrüstung im Depotzelt. Einen Versuch, Lager 2 zu errichten, vereitelt einsetzendes Schneetreiben.
Leo und Max bauen Lager 1 aus und kochen Tee auf Vorrat in Thermosflaschen.
Am Nachmittag steigen die vier ins ABC ab. Unterwegs begegnen sie Panne, der erneut Lasten ins Lager 1 schafft. Linde, der im ABC zusammen mit Panne gestartet ist, mußte nach wenigen hundert Metern umkehren, da er sich (wie Olaf der gleich im ABC geblieben ist) nicht wohl fühlt.

24.04.1997 Allgemeiner Ruhetag im ABC. Nur Peter steigt bis ins Lager 1, während Panne oben vom Lager 1 aus bis 6500m kommt, ehe das Wetter umschlägt. Er schafft einige Sachen in unser Depot auf 6400m und steigt dann wieder ab. Gemeinsam übernachten beide im Lager 1.

25.04.1997 Meutz und George brechen heute nach oben auf. Vom Depot auf 5700m nehmen sie wichtige Ausrüstung mit nach oben ins Lager 1. Unterwegs begegnen sie Panne und Peter, die gerade herunterkommen. Im Lager 1 angekommen, schmelzen sie Unmengen Schnee und kochen alle Thermosflaschen voll, um sich am nächsten Morgen das Kochen sparen zu können. Da man so fast 2 Stunden eher fortkommt, hoffen sie, endlich Lager 2 einrichten zu können.

26.04.1997 Vom Lager 1 aus brechen Meutz und George bei gutem Wetter gegen 8 Uhr auf. Obwohl es George nicht besonders gut geht, erreichen sie am zeitigen Nachmittag 6800m. Aus unserem Depot in 6600m Höhe haben sie die Zelte mit nach oben gebracht und errichten auf dem großen Plateau oberhalb des ersten Eisbruchs das erste Zelt von Lager 2. Anschließend steigen sie zurück bis auf 6400m und übernachten dort in unserem Depot.
Inzwischen steigen Ehrli, Götz, Leo, Linde und Max zu fünft auf ins Lager 1. Damit sind alle benötigten Ausrüstungsgegenstände, Zelte, Kochergas und Verpflegung für alle Hochlager bereits auf 6000m.
Da es Olaf nun schon seit Tagen nicht gut geht und er an den Anzeichen einer leichten Höhenkrankheit leidet, steigt er gemeinsam mit den ebenfalls höhenkranken Thomas und Reinhard von der deutsch-österreichischen Gruppe hinunter ins Basislager (4800m). Panne und Peter begleiten die drei bis zum Zwischenlager (5200m). Unterwegs verschlechtert sich Olafs Zustand, so daß er die letzten Kilometer auf dem Rücken eines Yaks zurücklegen muß. Für ihn ist damit die Expedition leider vorzeitig beendet, denn die Zeit ist für eine Erholung und den erneuten Aufstieg am Berg zu knapp. Über Nyalam, Zanghmu und Kodari erreicht er gemeinsam mit Thomas und Reinhard Kathmandu und alle drei fliegen schnellstmöglich zurück nach Deutschland.

27.04.1997 Meutz und George steigen aus 6400m ab bis ins ABC. Ehrli, Götz, Leo, Linde und Max, denen sie unterwegs begegnen, schaffen eine Menge Ausrüstung hinauf ins Lager 2 und bauen dort ein zweites Zelt auf.
Unten im ABC ist mittlerweile eine kommerzielle deutsche Expedition angekommen. Man erkennt es gut an dem gelben und roten Toilettenzelten, die sie auf der Moräne aufgebaut haben. Die Vorstellungen von einer Expedition sind eben verschieden...
Panne und Peter, die einen Ruhetag eingelegt haben, empfangen Meutz und George im ABC mit Kaffee und Dresdner Christstollen. Da sich die einzelnen Gruppen nun nur noch selten sehen, freut man sich immer über gemeinsame Tage der Ruhe und Erholung unten im ABC.

Aufstieg28.04.1997 Leo, Götz und Max versuchen vom Lager 2 aus das dritte und letzte Hochlager zu errichten. Durch einen 200m hohen Eisbruch geht es bis auf ein kleines Plateau und weiter stundenlang einen nicht enden wollenden Schneehang hinauf. Etwa 100 Höhenmeter unterhalb der geplanten Stelle für Lager 3 schlägt das Wetter um. Für den Weiterweg ist es außerdem schon zu spät, und so deponieren sie Zelt, Kocher, Gas und weitere Ausrüstung auf etwa 7400m im Schnee und markieren das Depot mit roten Fähnchen, um es nach Schneefall wiederzufinden. Der Abstieg hinunter ins Lager 2 geht trotz heftigem Schneetreiben schneller als erwartet.
Linde und Ehrli sind währenddessen ins ABC hinuntergestiegen, um sich zu erholen. Im Lager 1 begegnen sie Peter und Panne, die mit ihrem heutigen Aufstieg bis auf 6000m den ersten Gipfelangriff vorbereiten. Da nur noch 100 Höhenmeter bis zum letzten Lager fehlen und Zelt und Sturmlagerausrüstung nun schon weit oben liegen, stehen die Chancen für diese erste Zweiergruppe eigentlich ganz gut.
Meutz und George gönnen sich einen Ruhetag im ABC und lassen sich von Sheras und Mingmas Kochkünsten verwöhnen

29.04.1997 Leo, Götz und Max steigen vom Lager 2 bis ins ABC hinunter. Unterwegs begegnen sie Panne und Peter, die beide gut drauf und zügig auf dem Weg nach oben sind. Die beiden übernachten im Lager 2, welches inzwischen fest ausgebaut und gut mit Kochergas und Lebensmitteln ausgestattet ist.
Meutz, Ehrli, Linde und George machen Ruhetag, telefonieren in die Heimat und übermitteln den neuesten Stand der Dinge an unsere Lieben zu Hause.

30.04.1997 Panne und Peter brechen vom Lager 2 nach oben auf, doch da Peter sich in der Höhe nicht gut fühlt, kehrt er schon bald wieder um und steigt hinunter bis ins ABC. Panne setzt seinen Aufstieg nun allein fort und meldet sich abends aus einem Zelt einer anderen Expedition aus 7200m. Da Zeit und Wetter nicht bis ins Lager 3 gereicht haben, hat er bei den Amerikanern Asyl gefunden und muß so nicht wieder bis ins Lager 2 absteigen. Da er morgen im Lager 3 noch das Zelt aufbauen muß, kommt ihm dieser Vorsprung eines halben Tages sehr entgegen. Sein Optimismus und Elan sind beeindruckend, ist er doch durch Peters Abstieg nun ganz alleine hier oben unterwegs.
Alle anderen regenerieren sich im ABC und bereiten den Gipfelsturm vor. Übermorgen soll mit Meutz, Linde und George die zweite Gruppe starten.

01.05.1997 Heute steigt Panne hinauf bis zu unserem Depot auf 7400m. Er versucht, von dort aus ein Zelt, Kocher, Gas und Essen noch 100 Höhenmeter höher zu schaffen und dort Lager 3 aufzubauen. Für einen allein ist das jedoch ziemlich viel und so holen ihn Hans Goger, Heinz Rockenbauer und Helmut Chlastack von der uns angeschlossenen deutsch-österreichischen Gruppe kurz unter dem vorgesehenen Lagerplatz ein. Gemeinsam bauen sie auf 7500m Höhe zwei Sturmzelte auf und errichten damit endgültig Lager 3.

02.05.1997 Während Heinz Rockenbauer in den ersten Morgenstunden bei gutem Wetter zum Gipfel aufbricht, fühlen sich die anderen da oben auf 7500m nicht besonders gut. Panne, der eigentlich heute einen Gipfelversuch wagen wollte, hat in den vergangenen Tagen bereits zu viele Körner verschossen. Geschwächt durch den doch recht langen Aufenthalt in der großen Höhe und außerdem seit zwei Tagen fast alleine unterwegs, findet er einfach nicht die Kraft dafür. Sogar der Abstieg, auf dem er unter der unbarmherzig brennenden Sonne und Gleichgewichtsstörungen leidet, bereitet ihm große Mühe und zeigt, wie sehr ihn die Anstrengungen der letzten Tage mitgenommen haben. Jede Stunde funken wir aus dem ABC hinauf zu Panne und versuchen, ihn ein wenig aufzumuntern. Im Lager 2 (6800m) kommt er relativ spät an und übernachtet noch einmal, bevor es morgen ganz hinunter geht.
Meutz, Linde und George als 2. Gipfelmannschaft steigen auf ins Lager 1, lassen sich’s im Sachsenhotel gutgehen und essen und trinken auf Vorrat für den Gipfelsturm.
Heinz Rockenbauer hat am Nachmittag den Gipfel erreicht und steigt wieder bis ins Lager 3 ab. Helmut und Hans warten den Tag auf 7500m ab und wollen es morgen versuchen...

03.05.1997 Linde hat auf 6000m sehr schlecht geschlafen und fühlt sich überhaupt nicht gut. So beschließt er, auf einen Gipfelversuch zu verzichten und will im Lager 1 auf die dritte Gipfelgruppe warten.
Mit Meutz und George steigt währenddessen das auf zwei Leute geschrumpfte zweite Gipfelteam ins Lager 2 auf. Bereits das dritte Mal überwinden sie den Killerhang und erreichen problemlos Lager 2 (6800m). Unterwegs begegnen sie dem sichtlich erschöpften Panne, der langsam im Abstieg begriffen ist.
Ehrli, Leo, Götz und Max brechen als dritte und letzte Gipfelmannschaft vom ABC auf und erreichen am Mittag das Lager 1, wo sie auf Linde treffen, der sich noch immer sehr schlecht fühlt. Gemeinsam kochen sie sehr viel Tee und Linde bricht dann auf in Richtung ABC, wo er am späten Nachmittag ankommt.
Etwa zur selben Zeit erreicht auch der absteigende Panne Lager 1 und zu fünft wird auf 6000m den ganzen Abend gekocht, getrunken und gegessen.

04.05.1997 Panne, dem es am Morgen schon wieder sichtlich besser geht, steigt alleine ab ins ABC, während Ehrli, Leo, Max und Götz den Aufstieg ins Lager 2 in Angriff nehmen. Bei gutem Wetter erreichen sie das Plateau auf 6800m relativ zeitig und haben so viel Zeit zum Schnee schmelzen und Kochen.
Meutz und George steigen zur gleichen Zeit von Lager 2 auf bis ins Gipfelsturmlager auf 7500m Höhe. Unterwegs treffen sie Hans und Helmut von der deutsch-österreichischen Gruppe. Beide waren gestern auf dem Gipfel, mußten dafür aber mit Erfrierungen an Zehen und Fingerkuppen bezahlen. Trotzdem freuen sie sich über den Gipfelerfolg und es mangelt nicht an guten Wünschen beiderseits. 17 Uhr erreichen Meutz und George endlich Lager 3, nachdem sie unterwegs weitere Ausrüstung aus unserem Depot (7400m) mitgenommen haben. Bis 23 Uhr kochen sie Tee für den morgen bevorstehenden Gipfelangriff, doch die Nacht verspricht mit starkem Sturm kein optimales Wetter für morgen...

05.05.1997 Etwa 2 Uhr muß Meutz mal raus aus dem schützenden Zelt und wird draußen vom Sturm fast umgerissen. 4 Uhr, als die beiden Gipfelanwärter eigentlich starten wollen, hat sich der Sturm noch kein bißchen beruhigt, und so wird der Aufbruch um eine Stunde verschoben. Gegen 5 Uhr wagt George schließlich einen Versuch, doch trotz dicker Daunenbekleidung von Kopf bis Fuß ist bei diesen Verhältnissen der Gang zum Gipfel nicht möglich. Nicht nur die extreme Kälte würde das Risiko von Erfrierungen sprunghaft steigen lassen, sondern auch die Gefahr, vom Wind umgerissen zu werden, ist im steilen Gelände des Gipfelaufbaus einfach zu groß. Eine Stunde später probiert es George zwar noch einmal, doch weiter als 50m vom Zelt weg kommt er auch diesmal nicht. Obwohl der Sturm gegen 8 Uhr etwas nachläßt, beschließen die beiden schweren Herzens, heute noch abzusteigen. Daß längerer Aufenthalt hier oben in der sogenannten Todeszone nichts bringt und zudem noch sehr gefährlich werden kann, hat ja bereits Panne erfahren müssen. Also hinunter! Ziemlich enttäuscht über das Wetterpech am Gipfeltag setzen die beiden ihren Frust in Leistung um und steigen noch am selben Tag bis ins ABC hinunter, welches sie 21 Uhr im Licht der Stirnlampen erreichen. Auf etwa 7000m begegnen sie Ehrli, Leo, Götz und Max, die vom Lager 2 in Richtung Gipfellager unterwegs sind. Da Ehrli in der extremen Höhe große Probleme mit ständig stärker werdendem Reizhusten hat, kommt er immer langsamer voran. Als er schließlich auf knapp 7300m Höhe kaum noch Luft kriegt, muß er wohl oder übel umkehren. Mit Einbruch der Dämmerung erreicht er Lager 1 auf 6000m Höhe, wo er die Nacht alleine verbringt.
Das damit auf 3 Leute zusammengeschrumpfte dritte Gipfelteam erreicht 17.15 Uhr das Lager 3, von dem Meutz und George heute früh erst aufgebrochen sind. Obwohl dies nur ein paar Stunden her ist, sind die Zelte schon wieder völlig zugeschneit und müssen mühsam freigeschaufelt werden. Götz und Max kriechen gemeinsam in das größere der beiden Zelte, Leo macht es sich in dem kleineren unbequem. Den ganzen Abend verbringen die drei mit Schneeschmelzen und Kochen, denn ausreichend Flüssigkeitszufuhr ist hier oben extrem wichtig. Erst nachdem gegen Mitternacht unzählige Topfladungen voll Schnee in Form von Tee, Kakao oder Suppe den ausgetrockneten Körpern zugeführt sind, versuchen sie, die Augen zuzumachen...

06.05.1997 Nach einer kurzen, schlaflosen Nacht beginnen Max und Götz, die sich das Zelt teilen, schon um 3 Uhr mit dem Kochen. Bei -25°C und in der Enge des winzigen, innen völlig bereiften Zeltes dauert diese Prozedur eine kleine Ewigkeit. Das Anziehen der dicken YETI-Daunensachen und das Anlegen der Klettergurte ist noch schlimmer. Leo im anderen Zelt hat mehr Bewegungsfreiheit, muß aber dafür auch alles alleine machen. 6.35 startet Max schließlich als erster in Richtung Gipfel. Zum Warten ist es trotz hervorragenden Wetters und fast Windstille viel zu kalt, und außerdem muß in dieser Höhe ohnehin jeder sein eigenes Tempo gehen. 7 Uhr folgen Götz und Leo nach. Zuerst wird das Gelbe Band in etwa 7600m Höhe überwunden, dann geht es rechtsansteigend bis unter den Gipfelaufbau. Über Schuttbänder und Schneefelder erreichen die drei das Gipfelplateau. 13 Uhr steht Max als erster in der Gegend des höchsten Punktes, doch bei dichtem Nebel und schlechtem Wetter findet er die höchste Eiskuppe auf dem riesigen Plateau trotz langen Suchens nicht. 14 Uhr trifft er schließlich mit Götz zusammen, und gemeinsam besteigen sie einen Punkt ganz am Ende des Gipfelplateaus, der der höchste sein könnte. Die Höhenmesser zeigen mehr als 8200m, das Wetter bleibt jedoch schlecht und so steigen Götz und Max wieder ab, ohne den Mount Everest, den Beweis für das Erreichen des Gipfels, gesehen zu haben.
Auf dem Gipfel16 Uhr treffen sie Leo am Rande des Gipfelplateaus. Auch er will noch zum Gipfel gehen und diesmal spielt auch das Wetter mit. Die Wolken reißen noch einmal auf und gegen 17 Uhr steht Leo in strahlendem Sonnenschein auf dem Gipfel des Cho Oyu mit Blick hinüber zum Everest. 18 Uhr erreichen Götz und Max das Lager, 20 Uhr ist schließlich auch Leo wieder unten.
Die anderen feiern inzwischen den per Funk ins ABC übermittelten Gipfelsieg und geben die Erfolgsmeldung via Satellitentelefon in die Heimat durch.

07.05.1997 Leo, Götz und Max bauen am frühen Morgen das Lager 3 (7500m) ab und treten mit schweren Rucksäcken den Abstieg an. Selbstverständlich wird auch der gesamte Müll wieder mit hinunter genommen. Noch ausgepumpt vom Gipfeltag ist der Abstieg besonders in den Fixseilpassagen sehr anstrengend. Angekommen im Lager 2 (6800m) müssen sie feststellen, daß dort außer dem erwarteten Zelt auch noch ein Schlafsack, Isomatten, Kocher, Gas und Verpflegung liegen. Da alles mit hinunter muß, wachsen die Rucksäcke auf beängstigende 40kg an - für diese Höhe viel zu viel und nach dem gestrigen Gipfeltag eine enorme Belastung. Entsprechend langsam geht es auch vorwärts, und so ist die Freude groß, als im Depot auf 6400m 2 Tibeter ihre Hilfe anbieten. Spät erst erreichen die 3 Gipfelstürmer das Lager 1 auf 6000m, wo Panne schon mit heißem Tee wartet. Er ist, nachdem er sich vom Aufbau des Gipfellagers einige Tage unten erholt hat, heute vom ABC hier heraufgestiegen, um das Gipfelteam zu empfangen und beim Abbau von Lager 1 zu helfen. Mit dem Kochen hat er alle Hände voll zu tun, da der Durst der drei schier unstillbar ist.

08.05.1997 Panne, Leo, Götz und Max bauen das Lager 1 ab und gemeinsam mit einigen Tibetern wird das gesamte Gepäck ins Depot auf 5700m gebracht, von wo es die Yaks abholen sollen. Meutz, der vom ABC ins Depot aufgestiegen ist, hat dort schon einige Tonnen transportfertig gemacht. Im Schneeregen und bei eisigem Wind wartet er erst auf die restliche Ausrüstung aus Lager 1 und dann auf die Yaks, die ewig nicht kommen wollen.
Bei den Zelten einer kanadischen Expedition bekommen wir einen heißen Tee und die Nachricht, daß zwei von ihnen, Steve und Fred, gestern den Gipfel des Cho Oyu erreicht haben. Wir freuen uns mit ihnen und setzen dann den Abstieg fort, wobei uns die Yaks entgegenkommen. Im Basislager gibt es eine herzliche Begrüßung und mit Cho Oyu - Gipfelmeister feiern wir den 3fachen Gipfelerfolg. Am Abend gibt es ein großes Festessen, bei dem die letzten Leckereien aus unseren Vorratstonnen auf den Tisch kommen.
Das ABC-Team hat heute schon die nicht mehr benötigten Dinge zusammengepackt und viele Tonnen transportfertig gemacht. Auch die Yaks sind inzwischen alle da.

09.05.1997 Schon früh am Morgen beginnen wir mit dem Zusammenpacken der restlichen Ausrüstung und dem Abbau der Zelte. Die Yaktreiber freuen sich über zahlreiche Geschenke aus unseren Lebensmittelvorräten und diskutieren wie immer stundenlang über die Verteilung der Tonnen auf die einzelnen Yaks. Meutz, Linde, Max und Peter gehen inzwischen schon los in Richtung Basislager. Die anderen bleiben so lange, bis auch das letzte Yak erfolgreich beladen ist. Diesmal schaffen wir den Weg zurück ins Basislager an einem Tag, doch nach den 8 Stunden Dauermarsch sind alle entsprechend geschafft. Zur Begrüßung gibt es dafür endlich wieder einmal Bier - wenn auch leider nur chinesisches Huang He. Max hat der Streß der letzten 3 Tage etwas mitgenommen, und so verbringt er den Abend mit Fieber und einer beginnenden leichten Lungenentzündung im Schlafsack. Als Horst Kaluza, Heinz Rockenbauer und Helmut Nutz von der deutsch-österreichischen Gruppe dann am späten Abend einen Jeep organisieren, um sofort noch nach Nyalam zu fahren, fährt Max mit, um möglichst schnell in tiefer gelegene Regionen zu kommen. Alle anderen feiern am Abend noch einmal ausgiebig den Gipfelerfolg.

Mittagessen in Zanghmu10.05.1997 Vom Basislager geht es mit den Jeeps zurück nach Nyalam, wo Max und die drei anderen zusteigen. In der Hoffnung, noch heute abend in Kathmandu unser Küchenteam zu einem Abschiedsessen einladen zu können, fahren wir nach Zanghmu, wo wir ohne größere Probleme die chinesische Grenze passieren. Am nepalesischen Zoll in Kodari scheitert unser Vorhaben jedoch kläglich. Selbst stundenlange Verhandlungen sowie kleine Geschenke können den Zollchef nicht umstimmen. Er besteht darauf, morgen unser gesamtes Expeditionsgepäck einzeln zu überprüfen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als in einem Hotel abzusteigen und noch eine Nacht in Kodari zu verbringen.

11.05.1997 Als die Verhandlungen mit dem Zoll auch heute keine wesentlichen Fortschritte machen, lassen wir George und Mingma zurück, um die Angelegenheit zu regeln und fahren per Bus eben ohne unser Gepäck nach Kathmandu. Während der etwa 5 Stunden dauernden Fahrt hinab in grüne, blühende Täler haben wir noch einmal einen grandiosen Blick auf die schneebedeckte Himalaya-Hauptkette.
Spät am Abend tauchen endlich George und Mingma auf und auch unser Expeditionsgepäck ist nun vollzählig und unbeschadet in Kathmandu angekommen. Beim Abschiedsessen mit unserem Küchenteam erfahren wir viel über Nepal und die Sherpas. Das Wichtigste aber ist: endlich wieder ein ordentliches Steak nach 1 Monat Tütennahrung!

12.05.1997 Panne, Meutz, Linde und Peter fliegen heute schon zurück nach Deutschland, da sie in der nächsten Woche wieder arbeiten müssen. Alle anderen kümmern sich um das Trocknen und Sortieren der Expeditionsaurüstung, wozu wir den ganzen Innenhof unseres Hotels in Beschlag nehmen. Übriggebliebene Lebensmittel verschenken wir an unser Küchenteam sowie die Hotelangestellten, die sich über sächsische Rote Grütze genauso freuen wie über die vielen Tafeln Schokolade und tütenweise Bonbons.

13.-15.05.1997 Ehrli, Leo, George, Götz und Max organisieren den Rücktransport des Expeditionsgepäcks nach Deutschland per Aircargo, verkaufen einen Teil der Ausrüstungsgegenstände in Kathmandu und kümmern sich um die Erledigung aller noch ausstehenden Dinge. Von Asian Trekking erhalten wir die offiziellen chinesischen Zertifikate über die Besteigung des Cho Oyu.

16.05.1997 Ehrli, Leo und Max gehen zusammen mit Shera und Mingma auf Stadtbesichtigung. Besonders sehenswert: der Affentempel und die hinduistische Verbrennungsstätte in Kathmandu sowie die eine halbe Autostunde entfernt gelegene historische Stadt Bakthapur.

17./18.05.1997 Ehrli, George, Leo und Max unternehmen gemeinsam mit unserem Koch Shera eine Rafting-Tour auf dem Trisuli-River. Durch den niedrigen Wasserstand ist der Fluß leider recht harmlos. Bei Lufttemperaturen um die 40°C ist es allerdings im Wasser am angenehmsten...
19.05.1997 Nach herzlicher Verabschiedung von Mingma, Shera und dem Team vom Hotel Marsyangdi Mandala fahren wir zum Flughafen, wo uns die Leute von Asian Trekking viel Streß mit Gepäck, Zoll und Paßkontrolle abnehmen. Schließlich sitzen wir im Flieger und verlassen Kathmandu. Der Flug beschert uns einen herrlichen Blick von oben auf den Mount Everest, unseren wieder einmal unerfüllt gebliebenen Traum...
In Dakha haben wir diesmal 8 Stunden Aufenthalt, die wir in einem Hotel irgendwo in der Stadt verbringen. Die fast einstündige Fahrt dorthin zeigt uns alles wesentliche von Bangladesch: überall tischebenes Flachland, unsägliche Armut, und Menschen über Menschen...

20.05.1997 Von Dakha fliegen wir über Dubai zurück nach Frankfurt. Da Götz heute Geburtstag hat, bescheren wir ihm auf dem Bahnhof ein T-Shirt mit der Aufschrift Ich bin 38 - Bitte führen Sie mich auf den Mount Everest. Mit dem Zug geht es von Frankfurt nach Dresden, wo wir auf dem Hauptbahnhof von unseren Freunden, Angehörigen und den anderen Expeditionsteilnehmern empfangen werden. Die zahlreich vertretene Presse deutet schon an, welcher Streß in den nächsten Wochen auf uns zukommt...

26.06.1997 Cho Oyu-Gipfelparty im Dresdner Studentenclub Bärenzwinger. Bei Musik von Hammond Eggs, Sofa 8 und Sprungfeder sowie 1000 l Eibauer Freibier feiern 500 Bergfreunde mit uns den Gipfelerfolg. Besonders freuen wir uns, daß auch Martin Schöpf und Heinz Rockenbauer den weiten Weg aus Österreich nach Dresden zurückgelegt haben, um mit uns zu feiern...

Wetter
Der Wetterverlauf zeigte sich während der gesamten Expeditionsdauer nahezu konstant: Früh zeitig war es bei extremer Kälte und meist wolkenlosem Himmel oft sehr windig. Zwischen 7 und 10 Uhr konnte man bei nachlassendem Wind (manchmal völlige Windstille) von hervorragendem Wetter sprechen: blauer Himmel, keine Wolke in Sicht, nicht zu kalt, gute Fernsicht. Am späten Vormittag konnte man mit zunehmender Windstärke rasche Wolkenbildung und Eintrübung beobachten, und mit Ausnahme weniger Tage setzten zwischen 12 und 16 Uhr die ersten Schneeschauer ein, die am späten Nachmittag oftmals in dichtes Schneetreiben oder gar Schneesturm übergingen. Gegen Abend hörte der Schneefall in der Regel auf und einzelne Aufhellungen kündeten bereits eine sternklare und dadurch eiskalte Nacht an, bevor der nächste Tag einen ähnlichen Wetterablauf brachte.
Bedingt durch diese Regelmäßigkeit eigneten sich besonders die Vormittagsstunden zu größeren Aktionen am Berg. Ein zu zeitiger Aufbruch war jedoch aufgrund der großen Kälte nicht empfehlenswert.
Verpflegung

Bestens bewährt hat sich die Zusammenstellung unserer Hochlager- und Tourenverpflegung, wobei wir auf abwechslungsreiche und kohlenhydrathaltige Kost achteten. Während wir in den Hochlagern abends gefriergetrocknete Schultheiss-Trekkingmahlzeiten und verschiedene Tütensuppen (ohne Kochzeit) sowie getrocknetes Brot bevorzugten, gab es früh oft Rote oder Blaue Grütze, heiße Kaltschale (alles KOMET), Grießbrei oder ähnliches.
Für unterwegs haben sich die von uns verwendeten VIBA-sportsline Fruchtschnitten bestens bewährt, da diese in großen Höhen, bei trockenem Hals und extremer Kälte auch ohne Flüssigkeitszufuhr noch hervorragend zu kauen und zu schlucken sind. Die Sortenvielfalt sowie praktische und gut portionierte Verpackung trugen dazu bei, diese Riegel zu unserer bevorzugten "Zwischendurch-Mahlzeit" werden zu lassen. Die vielfach übliche Tafel Schokolade ersetzten wir teilweise durch VIBA Nougat- und Nougat-Krokant-Riegel, die neben ihrer Eigenschaft, im Gegensatz zu normaler Schokolade auch bei -20°C noch gut eßbar zu sein, besser portioniert sind und auch in großer Höhe noch schmecken. Die von uns ebenfalls verwendeten POWERBARs sind zwar hervorragende Energielieferanten, bei Minusgraden jedoch nur nach vorherigem Anwärmen in der Hosentasche genießbar. Unterwegs fehlt zudem oft die zum Schlucken dringend erforderliche Flüssigkeit.
Die Basislagerverpflegung bestand in der Regel aus abwechslungsreichen Kartoffel-, Nudel- und Reisgerichten mit viel Gemüse, als Ergänzung sächsischen Spezialitäten, wie Dresdner Christstollen, Quarkkeulchen und Eierkuchen (KOMET), sowie Käse, Honig, Ovomaltine, Schinken, Salami und Fisch.
Ausrüstung
Während der gesamten Expedition verwendeten wir die für solche Unternehmungen heute übliche Spezialausrüstung, die in aller Regel den extremen Anforderungen gut genügt. Besonders hervorzuheben ist unsere YETI-Daunenausrüstung, der es nicht zuletzt zu verdanken ist, daß alle Expeditionsteilnehmer gesund und ohne Erfrierungen nach Hause zurückgekehrt sind. Neben den Daunenschlafsäcken (YETI Angel) in DryLoft-Qualität (bietet extreme Vorteile bei bereiftem Innenzelt) bewährte sich besonders am Gipfeltag die bei voller Bewegungsfreiheit superwarme Kombination Daunenjacke/Daunenhose/Daunenhandschuhe (YETI Samok Extrem/Uschba Extrem/Camp Extrem). Die üblichen Expeditions-Plastbergstiefel (Asolo/Koflach) mit Übergamaschen (berghaus/Outdoor Research) und Neopren-Overboots (berghaus) sowie (unterhalb Lager 2 anstelle der Daunenbekleidung) GORE-TEX-Jacken und -Hosen (Schöffel, Mammut) vervollständigten die Wetter- und Wärmeschutzkleidung. Anzumerken ist, daß es bei der Verwendung von Übergamaschen und/oder Overboots große Probleme mit der Steigeisenbefestigung gab (Riemen zu kurz, schlechter Sitz).
Gute Dienste leisteten neben der Standardausrüstung (Klettergurt, Skistöcke, Eispickel, Karabiner, usw.) Steigklemmen (im Bereich der Fixseile) und Antistollplatten (besonders im Abstieg).
Auf unserer Expedition hatten wir die Möglichkeit, Leichtgewichtszelte mit neuen Außenmaterialien (SALEWA Blanca und Sierra Leone) zu testen, die sich - insbesondere wegen ihres sehr günstigen Gewichts - gut bewährt haben. Weiterhin kamen WILD COUNTRY Quasar, vauDe Space-Serie und TATONKA Sherpa-Dome sowie Big One Six (ABC und Lager 1) zum Einsatz.
Aufgrund des günstigen Handlings verwendeten wir oberhalb des ABC ausschließlich Gaskocher mit Schraubkartuschen (System EPIgas), in den oberen Lagern bevorzugt MARKILL Stormy, da diese sich aufhängen lassen und somit auch im voll belegten Zweimannzelt ein Kochen ohne die Gefahr umfallender Töpfe und verschmorter Schlafsäcke möglich ist. Das mit den leeren Kartuschen entstehende Müllproblem ließe sich durch eine Wiederbefüllung vermeiden. Die Herstellerfirmen unternehmen jedoch in dieser Richtung leider ganz bewußt überhaupt nichts.
Eine von uns unter extremen Bedingungen getestete rein mechanische Armbanduhr des Glashütter Uhrenbetriebs funktionierte auch auf über 8000m und bei unter -25°C noch präzise und völlig einwandfrei (ganz im Gegensatz zu den für solche Einsätze üblichen batteriebetriebenen Uhren).
Als Transportverpackung haben sich (inzwischen auf vielen Expeditionen) wasserdicht verschließbare Plastikfässer mit 60-100 l Fassungsvermögen (Perstorp Norkun) am besten bewährt - ganz gleich ob man Träger (wie z.B. im Karakorum oder teilweise in Nepal) oder Yaks (wie in Tibet) für den Transport ins Basislager in Anspruch nehmen muß.
Funk
Eine gut funktionierende Funkverbindung zwischen den einzelnen Hochlagern und dem Basislager trägt entscheidend zur Sicherheit einer Expedition bei. Um für verschiedene Anwendungen optimal ausgerüstet zu sein, haben wir zwei verschiedene Systeme mitgeführt. So verwendeten wir Albrecht Sporty Handfunkgeräte für den Kontakt zwischen den einzelnen Lagern und unterwegs, wobei das niedrige Gewicht die geringe Reichweite (bei Sichtkontakt bis zu 4 km) bei entsprechendem Einsatz mehr als aufwiegt. Für größere Distanzen kamen Motorola-Handfunkgeräte (2m-Band) zum Einsatz.
Film & Foto
Fast jeder Expeditionsteilnehmer führte eine eigene Fotoausrüstung mit. Fotografiert wurde vorzugsweise mit Spiegelreflexkameras, aber auch Kleinbild-Sucherkameras kamen (besonders in höheren Regionen) zum Einsatz.
Mit den beiden mitgeführten Digital-Videokameras (SONY) wurden (hauptsächlich durch Expeditionskameramann Jörg Ehrlich) 10 Stunden Filmmaterial aus Höhen bis zu 7500m aufgenommen. Hauptproblem beim Filmen (und auch Fotografieren) war die extreme Kälte beim Arbeiten ohne Handschuhe. Aus diesem Grunde existieren auch keine Filmaufnahmen vom Gipfel, obwohl die kleinere Kamera mit bis hinauf zum Gipfelplateau genommen wurde.
Satellitentelefon
Um eine Kommunikationsmöglichkeit mit der Heimat zu haben, im Ernstfall aber auch, um nach Kathmandu oder Lhasa telefonieren zu können (dies ist im Falle unseres kranken Küchengehilfen auch erforderlich gewesen), haben wir ein GESAT-Satellitentelefon mitgeführt.
Zur 220V-Stromversorgung des etwa 10kg schweren Telefons diente ein BOSCH-Dieselgenerator, der im ABC installiert und fast täglich etwa 2 Stunden in Betrieb genommen wurde. Eine Solarstromversorgung wäre für unser Satellitentelefon-Modell nicht möglich gewesen, da eine Paneelfläche von mehr als 3m² erforderlich gewesen wäre. Der mitgeführte Laptop wurde ebenfalls über den Dieselgenerator betrieben (aufgeladen). Mit der Gerätekombination Telefon - Laptop - Digital-Videokamera waren Empfang und Versendung von Textdateien (Fax) sowie digitalisierter Bilder unserer Bergbesteigung möglich. Diese Technik ermöglichte eine umfangreiche Berichterstattung in den Medien zu Hause in Sachsen.

Medizinische Versorgung
Alle Teilnehmer wurden vor der Expedition ärztlich untersucht (Impfplan, EKG, Zahnarzt, allg. Untersuchungen). Leider mußte Dieter Rülker wenige Wochen vor Expeditionsbeginn seine Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen absagen.
Die medizinische Betreuung während der Expedition übernahm Peter Roszeitis, Oberarzt in der Unfallchirurgie Riesa. Hauptprobleme waren die Umstellung auf asiatische Ernährungsgewohnheiten, die (vor allem in Kathmandu) zu vorübergehenden Durchfallerkrankungen führte sowie hartnäckige Erkältungen und leichte Infekte, die sich einige Teilnehmer bei naßkaltem Wetter und der Fahrt auf einem offenen LKW im Regen auf der Anreise zuzogen. Mit Hilfe unterschiedlicher Antibiotika konnten diese Erkrankungen jedoch in fast allen Fällen vollständig auskuriert werden.
Da auf die Verwendung von künstlichem Sauerstoff von vornherein konsequent verzichtet wurde, stellten wir der Fahrt ins Basislager (4800m) einen dreitägigen Akklimatisationsaufenthalt in Nyalam (3700m) mit Touren auf die umliegenden 4000er voran. Dies hat sich bereits bei vorangegangenen Expeditionen bestens bewährt und führte zur weitgehenden Vermeidung von Anpassungsproblemen. Außer bei Olaf Köhler, der nach einigen Tagen im ABC Anzeichen einer höhenbedingten Unverträglichkeit zeigte und vorzeitig die Heimreise antrat, traten bei keinem Teilnehmer ernsthafte Akklimatisationsschwierigkeiten auf.
Als Rettungssystem für höhenbedingte Erkrankungen in akuten Stadien führten wir zwei Überdruck-Höhenrettungssäcke (CERTEC-Bags) aus dem Expeditionslager des Deutschen Alpenvereins in München mit, die jedoch glücklicherweise nicht zum Einsatz kommen mußten. Gleich zu Beginn unserer Aktivitäten am Berg wurde einer der beiden CERTEC-Bags im Lager 1 (6000m) deponiert, wo er bis zum Ende der Expedition für den Ernstfall bereitlag. Ebenso erhielt jedes Hochlager sofort bei der Errichtung eine Hochlagerapotheke. Jede am Berg aktive Gruppe führte darüberhinaus stets mindestens eine Rucksackapotheke mit den wichtigsten Medikamenten mit sich. Beim Aufenthalt in größeren Höhen traten bei einzelnen Teilnehmern Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit in unterschiedlicher Intensität auf, was jedoch keine ernsthaften Probleme mit sich brachte.
Ein ausreichender Vorrat an verschiedensten Husten-, Hals- und anderen Bonbons sowie deren ständiges Lutschen beugten wirkungsvoll trockenen Schleimhäuten vor und verminderten damit den in der Höhe gefürchteten Reizhusten, der durch das intensive Einatmen kalter und trockener Höhenluft kaum vollständig vermeidbar ist.
Die akute Erkrankung eines nepalesischen Küchengehilfen mußte nach gründlicher Untersuchung als Magengeschwür diagnostiziert werden, worauf dieser in Begleitung ins Basislager hinuntergeschickt und von dort nach Kathmandu abtransportiert wurde (in einem dortigen Krankenhaus erfolgte später ein operativer Eingriff).
Durch nicht ausreichende Sonnenschutzmaßnahmen kam es bei einigen Teilnehmern zu schwerem Sonnenbrand, besonders im Bereich der Lippen (Dirk Pannenborg). Andere wesentliche Verletzungen traten nicht auf.
Besonders hervorzuheben ist, daß kein Teilnehmer trotz der teilweise extremen Kälte auch nur die geringste Erfrierung davongetragen hat, während einige Mitglieder anderer Expeditionen (Österreicher, Spanier, Amerikaner u.a.) mit angefrorenen Fingern, Zehen und Nasen die Heimfahrt antreten mußten.
Diese oftmals selbst verschuldeten Erfrierungen sind vor allem mit falschem Verhalten in der sogenannten „Todeszone“ oberhalb 7000m (unvorbereitetes Biwak in Gipfelnähe!), ungenügender Wärmeschutzbekleidung und ungenügender Flüssigkeitszufuhr (verminderte Durchblutung!) zu begründen und wären bei richtigem Verhalten zum großen Teil vermeidbar gewesen.
Last but not least: sauber und "by fair means"...
Die Entsorgung des anfallenden Mülls und der Abfälle stellt eine nicht zu unterschätzende Aufgabe für eine Expedition dar, der schon in der Vorbereitung entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.
Die geringste Belastung der Bergwelt stellt ohne Zweifel der vollständige Verzicht auf Hochgebirgsexpeditionen dar. Führt man trotzdem derartige Expeditionen durch, lassen sich hauptsächliche Probleme schon im Ansatz weitgehend vermeiden, indem man einen modernen Expeditionsstil mit dem Verzicht auf unsportliche Hilfsmittel verbindet und so den Umfang des Expeditionsgepäcks erheblich reduzieren kann.
Mammutexpeditionen mit riesigem Materialaufwand, wie sie vor allem Japaner und Koreaner auch heute noch in großem Umfang durchführen, sind sowohl vom sportlichen Anspruch als auch hinsichtlich der Umweltbelastung äußerst fragwürdig. Für den Einsatz von künstlichem Sauerstoff gilt dies insofern in verstärktem Maße, als seit 1980 eindeutig bewiesen ist, daß auch der Mount Everest, der höchste Berg der Erde, ohne dieses Hilfsmittel bestiegen werden kann. Wer sich "seinen" 8000er mit Hilfe des technischen Fortschritts per Sauerstoffzufuhr auf 6000 oder weniger Meter herunterreduziert, betrügt sich nicht nur um das einmalige Erlebnis, diesen Giganten aus eigener Kraft bestiegen zu haben, sondern bringt sich und andere durch das falsche Einschätzen der benötigten Sauerstoffmenge unnötig in Lebensgefahr.
Die gängige Praxis, leere Sauerstoff-Flaschen einfach liegenzulassen, trägt maßgeblich zur Verunreinigung der höchsten Gebirgsregionen unserer Erde bei, und so haben wir auch am Cho Oyu auf über 8000m die traurige Hinterlassenschaft einiger Möchtegern-Achttausenderbesteiger vorgefunden. War die Verwendung von Flaschensauerstoff in der Zeit der Erstbesteigung der 14 Achttausender logisch und durchaus vertretbar, so sollte man sich in unserer heutigen Zeit, mit moderner und um ein Vielfaches leichterer Ausrüstung, der sportliche Herausforderung einer Besteigung "by fair means" nicht entziehen.
Gleiches gilt auch für die Zuhilfenahme von Hochträgern (Sherpas) zur Errichtung der Hochlager oder gar den Transport der Sauerstoff-Vorräte und des eigenen Rucksackes bis in Gipfelregionen: derartiges Vorgehen mindert den sportlichen Wert einer Besteigung erheblich und führt nicht zuletzt durch übergroße Transportkapazitäten zu großen Umweltverschmutzungen. Kaum einem Träger ist verständlich zu machen, daß Abfälle und Müll wieder ins Tal hinuntergetragen werden sollen, und nicht benötigte Lebensmittel der mit Hilfe von bezahlten Trägern überreichlich ausgestatteten Lager landen oft in der nächsten Gletscherspalte.
Die Devise sollte hingegen stets sein: klein, leicht, schnell und mit einem Minimum an Aufwand. Dort, wo der (sportlich und ökologisch sicherlich optimale) Alpinstil nicht zur Anwendung kommt, sollte es zumindest ein Leichtgewichts-Expeditionsstil sein, wie wir ihn schon seit Jahren erfolgreich praktizieren. Auch am Cho Oyu haben wir uns bemüht, nur das unbedingt notwendige mit am Berg nach oben zu nehmen, und auch wenn das nicht immer ganz optimal geklappt hat, sind wir doch sehr stolz darauf, keinerlei Müll am Berg hinterlassen zu haben.
Sämtliche Abfälle wurden bis ins vorgeschobene Basislager hinuntergetragen, brennbarer Müll dort größtenteils verbrannt. Nicht brennbare Abfälle haben wir nach Kathmandu mitgenommen und dort entsorgt, Sondermüll (Batterien etc.) wurde in Deutschland der fachgerechten Entsorgung zugeführt.
Ein wesentlicher Beitrag zur Müllvermeidung läßt sich mit der Verwendung wiederaufladbarer Akkus für Funkgeräte, Videokameras, Walkmen und Stirnlampen und deren Aufladung durch Solarstrom leisten. Die von uns für diesen Zweck mitgeführten Solarpaneele (BOSCH) leisteten dabei hervorragende Dienste.
Bei der Auswahl der Lebensmittel und anderer Verbrauchsgüter wurde von vornherein auf möglichst kleinen Verpackungsanteil und damit geringen Müllanfall geachtet.
Wir danken
ganz herzlich all denen, die durch Ihre moralische, finanzielle und sonstige Unterstützung die Durchführung unserer Expedition ermöglicht haben. Ohne die Hilfe unserer Angehörigen, Frauen, Kinder und Eltern, unserer Bergfreunde, der vielen Interessenten für unsere Grußpostkarte und der im folgenden genannten Sponsoren wäre unser Gipfelsieg am 8201m hohen Cho Oyu nicht möglich gewesen.

Im einzelnen waren das:
    der Deutsche Alpenverein
    der Landkreis Sächsische Schweiz
    die Städte Heidenau, Meißen und Freiberg
unsere Hauptsponsoren:
    BOSCH Elektrowerkzeuge GmbH Leinfelden-Echterdingen
    YETI Exner Design Borgdorf
unsere weiteren Sponsoren sowie Firmen, die uns großzügige Rabatte gewährten oder anderweitig unterstützten:
    Münch-Bräu Eibau
    KOMET Gerolf Pöhle & Co. GmbH Großpostwitz
    KNOX Räuchermittelherstellung GmbH Mohorn-Grund
    Eminett Cunersdorf
    Sparkasse Pirna-Sebnitz Pirna / Sebnitz / Heidenau
    Meissner Druckhaus GmbH Meißen
    Rumtreiber Dresden
    Laden für Rucksaxen Freiberg
    Salewa Aschheim
    Perstorp Norkun Schwerin-Sacktannen
    VIBA Süßwaren GmbH Schmalkalden
    Schmidt-Bank Chemnitz
    Glashütter Uhrenbetrieb GmbH Glashütte
    Dresdner Neueste Nachrichten Dresden
    Rehazentrum Riesa Riesa
    Hoffmann Oliven Dresden
    SoftEd Systems Dresden
    GESAT Frankfurt/Main
    Dresdner Bank AG Dresden / Meißen / Riesa
    Albrecht Electronic GmbH Trittau
    Forster Industrie- und Kesselreinigungs-GmbH Forst
    EWEX Engineering Boxberg
    MSR GmbH Lübbenau
    Schöffel Sportbekleidung GmbH Schwabmünchen
    Schlosserei Näke Heidenau
    Elektro-Lösel Ehrenberg
    Drogerie Arnhold im Hauptbahnhof Dresden
    Schultheiss Trekking-Mahlzeiten Mörfelden-Walldorf
    DresdenFernsehen Dresden
    Dresdner Morgenpost Dresden
    vauDe Tettnang
    SARi - Schulz Aktivreisen Dresden
    Kühne & Nagel Dresden
    Chemnitzer Brotunion Chemnitz
    Sachsenmilch Dresden
    POWERBAR Powerfood Burgberg
Unser besonderer Dank gilt den vielen privaten Spendern, die wir jedoch hier nicht alle namentlich erwähnen können

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